Die Tage nach ‚Manuel‘ und ‚Ingrid‘

„No tenemos adonde ir, no tenemos donde vivir, lo perdimos todo“

Es war das erste Mal seit 1958, dass zwei Hurrikane Mexikos Süden in die Zange nahmen: Hurrikane Ingrid zog von der Karibik über das Festland und brachte verheerenden Regen mit sich, Manuel zog zeitgleich vom Pazifik her zum Festland, ebenfalls mit verheerenden Regenmassen. Die zerstörerischen Naturgewalten beider verursachten Überschwemmungen Landrutsche in weiten Teilen des Landes, nicht nur an den Küsten sondern auch im Inland.

Bisherigen Schätzungen zufolge sind wohl mehr als 1 Million Menschen von diesen Unwettern betroffen. 98 verloren ihr Leben, 68 Menschen gelten als vermisst, tausende Familien verloren ihr Haus, ihre Wohnung, ihr Geschäft, Ihre Existenz. „No tenemos adonde ir, no tenemos donde vivir, lo perdimos todo“ (wir haben nichts, wo wir hingehen könnten, wir haben nichts, wo wir leben könnten, alles haben wir verloren) erklärte eine Frau im Bundesstaat Tamaulipas an der Karibikküste dem Präsidenten Peña Nieto bei dessen Informationsbesuch.

Nahe Acapulco an der Pazifikküste fand man in den letzten Stunden die Leichen Verschütteter, Dutzende werden nach Erdrutschen noch vermisst.

Selbst ca. 700 km Luftlinie nördlich von Acapulco, dessen Strassen noch immer von Schlamm- und Wassermassen befreit werden müssen, im Süden des Bundesstaates Jalisco und nur eine knappe Autostunde von mir entfernt, sind zahlreiche Dörfer abgeschnitten, die Strassen wurden durch überflutete Flüsse und die Regengüsse weggerissen, einzelne Dörfer wie Ipala sind beinahe vollständig von den Sturzfluten weggerissen worden. Beliebte Ausflugsorte wie Tehuamixtle, berühmt für seine Austern, wurden schwer getroffen, sind wegen zerstörter Fernstrassen abgeschnitten, in Cabo Corrientes mussten rund 650 Familien evakuiert werden. Die Felder und Pflanzungen in den betroffenen Gebieten sind vernichtet.

In den letzten Tagen laufen überall in Mexiko die Hilfsaktionen: DIF, das Sozialamt und das Rote Kreuz richteten Sammelstellen für die dringendst benötigten Lebensmittel, Wasser, aber auch Hygiene-Artikel wie Baby-Windeln, Seife, Zahncreme, Reinigungsmittel usw.  Zahlreiche Opfer der Hurrikane konnten sich gerade noch selbst und ihre Kinder und Alten retten. Das Militär fliegt per Helikopter die dringendst benötigten Versorgungsgüter in die betroffenen Gebiete welche nicht mehr per Strassentransport erreichbar sind.

Die Bildreportagen in den Tageszeitungen halten uns allen überdeutlich vor Augen, welche Tragödien sich in den schwer getroffenen Gebieten abspielen, aber heute morgen schossen mir Tränen in die Augen: wir lieferten unseren Teil an Lebensmitteln bei einer Sammelstelle des Roten Kreuzes ab, standen in einer kleinen Menschenschlange von Leuten, die ebenfalls anlieferten, ihren Teil beizutragen, zu helfen, und es waren viele ältere Männer und Frauen in dieser Schlange, die sicherlich kaum Mittel übrig hätten, um zu spenden, trotzdem legten sie ihre Pakete mit Reis, Bohnen und Babymilchpulver in die Sammelboxen. Denn sie wissen, falls sie selbst einmal betroffen sein sollten, werden andere Menschen in anderen Teilen des Landes das gleiche tun.

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14 Kommentare zu “Die Tage nach ‚Manuel‘ und ‚Ingrid‘

  1. Pingback: Hurrikan Raymond | Que Onda?

  2. Als ich die Bilder sah, habe ich ebenfalls gleich an euch gedacht. Betroffen seid ihr in jedem Fall. So oder so.
    Viele liebe Grüße und in Gedanken immer noch bei euch!

    • Emily, wir selbst sind bislang noch immer problemlos durch solche Katastrophen gekommen. Es trifft in der Regel immer die Menschen, die ohnehin wenig besitzen und in abgelegenen Orten oder an gefährlichen Hanglagen leben, weil nur dies für sie bezahlbar ist. Und wenn diese Menschen dann noch ihre Behausung verlieren, stehen sie buchstäblich vor dem Nichts. Ihnen hilft ja nicht mal ein gutes Frühwarnsystem, wie es oft zu propagieren versucht wird, sie haben ihre kleine Ackerscholle, die sie mehr schlecht als recht ernährt, und daneben eben ihre kleine Hútte; selbst wenn sie frühzeitig informiert werden, dass ein Hurricane aufzieht, ihre bescheidene Existenz können sie nicht mitnehmen, so bleiben viele dort und leider verlieren dadurch viele auch Ihr Leben.

  3. Leider häufen sich Meldungen dieser Art in den letzten Jahren Weltweit, und natürlich sind die Ärmsten der Armen die am häufigst Leidtragenden. Unvorstellbar zerstörende immer stärker werdende Taifune, verwüsten Land und forden immer mehr Menschenleben. Es nimmt leider kein Ende, im Gegenteil, der nächste Hurrikan ist schon wieder unerwegs. Überschriften in den News, überschlagen sich, und die Schlechten Nachrichten nehmen kein Ende. Gleich zwei Tropenstürme, haben das Land von verschiedenen Seiten erreicht.
    Schwere Tage für die schon vorher, geplagten Menschen und das Land . . .

  4. es ist das pure glueck das manuel nicht kurs auf pv genommen hat. das gibt mir immer wieder zu denken, das jemand auf uns aufpasst. da ich nicht in der naehe bin, silao ist 6,5 h weg, kannst du fuer mich was abgeben? ich lasse dann bei mike den wert fuer dich da

  5. Meine Gedanken sind bei euch und den ganzen Menschen in Mexico.
    Es ist schrecklich! Gebt weiterhin und spendet. Hier von D aus ist es schwieriger.
    Ich denke ohne euch wird der Staat nicht so schnell alles unter Kontrolle haben.

    • Liebe Bea, vielen Dank, dass Du Dir Gedanken um die armen Leute machst, die Opfer dieser Naturgewalten waren. Wir, also meine Familie, tun nur das was Andere auch tun: versuchen zu helfen, zu lindern. Niemand von uns hat so viele Mittel um Allen zu helfen.Der Staat muss natürlich seine volle Unterstützung bringen. Heute habe ich versucht, anhand der in den Tageszeitungen veröffentlichten Liste benötigter Waren, zumindest 5 Familien mit der Grundausstattung an bescheidenen Lebensmitteln und Hygieneartikeln für die nächsten 4 Wochen über die schlimmste Not zu helfen. Und ich fragte mich, was helfen Zahncreme und Seife und Hühnersuppe, Bohnen, Linsen, Reis, Babywindeln und Milchpulver, wenn eine Familie ihr kleines, bescheidenes Häuschen, ihre Unterkunft, verloren hat? Wo sollen sie hin? Wie werden sie weiterleben, nachdem sie nichts mehr haben, nicht einmal mehr ein Dach über dem Kopf!?

    • Mach Dir bloss keine Sorgen um uns! Wir haben das Glück uns in die „gemässigten“ Gebiete einkaufen zu haben können! Der Mann jedoch, der mit seinem Neffen unseren Garten macht, kommt aus der Nähe von Acapulco – ich getraute mich die letzten Tage nicht ihn zu fragen, ob er noch Familie oder Freunde dort hat!

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