Neues aus Guatemala

Gestern habe ich Mike und Uli noch als „verschollen“ vermutet, aber am späten Abend traf dann doch noch ihr nächster Etappenbericht ein.

Zum Weiterlesen bitte auf das Bild klicken:

Advertisements

Verschollen?

Ich geb’s ja unumwunden zu: meine Zeit für’s Bloggen ist in letzter Zeit ziemlich begrenzt. Nicht, dass jetzt jemand glaubt, ich wäre faul, aber nein, gar nicht. Ich hab nur einfach zuviel um die Ohren. Mittlerweile bekomme ich schon „Anstupser“ bis besorgte Nachfragen, Dank und Nachsicht, liebe Freunde des Vallartina-Getippes!

Ich bin also nicht verschollen, und ich gelobe eifriges Bloggen, sobald ich mehr Luft habe!

Verschollen oder zumindest kommunikationslos sind jedoch seit einigen Tagen der Töfli-Mike und sein Biker-Kumpel Uli: Die beiden machten sich vor zwei Wochen mit ihren Motorrädern auf den langen Weg von Puerto Vallarta, Mexiko nach Panama. Für diesen extra-langen und sicher ereignisreichen Trip habe ich mit Mike ein eigenes Blog eingerichtet:

http://toeflimike.wordpress.com/

Reise- und abenteuerlustige Leser sowie Bike-Freaks darf ich zum Lesen auf dieses Blog einladen. Die beiden schicken, sofern sie Internet-Anschluss unterwegs haben, ihre neuesten Fotos und Berichte, ich baue dies ins Blog ein.

Habt eine schöne Zeit, bleibt mir in der Zwischenzeit gewogen und sonnige Grüsse aus Puerto Vallarta

PV Panorama Marina by Elsa María Guadarrama

Mike und Irma on MexikoTour 2012 Teil 5

Wir sind unterwegs durch die Sierra Madre auf einer Höhe von 1900 bis 2000 mNN durch das Bundesland  Aguascalientes mit der gleichnamigen Hauptstadt. Wer sich wirklich für die Schönheiten dieser fantastischen Berglandschaft mit ihren schroffen Tälern, Hochebenen und diesem scheinbar endlosen Himmel interessiert, sollte allerdings als Reisezeit besser die Monate von November bis April, also nach der Regenzeit und durch die regenfreien Winter- und Frühsommer-Monate hindurch, wählen. Jetzt, Ende Mai und nur wenige Wochen vor Beginn der Regenzeit ist die Landschaft hier wie auch in allen bisher von uns befahrenen Bundesländern ausgetrocknet, viele Landstriche wirken staubig und es ist heiss. So werden wir von einem Besuch in Aguascalientes abgehalten: ein Sandsturm nahm uns wieder Sicht und Luft und drosselte unsere Reisegeschwindigkeit drastisch: eine gute halbe Stunde für 10 km gesandete Strecke lässt keine Freude aufkommen.

Die Stadt Aguascalientes (Warme Wasser) hat wirklich heisse Quellen, ein hübsches Stadtzentrum, das sich immer noch kolonialen Charme bewahrt hat, wenngleich manche Leute behaupten, die Stadt sei etwas provinziell. Andererseits wollen viele Urlauber doch das „richtige“ Mexiko besuchen, nun dann ist man in Aguascalientes richtig.

Uns zieht es aber weiter und nachdem wir den Sandsturm abgewettert hatten, führt uns die Strecke wieder durch die Weiten der Sierra, immer leicht bergab, durch die Hochebenen Jaliscos, des durch seinen Tequila berühmt gewordenen Bundesstaates, an scheinbar endlosen Agave- und Mais-Feldern vorbei. Die Landschaft hier sieht bisweilen mediterran aus, einige schroffe mit Kakteen bewachsene Felsformationen wechseln sich ab mit sanften grünen Anhöhen auf denen Ziegen und Kühe grasen was beinahe an das Voralpenland oder den Karst in Slowenien erinnert.

auf 2400 Metern in der Sierra

600km fantastische Bergstrecke in der Sierra

in der Sierra Madre Occidental, Jalisco 2000mNN

Guadalajara, die Hauptstadt, umfahren wir, immer Richtung Atotonilco el Alto und dem ganz in der Nähe liegenden Örtchen Santa Elena, zu unserem Freund Charly.

Charly’s Kneipe

Schon seit 12 Jahren besuchen wir Charly regelmässig zu Kurzurlauben in der Sierra. Aber auch um unseren Freund Chava in seiner erstklassigen Käserei aufzusuchen und ordentlich einzukaufen. Chava fliegt immer wieder in die Schweiz, neue Rezepte und Anregungen holen und sein Sortiment an schmackigen Käsen aus Kuh- Ziegen- und Schafsmilch ist wirklich beeindruckend!

Chava – Ques Art

Bei Charly bleiben wir etwas länger, Irma will sich ausruhen, wir fühlen uns hier wie zuhause und ich selbst geniesse es mit Charly Rundfahrten in der Sierra zu machen, denn auch Charly ist begeisteter Motorradfahrer, also seine BMW 1150Adventure und mein Töfli zeitig am Morgen gestartet und die kühle, frische Morgenluft der Hochebene um die Ohren pfeifen lassen!

Diese Touren sind einfach ein MUSS! Super ausgebaute Strassen, wenig Verkehr, endloser blauer Himmel mit schneeweissen vereinzelten Haufenwolken, unterwegs in ein kleines Dorf, am Taco-Stand ein Birria, ein eiskaltes Bierchen, das ist das mexikanische Biker-Paradies! Kein Besuch in Charly’s Bungalows ohne massives Frühstück und zum Abendessen erstklassige Grillsteaks vom mit armdicken Ästen und aromatisch duftenden Holzscheiten befeuertem Grill. Von den Tequilas und Bierchen, die man dazu braucht, gar nicht zu reden! Charly’s kleines Bungalow-Hotel ist schon zu einem Insider-Tipp unter den „Städtern“ geworden, ein gesuchtes Ausflugsziel für’s Wochenende oder auch für Familienfeiern. Aber auch die Biker-Community, selbst Gruppen seiner Freunde  aus der Schweiz, steuern ihn an. Und Charly organisiert dann für die Tequila-Liebhaber Touren durch die grossen Produzenten wie z.B. 7 Leguas, Don Julio, Don Quiote, Espolon, Puro Sangre etc., deren Inhaber er alle persönlich kennt, und für die Naturliebhaber gibt es Tipps für die besten Motorrad-Touren.

Gestüt in Santa Elena, Jalisco

Es wird Zeit für die Rückfahrt nach Puerto Vallarta. Gute 400 km wären es, aber wir legen noch einen Zwischenstopp bei einem alten Freund, Julio Cabrera, ein.

Nur 60 km von Vallarta entfernt, im Vorgebirge der Sierra Madre liegt das kleine Städtchen Mascota, ein sehr beliebtes Ausflugsziel für die Leute von der Küste. Etwas ausserhalb Mascotas, fast versteckt an einem Berghang gelegen, findet man Yerbabuena , ein kleines, unbedeutendes 350-Seelen Dorf an einem kleinen See gelegen, in dem man nur für sich selbst und nicht für ausländische Touristen lebt.

Sierra bei Mascota

Und trotz dieser Abgeschiedenheit entdeckt man in diesem pueblo ein Schätzchen: El Santuario de la Yerbabuena. Julio und seine Frau María haben hier in dieser  friedlichen Berglandschaft ein urgemütliches, romantisches Gasthaus inmitten eines zauberhaften Gartens aufgebaut.

Julio’s Rancho bei Mascota

Julio ist seit seiner Jugend blind. Eine ungebrochene Liebe zum Leben und zur Musik macht ihn zu einem perfekten, warmherzigen Gastgeber und noch heute kann er trotz seiner Blindheit die umliegende Landschaft detailliert schildern. Und man darf sicher behaupten, dass er jede Statue, jede exotische Pflanze und selbst die mythische Stimmung des nächtlichen Gartens mit seinem Herzen sieht. Wer will, ist eingeladen zu einem Besuch in Julios und Marias  Zaubergarten:

Julio und Maria laden uns ein, am nächsten Tag noch nach Navidad zu fahren. 15 km unbefestigte Strasse führen uns auf knapp 1900 Meter Höhe, ein pueblito noch abgeschiedener als Yerbabuena, ein Dörfchen wie vor hundert Jahren in Stillstand geraten: eine Kirche, ein paar Häuser, kein Restaurant, kein Hotel, nur eine kleine Strassenküche, aber deren Inhaberin hat heute keine Zeit um für Auswärtige zu kochen. Wir respektieren das.

Julio und María, Navidad, Jalisco

Und für uns wurde es Zeit, zur letzten, kurzen Etappe aufzusatteln und zurück nachhause, nach Puerto Vallarta, zu fahren.

Drei Wochen sind wie im Fluge vergangen, 5035 Kilometer Mexiko-Tour liegen hinter uns, ich könnte jammern, denn der Urlaub ist vorbei.

Auch dieses Jahr hatten wir keinerlei Probleme unterwegs. Nicht nur im Süden, auch in der Baja und im Norden Mexikos trafen wir durchwegs freundliche, aufgeschlossene Menschen. Und wieder stellten wir fest, dass die Highways und Überlandstrassen durch faszinierende und so unterschiedliche Landschaften in Mexiko geradezu paradiesisch für Motorrad-Fahrer sind. Doch nicht nur Biker sollten sich bei einer Reise nach Mexiko ein bisschen ausserhalb der üblichen Touristen-Strandburgen umsehen, ein Abstecher in die Kolonialstädte mit ihrem unvergleichlich individuellen Kolorit ist eine Bereicherung jeder Reise. Die sehr bequemen und empfehlenswerten Frist-Class-Busse und nationalen Airlines bieten reichlich Auswahl.

Was auch immer ihr über Mexiko in der Presse lest, von Mord und Totschlag und Drogenkrieg, das trifft auf einige Grenzstädte zu den USA hin zu. Im grossen, restlichen Mexiko aber ist es wie überall: wenn Du Probleme suchst, findest Du sie auch zuhause!

Wer mehr Informationen über Motorradtouren in Mexiko möchte, kann sich gerne an mich oder Charly oder über dieses Blog an uns wenden, wir würden uns freuen.

Mehr über Mike >click  und Mike’s Homepage: Hacienda Alemana

und Mike’s Motorrad-Reise-Blog: http://toeflimike.wordpress.com/

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Mike und Irma on Mexiko Tour 2012 – Teil 4

Auf 2400 Metern Höhe grub sich seit Urzeiten der Rio de la Plata sein Flussbett durch die Sierra Madre Occidental. Die steil abfallenden Hänge bilden einen Talkessel in dem das historische Stadtzentrum von Zacatecas liegt, überragt vom Cerro de la Bufa, ein kegelförmiger Berg. Im Jahre 1546 fanden die spanischen Konquistadoren reiche Silberlager im heutigen Stadtgebiet und im selben Jahr noch wurde der Ort Zacatecas gegründet. Das Gebiet um Zacatecas (náhuatl: Grasland) war jedoch schon seit mehreren tausend Jahren von Indigenen bevölkert, Caxcans, Huicholes,  Zacatecos und andere Stämme beuteten lange vor der Ankunft der spanischen Konquistadoren die Edelmetall-Minen aus.

Das historische Zentrum der Stadt wurde 1993 zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt.

Auch wenn es nicht mein Ding ist, aber in Zacatecas ist eine Stadtrundfahrt mit Führer ein Muss! Man holt uns im Hotel La Finca del Minero ab, wir bilden eine kleine Gruppe von 8 Besichtigungswilligen und vertrauen uns Carlos, dem Reiseleiter an. Den herrlichsten Panoramablick über die Stadt gibt es vom Berg Cerro de la Bufa. Auf der Bufa bewundern wir die Bronzestatuen von Pancho Villa, Felipe Ángeles und Pánfilo Natera, die Helden der Revolution, ein historisches Museum, eine Kirche aus dem 18. Jh., die von den Spaniern gebaut wurde – (fragt mich nicht nach mehr dazu, keine Ahnung, sind ja schliesslich keine Motorräder, das ist Irmas Sache, so der  O-Ton von Mike). Also: die Kirche ist der Virgen del Patrocinio gewidmet und eine schöne Aussichtsplattform und natürlich Gastronomie und Lädchen versorgen die Besucher je nach Gusto.

Zacatecas Blick von La Bufa

Die Bufa selbst bietet ja schon einen grandiosen Blick über die Stadt, aber die Fahrt mit dem Teleférico, der Seilbahn, ist sensationell! In 7 Minuten gondelt man 650 Meter weit in luftiger Höhe über das Stadtzentrum zwischen den Stationen Cerro de la Bufa und Cerro del Grillo. Hergestellt wurde die Seilbahn von eine schweizer Firma, was uns ganz stolz erklärt wurde, und auch die Sicherheitsrichtlinien seien schweizerisch,  und das heisst sicher! Suizo, eben!

Wir gondeln also von La Bufa hinab zur Mine El Edén. Unser Carlos erzählte uns, und heulte fast dabei, dass sein Grossvater noch in dieser Mine, die heute einem grossen kanadischen Konzern gehört, geschuftet hat. Die Mine wird nicht mehr ausgebeutet, sie dient nur noch für Touristen-Führungen. Die tiefste Stelle der begehbaren Stollen liegt 350 Meter unter der Erde. Allerdings steigt das Grundwasser laufend an, die beiden unteren Stockwerke sind schon komplett unter Wasser. Zur Zeit der spanischen Vorherrschaft haben hier die unterworfenen Indios unter unmenschlichen Bedingungen gearbeitet. Kaum einer wurde älter als 35 Jahre und falls ein Mann 10 Jahre unter Tage durchhielt, war er ein körperliches Wrack. Viel erinnert nicht mehr an die Unterdrückung: im ebenerdigen Schacht lärmt dafür nun eine Disco!

Silbermine 300 Meter tief

Silbermine – Andachtsecke

Silbermine – Tour

Silbermine – Schacht

Nach der Minenbesichtigung geht es also durch die Strassen der Stadt. Zacatecas hat wirklich was! Also wenn ich auch sonst nichts Gutes über die spanischen Konquistadoren und die späteren Grandes sagen kann, hier haben sie wenigstens ihre einzigartigen kolonialen Bauten, wenn auch zum Blutpreis der Indigenos, hinterlassen. ‚Churrigaresk‘ nennt man heute diesen kolonial-spätbarocken Baustil der aus Cantera-Stein gefertigten Paläste, der dem historischen Zentrum ein üppiges, verschwenderisches Flair verleiht. Viele diese Gebäude, wie z.B. die Kathedrale wurden in der Hochblüte der Stadt, also im 16. Und 17. Jahrhundert gebaut. Natürlich sind die hervorragenden Museen in solchen Prunkbauten untergebracht, in den teilrestaurierten Ruinen eines früheren Franziskaner-Klosters ist heute ein Masken-Museum das sehenswert ist, selbst die frühere Stierkampfarena, heute zu einem wunderschönen exklusiven Hotel umgebaut strahlt noch den Glanz des damaligen Neuspaniens aus. Aber auch die in jüngerer Zeit entstandenen Stadtviertel sind wegen ihrer an die Berghänge angelehnten, farbenprächtigen, wenn auch relativ bescheidenen, Bebauung bekannt.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Jede Stadtbesichtigung findet zwangsweise ein Ende, weil sich der Hunger meldet. 15 Uhr nachmittags, beste Mittagessenszeit in Mexiko, wir besuchen eine Essküche, comida corrida, geniales, typisches Essen für diese Region. Aber irgendwie war es mir zu fettig, sage ich zu Irma und Irma sagt nur „ab in die Cantina“. Prompt treffen wir Leute, die uns gestern abend schon in der Cantina Las Quince Letras (Wirtshaus Die 15 Buchstaben – ein bisschen Humor, denn der Name hat tatsächlich 15 Buchstaben!) über den Weg gelaufen, und mit denen wir in der Kneipe beim Filosofieren über Politik und den Rest der Welt glatt versumpft waren!  Wir konnten nichts dafür! Die Cantina las Quince Letras ist eine Institution in Zacatecas und zwar schon seit 1906! Ein Museum, ein Zeitzeuge von Jubel und Niederlage, Treffpunkt der Philosophen, Künstler, Sänger, Politiker, Revoluzzer, Weltverbesserer und Dampfplauderer. Jeder kennt Jeden, Manche gehören schon zum Inventar. Also genau Mike’s Platz! Und natürlich treffen wir auch heute wieder ein paar Leute in der Cantina Quince Letras mit denen wir am Vorabend schon die Weltwirtschaft von der unteren Mongolei bis Hawaii in Ordnung gebracht hatten….

Cantina Quince Letras

Allerdings hatte uns heute die Stadt- und Minen-Besichtigerei schon etwas geschlaucht, sodass wir um 6 Uhr abends beschliessen eine kurze Siesta im Hotel zu halten. Was soll ich sagen, die Siesta dauerte bis nächsten Morgen; gibt dem Körper was er braucht!

Ich war am nächsten Morgen voll fit für die nächste Etappe, aber Irma wollte noch unbedingt in die Ruinen dieses Franziskaner-Konvents, denn in den alten Mauern ist das wohl weltgrösste Masken-Museum, Museo Rafael Coronel, untergebracht, 10.000 mexikanische Masken sind dort ausgestellt.

Museum der Masken

Weit über 4000 tausend Kilometer haben wir bisher auf dieser 2012er Mexiko-Tour zurückgelegt, allmählich wird es Zeit, in unsere „zweite Heimat“, nach Atotonilco aufzubrechen. Aber erst müssen wir noch durch Aguascalientes und Guadalajara und ein paar hundert Kilometer durch die Hochebene und Täler der Sierra Madre Occidental brettern.

Nächster Halt: Tequila-Landia!

6400 km Harley-Davidson-Ride durch Zentral- und Süd-Mexiko Teil 4

Mein erster Besuch in Puebla,  kannte mich in der Stadt nicht gut aus, aber wir fanden schnell ein geeignetes Hotel direkt am Zocalo.

Wir haben in unserem Restaurant in Puerto Vallarta stets deutsche Gäste, die in Puebla bei VW oder den Zulieferfirmen arbeiten. Sie empfahlen uns immer,  bei einem Besuch in Puebla unbedingt zum Essen in den ‚Scharzen Adler‘ zu gehen. Machten wir natürlich: sehr gutes Essen! Empfehlenswert. (Leider keine Internet-Links verfügbar)

Das Zentrum in Puebla ist eine Besichtigung wert.

Rathaus, Casa de la Cultura, die Bibliothek und Kathedrale sind hervorragend restauriert. Prächtig!

Ab dem 22. Mai stand Familienbesuch an: Wir brachten auch die strecke von Puebla nach Jilotepec im Edo. De Mexico problemlos hinter uns. Allerdings waren wir auch auf diesem Abschnitt froh, unsere Jacken dabei zu haben. Auf der neuen Schnellstrasse Arco del Norte umfährt man zügig Mexico City.

Normalerweise hat Schwiegermama für Tage vorgekocht wenn wir kommen, diesmal aber werden wir vom Schwager empfangen, denn Mama macht Urlaub in unserem Haus in Puerto Vallarta!

Ruben ist ebenfalls ein alter Harley-Schrauber und wir hatten ihn schon avisiert, dass die Hinterradbremse ziemlich am Ende sei.

Ruben hat sich schon mit Harley-Davidson  in Querétaro in Verbindung gesetzt, am nächsten Tag vormittags soll ich mein Töfli vorbeischieben,  Ruben steigt auch auf seine Sportster, er will das Vorderrad bei seiner Maschine auswuchten lassen.

Also um 8 Uhr morgens warfen wir an, über die Schnellstrasse geht es flott nach Querretaro und standen kurz nach 10 Uhr vor der Harley Niederlassung. Hombre! Jedem Schrauberprinz geht hier das Herz auf! Die Werkstatt hochganzpoliert, man könnte  vom Fussboden essen! Alles war organisiert, perfekter Service, 6 Mechaniker sind am Arbeiten. Nur 45 Minuten später stehen beide Maschinen 1-A-mit Stern zur Weiterfahrt bereit, und das auch noch zu sehr anständigem Preis, beides zusammen unter tausend Dollar. Ehrlich gesagt, hätte mir mehr Wartezeit gar nichts ausgemacht, aber meine Irma war inzwischen drauf und dran, den Harley-Shop leer zu kaufen! Kein Wunder, dies ist der schönste, beste Verkaufsraum, genauso wie die Werkstatt, in ganz Mexiko! Trotzdem musste ich meine Frau hier schnellstens hinaus komplimentieren.

Maschinen wieder flott, Ruben folgt uns auf seiner Sportster die Landstrasse entlang nach Iraputo, La Piedad und schliesslich nach Atotonilco

Dieser Ort ist mir im Lauf der letzten Jahre ans Herz gewachsen. Hier gibt es erstklassige Käsereien und hier sitzen die grössten Tequila-Fabrikanten Mexikos. Hier hat man mir Tequila trinken beigebracht, ich lerne noch immer fleissig!

Zunächst besuchen wir Charly, ein alter Kumpel, den ich vor mehr als 21 Jahren in Puerto Escondido traf. Charly ist Schweizer, er betreibt ein Restaurant mit Ferienbungalows etwas ausserhalb Atotonilcos.

Mit Charly wartet auch Ponco, der Inhaber von ‚Tequila Quiote‘  auf uns.  Ein gemütlicher Nachmittag sollte es werden, er endete gegen 2 Uhr morgens als wir nach Musik aus den 80ern noch versuchen wollten, zu Takten von Dire Straits zu tanzen, aber irgendwie….    Jedenfalls war’s eine geile Sause!

Am nächsten Morgen hing der Kater noch schwer über dem Haupt, etwas Erholung war angesagt, denn die nächsten Freunde, Ellis und Tere aus Guadalajara werden  zu uns stossen, und wie dann der Abend enden wird, naja, klar! Also, wer mal Richtung Atotonilco unterwegs ist, schaue ruhig mal bei Charly rein!

Der 28. Mai, Barca-ManU, das Champions-Finale konnten wir natürlich nicht verpassen, fuhren deshalb nach einem aufbauenden Frühstück,  zügig in 1,5 Stunden  mit Ellis und Tere nach   Guadalajara   und gleich vor den Fernseher.  Das Ergebnis ist bekannt, und wir machten uns – dank der Zeitverschiebung – nach einer kurzen Siesta am Nachmittag auf, die Altstadt Guadalajaras zu checken. Wir landeten in der cantina „La bicicleta“ (das Fahrrad).  Zu diesem Namen kam die Cantina so: Vor rund 50 Jahren hatte dort ein Gast seine Zeche nicht bezahlen können, sein Fahrrad liess er als Pfand dort stehen. Und eben dieses Rad hängt heute noch immer über der Bar. Die Bicicleta ist ein Musiker-Treff, Gratis-Konzerte und Gigs sind an der Tagesordnung.  Hier gibt es nichts zu Essen, dafür ist man trotzdem immer gut drauf!

Am 29. Mai schwingen wir uns zu unserer letzten Etappe auf die Harley. Von Guadalajara aus in 5 Stunden durch die Westliche Sierra Madre nach Mascota

und back home Vallarta!

Endlich wieder zuhause! Sagt Irma. Ich wäre am liebsten weitergefahren, aber die Arbeit, sie ruft.  Schwiegermama hat massiv gekocht, schön wieder in unserem eigenen Heim abzusatteln und sich an den gedeckten Tisch zu setzen.

Auch unser Töfli scheint durchzuatmen, 6400 Kilometer durch verschiedene Klimazonen, bergauf, bergab: Gutes Teil! Wollte nur etwas Sprit und einen Viertelliter Öl!

Und hier die Karte mit unsere kompletten Bike-Tour 2011

Die folgenden  Tage waren eigentlich der härteste, oder besser gesagt, der nervigste Teil der ganzen Reise: die unzähligen Fragen der Freunde, Bekannten und unserer Kunden nach der so viel zitierten „Sicherheit“ in Mexico zu beantworten!

Dabei ist es doch ganz einfach! Wir legten  also in 4 Wochen satte 6400 Kilometer zurück,  durchfuhren 15 der 32 Bundesstaaten Mexikos:   Jalisco, Colima, Michoacan, Guerrero, Oaxaca, Chiapas, Campeche, Quintana Roo, Yucatan, Tabasco, Veracruz, Puebla, Edo. De Mexico, Queretaro und Guanajato . Wir befuhren  Autobahnen als auch Land- und Nebenstrassen  in dicht besiedelten und ziemlich einsamen Gegenden, wir durchfuhren grosse Städte und kleine Dörfer, wir übernachteten in kleinen und mittleren Hotels in Stadtzentren oder in abgelegenen Ortschaften.

Es gab keinerlei Zwischenfälle welche uns in irgendeiner Art beeinträchtigt, nachdenklich oder gar  ängstlich gemacht  hätten. Wir wurden nicht überfallen, nicht beraubt, unser Töfli wurde nicht geklaut. Wir passierten ein paar wenige Polizei- und Militärkontrollen: die Jungs der Policía Federal und der Policía Estatal taten ihren Dienst, sie müssen nach illegalen Transporten Ausschau halten, das tun sie und sind ansonsten freundlich zu uns Normalbürgern und Touristen.

Die Menschen, die wir in den verschiedenen Stationen  unserer Reise getroffen und gesprochen haben waren durchwegs sehr freundlich, herzlich, aufgeschlossen und hilfsbereit.

Seit 29 Jahren lebe ich in Mexiko an verschiedenen Orten. Ich bin viel durch’s Land gereist und ich kann nur Positives berichten. Die Situation in den Grenzstädten und entlang der endlosen Mauer zu den USA ist ein ganz anders Kapitel. Dort findet der Kampf um die Lieferung zu den Grossabnehmern nördlich dieser irren Mauer statt.

Mexiko, das ist für mich mein Platz, meine Heimat. Da ist meine Familie, hier findet mein Leben statt, und hier fühlen sich auch meine Gäste wohl.

Kommt nach Mexiko, nach Puerto Vallarta, ins Paradies!

Und wer diesen Bericht gelesen hat, und nach Puerto Vallarta kommt, soll sich gerne bei mir in der Hacienda Alemana   in der Altstadt Vallartas auf ein gemütliches, kühles Bierchen vom Fass melden. Irma und ich würden uns freuen!

Euer Mike Pohl

Teil 1 

Teil 2

Teil 3