Knapp an einer Schlägerei vorbei!

Ich geb’s ja zu: die letzte Zeit war ich ziemlich spärlich: im Blog und in E-Mails. Kommt ja alles nicht von ungefähr, denn ich hab mal wieder die Bürokratie. Einiges im Zusammenhang mit back Ol Germany, aber auch Mexiko fordert seine Behördengänge ein. So auch heute. Schon wieder: die Migra!

Migra, das ist der Kurzname der Einwanderungsbehörde hier. Also  nicht, dass ich mit den Angestellten des Migrabüros Probleme hätte. Keinesfalls. Die Probleme sind anders gestaltet:

Heute war also la familia Vallartina zum zweiten Mal in diesem Jahr beim Amt, denn Mexiko hat wohl beschlossen, dass Vallartina & Co. zum Kreis derer gehören sollen, die ab sofort eine Dauer-aufenthaltsgenehmigung in diesem Land erhalten sollen. Gut!  Die Formalitäten waren bei den vergangenen Besuchen in der Migra meines Vertrauens – übrigens ganz liebe, hilfsbereite und stets zu einem Schwätzchen (auf spanisch) aufgelegte Beamte – flott und völlig problemlos vonstatten gegangen.

Heute also, nach Aufforderung des Amtes, wir sollten doch bitte, da unsere Anträge bearbeitet wären,  unser Migrabüro aufsuchen, gingen wir hin, wollten, wie üblich, unsere Nummer aus der Rolle ziehen. Kommt ein Sicherheitsmensch, fragt, welches Anliegen wir denn hätten. Das erklärten wir ihm (in spanisch) worauf er  uns glatt hinter einen am Schalter 1 stehenden Menschen führte und sagte, eine Nummer brauchen wir nicht. Aha!

Ich stand da gar noch nicht richtig, wurde mir von ungefähr drölf bis xunddreissig Gringos entgegen gebrüllt: „the end of the line is outside the door, gal!!!!“ (Ende der Warteschlange ist draussen vor der Tür, Mädl)

Ja stark.

¡Oye amigo! fragte ich den Sicherheitsmann…. bist Du sicher? Jau, sagte der. Du bleibst dort. Als nächste kommst Du dran.

Die Gringo-Fraktion bekam nun plötzlich massiv Unterstützung seitens der Kanadier. „Hey, who do you think you are, mam‘? We’ve been waiting since…..blablabla” (He, was glaubst du wer du bist, Gnädige? Wir warten seit…)  Der zweite Sicherheitsmann, Policia Federal, fühlte sich genötigt einzuschreiten: „Plizz, la señora, she hazz  ehh… otra tramite…(bitte, die Frau hat eine andere Formalität)“ und baue sich hinter mir auf. Mein Blick zur Migra-Beamtin, die blickte lächelnd zurück und meinte „zwei, drei Minuten, Vallartina, wie war übrigens Dein Urlaub in San Blas?“

Ich wartete also, mit respektablem Abstand vor dem Menschen vor mir, der Policía Federal in meinem Rücken. Soll ich jetzt  abstreiten, dass es mir mulmig wurde?   Don Vallartino und Vallartinito, die bislang in einer ruhigen Ecke warteten, näherten sich ebenfalls.

Der Mensch vor mir packte gerade seine Papiere zusammen, die Migrabeamtin lächelte mich an, hinter mir Gedöns, Geraune und schliesslich der wutentbrannte Satz: „I do not hope….  (ich hoffe nicht, dass Du von der die Fingerabdrücke nimmst, denn wir warten schon seit mehr als zwei Stunden, Señorita!!!)“

(Erklärung: Fingerabdrücke sind so ungefähr der letzte Abschnitt im Antragsverfahren und dies erfolgt normalerweise nur bei einem speziellen Beamten).  Der zweite Security-Mann kam zu den Schaltern. Ich reichte also meine drei Formulare ein, die Beamtin gab mir das übliche Formular für die Bankeinzahlung der Gebühren und meinte: wenn Du die Quittung hast, kommst du gleich zu mir direkt zurück“.

Jesses! Der  nächste Aufstand vorprogrammiert! Als ich zehn Minuten später mit den Bankquittungen zurückkehrte, schien die Situation im Raum entschärft. Dachte ich. Als ich dann aber unter quasi „Polizeischutz“ zu meiner Beamtin ging, empörte sich wieder das restliche Dutzend mit unflätigen Bemerkungen. Einige ältere Herren mit Schmerbauch, vielen Tattoos  und in ärmellose Unterhemden gewandet, standen auf, die Fäuste in der Hüfte, ihre besseren Hälten kreischten, zeigten mit Fingern auf mich  und blitzten mich an.

Meine Beamtin lächelte nur milde und erklärte mir (in spanisch):  „Schau, diese Leute sind teils schon zum 5. Mal hier. Jedesmal erklären wir ihnen in englisch, was sie einreichen müssen.Wir geben ihnen alle Formulare.  Und immer bringen sie die Unterlagen nur unvollständig. Was soll ich mit denen machen? Wir haben hier eben Vorschriften!“

Knallte die Stempel auf meine Unterlagen und meinte, in zwei, drei Wochen sei für uns alles erledigt! „Aber wir hier werden  noch Jahr für Jahr mit …   aber so ist es eben….“

Leute, habt bitte Verständnis und Respekt für die Beamten, die z.B. in Deutschland für noch viel mehr Sprachen die Einwanderungs-Formalitäten bearbeiten müssen! Ich kann es nicht nur für Mexiko beurteilen, daher weiss ich, dass dieser Job bisweilen sehr fordert und die Sachbearbeiter bisweilen übermenschliche Nerven haben müssen!

 

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22 Kommentare zu “Knapp an einer Schlägerei vorbei!

  1. Hu! Was für eine Geschichte. Behörden (auch wenn’s um weniger lebnswichtige Dinge wie Anwohnerparkausweise geht …) bringen doch oft das Tier im Menschen zum Vorschein.

  2. Vielleicht ist das auch der Unterschied zwischen denen, die in Mexico einfach schon angekommen sind, dazugehören.
    Und denen, die zwar dort leben, aber doch permanent etwas auszusetzen haben.
    Gibs ja leider viele.
    Das spüren die Mexikaner, klar.
    Ich bin auch immer wieder enttäuscht wenn ich auf dem Flughafen Deutsche erlebe, beim Rückflug: Nee, Urlaub war schon schön, aber…. ud oft wird dann über die Mexikaner derart hergezogen dass es nicht mehr schön ist. Und das auf Deutsch, da sie ja spanisch garnicht sprechen und englisch: au weia!

  3. Uuuuuh! 😕 Da wäre mir an deiner Stelle schon auch mulmig zumute gewesen… Ich bin sehr froh, dass du, Don Vallartino und Vallartinito ungeschoren diesen Behördengang überstanden habt. 😉
    ♥liche Grüße!

    • Ich dachte wirklich, die gehen jetzt auf mich los! Ist ohnehin ungewöhnlich, dass nun „Sheriffs“ bei der Migra aufpassen, das gab’s bisher nicht. Warum ist dies nun wohl erforderlich? 😉
      GLG

  4. Eine herrliche Geschichte und sehr schön bildhaft erzählt. 🙂
    Ob wir hier in Deutschland auch mal so weit sind, Familien aus Übersee eine Daueraufenthaltsgenehmigung auszustellen? So etwas gibt es meines Wissens hier nicht, jedenfalls nicht für Nicht-EU-Bürger. Oder bin ich da falsch infomiert?

  5. Hab hier in BsAs vor etlichen Jahren mal ’ne ähnliche Situation erlebt: Große Wartehalle, ziemlich voll, trotzdem mehrere Schalter ohne „Kunden“. Ich wurde vom Schupo auf die rechte Seite der Halle verwiesen, die im Gegensatz zur Linken total leer war. Kaum näherte ich mich, wurde ich auch schon an einen der leeren Schalter gewunken, während auf der linken Seite zig Leute auf die Bearbeitung ihrer Anliegen warteten. Der Unterschied: ich war blond, blauäugig und Deutsch. Die linke Seite war dunkelhäutig, schwarzhaarig und sah nach Bolivianer oder Paraguayo aus. Da diese Ungleichbehandlung offenbar institutionalisiert war und immer so lief, hat sich keiner drüber aufgeregt. Nur ich hab mich scheiße gefühlt als ich nach fünf Minuten wieder draußen war.

    • Kann ich mir vorstellen! Hier lag’s wohl sicher nicht an der Hautfarbe, eher schon daran, dass ich mich mit den Leuten hier ordentlich in ihrer Landessprache unterhalten kann, und sie dann schon mal schnell zwischendurch einen spanischsprachigen Antragsteller zu einem freien Schalter winken, weil sie davon ausgehen können, dass die Abwicklung schneller durchgezogen werden kann.

      Und es gibt vielleicht noch einen anderen Grund: die Migra-Beamten hier sprechen alle sehr gut englisch. Und nun stell Dir vor, da sitzt eine Gruppe englischsprachiger keine drei Meter weit vom Beamten weg, und einer der „boys“ gibt dann von sich: „seit -zig Jahren kommen wir hier her und die haben immer noch keine englischen Formulare, f**k! “ So, wie motivierend ist das denn?
      GLG in die schöne Stadt Buenos Aires!

  6. ignorance hat halt keine grenzen. kenne das noch aus meinen tagen. hab mal erlebt das ein gringo oder canadier, der beamtin erklaeren wollte was er an papieren dabeihaben sollte. dabei ist alles so einfach, bring einfach das was sie von dir wollen, und alles geht ohne probleme

    • So isses, Michael! Ohnehin wurde der Papierkram massiv abgespeckt im Vergleich zu vor 4, 5 Jahren! Früher ging ich mit einem Kilo Papier hin, diesmal waren’s 3 Blatt Formulare!
      Wir sehen uns!

    • Gefahr noch nicht gebannt, liebe Leonie: schliesslich müssen wir noch einmal ins Migrabüro: unsere neuen Ausweise abholen….. aber ich werde mich brav anstellen… 😉

  7. das haben wir zum glueck nicht in puebla, hier alles entspannt, zivilisiert,
    allerdings hat diese behoerden gaenge immer jemand fuer mich erledigt. kostet etwas, aber super geklappt.
    pv hat viele vorteile aber auch nachteile, einer ist man muss ab und zu sich sowas anhoeren, ansehen etc.
    aber man muss sich vor augen halten, das kultur erst seit 200 jahren dorthin gekommen ist

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