Die letzten Tage bin ich mal wieder sehr mit Golf beschäftigt. Was Wunder, schliesslich musste ich Trainingsrückstand nachholen, interessante Turniere stehen an.
Allen voran, natürlich ein PRO-AM-Turnier auf meinem Lieblingsplatz in Nuevo Vallarta: die hoffnungsvollsten Nachwuchsgolferinnen aus ganz Amerika (Nord, Mittel, Süd) sowie Europa und Asien geben uns hier die Ehre, sie spielen auf der Qualifying Tour um die nötigen Siege/Punkte/Preisgelder für den Einzug in die ganz grosse Liga, die Ladies PGA zu verbuchen. Ab morgen wird es ernst für 142 junge Frauen aus knapp 30 Ländern, der Cut will erspielt werden um im Finale am Sonntag möglichst bestens zu scoren.
Ja, ich weiss, das ist jetzt wieder etwas Fachchinesisch für viele meiner Blogbesucher/innen. Aber ein paar Golfer gehören ja auch zu meiner Leserschaft. So, keine Sorge, ich will ein bisschen erklären:
Gestern spielte ich ein Geisterturnier!
Denn ein normales PRO-AM-Turnier ist eigentlich ein etwas sehr feines, ein sehr gesuchtes Event für jeden Golfer. Dafür bezahlt man auch gerne eine entsprechende Start-Gebühr. In solchen Turnieren spielt ein PROfessioneller Golfer (Golferin) mit AMateuren (Amateurinnen), die auf solch einer Golfrunde natürlich Golfunterricht der Oberklasse bekommen können. In der Regel sind die PROs wirklich sehr aufgeschlossen, beantworten jede Frage, zeigen den einen oder anderen hilfreichen Trick, Schlag, Lesart des Grüns usw. Diese Turniere sind keine reine Spass-Angelegenheit. Wer als Amateur solch ein Turnier spielt, will lernen, lernen in angenehmer Atmosphäre, direkt vom Spezialisten, in realen Bedingungen.
Zugleich haben solche PRO-AMs aber auch Rahmenbedingungen wie kaum ein anderes Turnier: Sponsoren laufen sich üblicherweise wie Absätze flach, um bei solchen Veranstaltungen sich präsentieren zu können. Da sind Golf-Ausstatter, Sportartikel-Hersteller, örtliche Restaurants, Hotels, Autohäuser, Radio- und lokale TV-Sender, Zeitschriften, in Mexiko natürlich auch die Tequila-Firmen und viele mehr.
Solche Sponsoren präsentieren ihre Waren während des Turniers an, z.B. als Willkommens-Geschenke, oder Snacks auf verschiedenen Fairways oder im Club Haus. Sie loben Preise aus, wie z.B. ein Auto für ein Hole-in-One, einen Hotelaufenthalt von xTagen für den am besten platzierten Schlag zur Fahne an einem Par-3, ein Abendessen für x Personen usw.
Bei solch grossen Turnieren ist üblicherweise die Versorgung während der 18-Loch-Spielrunde derart umfassend, dass man nach Verköstigung aller Gratis-Angebote entweder nach 6 Löchern und ordentlichem Zuspruch bei den Tequila-, Bier und Cocktail-Angeboten beim Abschlag schon 2 Bälle sieht, oder nach 10 Löchern der Bund der Golfhose bedrohlich zwickt, oder, wie mir letztes Jahr passiert, man sooo relaxt nach einer Nacken- und Rückenmassage am 15. Loch ist, dass man den Abschlag glatt bis zum weit dahinter liegenden Parkplatz auf ein Auto drischt. Natürlich gibt es nach der Runde nochmals ein vollgepacktes Buffet, Preisverleihung, und häufig auch noch später am Abend eine Cocktail-Party mit den PRO-Spieler/innen in einem feinen Hotel.
Gestern allerdings spielten wir ein PRO-AM der ganz anderen Art! Wir spielten mehr oder weniger ‘unter Ausschluss der Öffentlichkeit’: nicht ein einziges Reklameschild irgendeiner Firma stand irgendwo herum, nicht ein einziger Stand mit Snacks oder Getränken. Noch nicht einmal ein Käppi oder einen Golfhandschuh, oder auch nur einen einzigen Golfball bekam man als Willkommens-Geschenk. Die üblichen Eisboxen alle paar Fairways mit Softdrinks, Wasser, Bier – Fehlanzeige. Wir wurden mit einem halben Liter Wasser pro Kopf auf die Runde geschickt und freuten uns tierisch, dass nach verschwitzten zig Runden endlich das Getränke-Schoko-Müsliriegel-Salznüsschen-Fahrzeug angebraust kam und wir und etwas kaufen konnten.
Mein Team hatte wohl Spass. Wir haben nicht gewonnen, 7 unter Par bei Scramble reichen nicht. Es gab ohnehin nur einen Preis für das beste Team, keinen Zweiten, keinen Dritten, kein Longest – Drive. Nur ein einziges Loch gewertet für ‘closest to the pin’.
Wen wundert es also, dass wir Buffet im Clubhouse und Preisverleihung gerne versäumt, dafür aber sofort ins Restaurant eines unserer Teamworkers gezogen sind, dort erstklassige tacos mit Meeresfrüchten, Lachs, Hühnchen und reichlich totopos mit salsa roja und salsa verde, und anderen Leckereien uns schmecken liessen, während Fabrizio, ein Spieler unseres Teams, kaum in seinem Restaurant angekommen, sich das Golfhemd vom Leib riss, seine Gattin ihm sein Real-Madrid-Fan-Teeshirt überstreifte, Don Vallartino ihm nochmals einschärfte ‘vergiss bloss nicht, dass ich Münchener bin’, woraufhin unser vierter Mitgolfer, Doc Edgar, “Madrid” an die eine und “Bayern” an die andere Längsseite des Tisches setzte, Ehefrauen dazwischen und dann orderte Doc Edgar: schaltet die Fernseher an, die Champions-League beginnt!
Die lausige Golfrunde war vergessen.
In der Pause zur Verlängerung fand ich es aus gesundheitlichen Gründen angebracht, Don Vallartino schnell ins Auto zu verfrachten, nach Hause zu bringen, wo er bis zu Schweini’s Elfmeter das ganz grosse Zittern hatte. Und nach Schweinis Elferbombe konnte ich unserem Real-Freund die message schicken: Viva Bayern!!!!! No llores!
Und weil nun Schweini die Welt wieder gerade rückte, werden Don Vallartino und Vallartina trotz der mageren Zeiten auf dem Golfplatz ab morgen bis Sonntagabend bei den Lady-PROs die Score-Karten nachrechnen und freiwillig Helfer spielen.
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