Der Kaiser würde sich im Grabe umdrehen!!!

Ich habe ja schon öfter über die kulinarischen Genüsse und Verlockungen hier in meiner Ecke Mexikos berichtet. Es gibt hier einige sehr gute Restaurants  die ich mit meiner Familie sehr gerne besuche, bei weitem habe ich nicht alle im Blog gelobt. Über die Flops schrieb ich noch nie, man tut sich dort einen Besuch einfach nicht mehr an!

Heute breche ich eine, mir selbst auferlegte, Regel: ‚hau keinen in die Pfanne’.  Ich tue dies nicht, weil ich schlechte Laune habe. Ich liess bewusst einen Tag vergehen um mich zu beruhigen, bevor ich diesen Artikel schreibe. Aber es muss sein!

Wir, vier Leute, die gerne gut essen und vor allem auch etwas vom Kochen verstehen besuchten dieser Tage ein in Vallartas Altstadt seit gut 20 Jahren ansässiges Restaurant, welches permanent in den Hochglanzmagazinen hochgepuscht wird, den Anspruch erhebt, den  „Alt-Wiener Charme“ zu repräsentieren.  Die Webseite des Restaurants ist beeindruckend, verspricht per Speisekarte und mit vielen Fotos wunderbar präsentierter Gerichte  Highlights aus der österreichischen/europäischen Gourmet-Küche: Rehmedaillons, Foie Gras, Duo von Entenbrust und Confit mit Spätzle, u.m.  Solche Leckereien liessen mich einen Tisch reservieren.

Der Empfang war o.k., der Tisch war o.k. Der Blick in die Speisekarte liess uns die favorisierten Gerichte Reh und Entenconfit vermissen. Der Ober beantwortete meine Frage nach den Rehmedaillons mit „och, die Speisekarte hat sich vor ein oder zwei Jahren geändert“.

Meine Vorspeise, Entenbrust auf Salat mit Pinienkernen und Birnen, würde, so hoffte ich, mich für das Fehlen des Rehes  entschädigen.  Mein lieber Jolly! Ein Blick auf diese kleine Schüssel, in der ein paar Salatblätter (in Ordnung), ein Löffel gerösteter Kürbiskerne  (o.k., auch wenn  Pinienkerne angekündigt waren ), irgendetwas kleines, dunkles, hartes darüber geworfenes Zeugs und  weissliche Krümel unbestimmbarer Herkunft, etwas versteckt noch drei Stückchen Birne aus der Dose,  und schliesslich, lieblos  in eine Ecke gepackt, ein bisschen graubräunlich Zerfleddertes, vom Tischnachbarn kommentiert:  „sieht aus wie Thunfisch aus der Dose. Whiskas!!!“  Nun, dieses trockene, zerfranste Zeugs spielte die Rolle der Entenbrust. Sah zumindest aus, wie das was davon übrig geblieben ist und geraume Zeit ein trauriges Dasein im hintersten Winkel des Kühlschranks fristete! Hätte ich bei der Bestellung den Ober gefragt „was muss weg?“ hätte ich erahnen können, was kommt.  Ein Gabelbissen von etwas Salat mit diesem fragwürdigen Etwas ranzte mir sofort den Mund zu: ekelhaftes, altes, kaltes Fett. Nicht ein Tropfen Vinaigrette oder Dressing. Und falls der Koch sich aufgerafft haben sollte um etwas Salz drauf zu streuen, dieser ranzige Geschmack erschlug alles! Und brachte mich in arge Bedrängnis: wie krieg ich das wieder elegant ausgespuckt? Die Kurve kriegte ich über den Gang zur Toilette.

Ravioli mit Fenchel gefüllt an Estragon-Sosse meiner Begleiter versprachen mehr als sie denn waren, aber immerhin waren sie geniessbar, wenn gleich nicht nachhaltig erinnerbar, ausser, dass der versprochene Jamón Serrano mit Abwesenheit glänzte.

Der Ober räumte die fast unberührte Schale Entenbrustsalat interessenlos ab. Der Hauptgang.

Forelle war bei mir angesagt. Sie schmeckte nach Lachs, sah auch so aus und irgendwie wollte das Fischfleisch so gar nicht zu der darauf dekorierten getrockneten Forellenhaut passen. Sautierter Spinat, eine Unmenge an ganzen, harten Mandelkernen und gehackten Tomaten, was allerdings als „Tomaten-und-Mandel-Ragout“ angepriesen wurde.  Das lt. Speisekarte angesagte „Selleriepüree“ war Kartoffelpüree, jedenfalls konnte ich keinerlei Selleriegeschmack erkennen. Gut, meine Geschmacksnerven waren durch die Vorspeise schon paralysiert. Meine Augen aber nicht! Denn:

Ein weiteres Hauptgericht am Tisch war Entenbrust (ohne im Duett mit Confit zu glänzen) dafür aber „mit Fois Gras“ tituliert. Ziemlich dunkel und schwer zu erkennen, was da auf dem Teller lag, die darüber geschüttete, als „Port-Sauce“ protzende aber ziemlich dünn und industriell daherkommende Sosse, erleichterte die Identifizierung auch nicht. Schliesslich wurde man fündig: ein Teilchen in der Grösse einer Briefmarke konnte isoliert und auf den Brotteller ausgelagert werden – und das war GUT SO! Denn aussen war das Zeugs angekohlt, beim Versuch es zu sezieren lief eine graue schleimige Sosse auf den Teller.

Kennt jemand von Euch Toby Young? Er arbeitete über Jahre u.a. als Restaurant-Kritiker  und gab in einer Top-Chef-Episode, die hier kürzlich im TV lief, diesen Kommentar ab: „…ich habe die Massenvernichtungswaffen gefunden, und die sind hier, in dieser Schüssel“

Ich muss jetzt aufhören, mir wird schon wieder schlecht! Nur noch eines: Anspruch und Realität klaffen hier in diesem österreichischen Restaurant so drastisch auseinander, dass sich jeder österreichische Kaiser im Grabe umdreht! Stellt Euch vor, Hansi Hinterseer stopft sich ein Knäuel Socken in die Hose und grölt „I can get no Satisfaction! Der Jagger Mick würde sich glatt vom nächsten Balkon stürzen.

Wenn ein Restauranteur durch sein Lokal geht, nicht sieht, dass Gerichte beinahe unberührt zurückgehen, er sich nur bei ihm bekannten Gästen nach dem Essen erkundigt, wenn er sich keine Gedanken über sein Renommée macht, weil ein Teil dieser  Gäste auch noch in Boxershorts und Schiesserfeinripp-Hemden bzw. die älteren Damen in Birkenstocklatschen und Jersey-Shorts zum Dinner kommen, dann sieht er auch nicht, dass seine Zeit, so wie er sie im Internet und auf Anzeigen in Hochglanz-Magazinen präsentiert, schon lange abgelaufen ist.

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36 Kommentare zu “Der Kaiser würde sich im Grabe umdrehen!!!

  1. Na, das war ja wirklich ein Reinfall. 😦
    Wenn wir Freunden oder dem mexikanischen Teil der Familie mal etwas deutsches bieten wollten, sind wir mit ihnen ins „Black Forest“ in Cruz de Huanacaxtle gegangen. Da hat es zumindest uns immer gut gefallen. Sind zwar von NV nen paar Kilometer zu fahren, aber was solls.

    Lieber Hollito, leider musste ich Deinen Kommentar etwas editieren. Bitte verstehe, dass hier auf meinen privaten Seiten Reklame für wen auch immer nur nach vorheriger Rücksprache mit mir gemacht werden kann. Gerne jedoch nehme ich Kommentare von den Betreibern des Black Forest entgegen. GLG

    • Hola Hollito! Freut mich, Dich auf meinen Seiten begrüssen zu können! Das Black Forest kennen wir, waren allerdings schon lange nicht mehr dort, da wir dachten, die Familie hat verkauft und wäre back home Germany. La Cruz hat sich in den letzten 2, 3 Jahren sehr gut herausgeputzt. Die neue moderne Marina gab da wohl einen positiven Schub. Wir sind öfter im Frascati, lecker Essen, freundliches Personal. Alles Gute, schöne Zeit und schau doch mal wieder vorbei!
      Gruss aus der derzeitigen ‚open-air-Sauna‘, der Bahía!

  2. Ich kann dir gut nachempfinden! Ich koche schrecklich gern und ich lasse mich auch gern mal außerhalb kulinarisch verwöhnen. Wenn einem dann etwas wie DAS HIER widerfährt, tut es doppelt weh: Im Magen & in der Geldbörse. Denn ein Nichts an Nichtgut kostet in der Regel dennoch reichlich. Man müsste den Leuten die Entenschmiere an die Wand pfeffern! So wie es sich anhört, wird sich früher oder später ein neuer Pächter finden müssen. Kein Lokal kann sich auf diese Art und Weise halten!

    Viele liebe & kulinarische Grüße!

  3. Ich könnte mir vorstellen, dass Dir viele ehemalige Gäste für den Beitrag dankbar sind! Zudem: Warum schickst Du diesen Bericht nicht an ebendiese Hochglanz-Magazine und CC an das Restaurant selbst. Zeugen für die Vorkommnisse hast Du, die Quittung bestenfalls auch noch. Also warum nicht?

    • Diese Hochglanzmagazine hier leben von den Inseraten der Restaurants/Hotels/Geschäfte. Kommentarfunktion bei denen: nicht existent. Trip/Holiday-advisor etc. sind für mich kein Tummelplatz denn ich mache grundsätzlich keine Person oder Unternehmen NAMENTLICH in der Öffentlichkeit zur Schnecke.
      Mein Blog ist meine Privatsache, hier schreibe ich, was mir gegen den Strich geht oder was mich freut oder interessiert. Der Inhaber und Insider wissen trotzdem sehr genau, von wem hier die Rede ist.
      Und schliesslich: ich bin nicht scharf auf ein kostenloses Kompensations-Essen, oder eine Entschuldigung. Der Fisch ist gelutscht, da gehe ich (und meine Freunde) nie mehr hin.
      Schönes Wochenende und GLG

  4. Also, so schrecklich es für euch war — es liest sich, naja, unterhaltsam! Und man denkt die ganze Zeit: gut, daß ich nicht dabei war … Werde ich sicher nicht hingehen! ,)

    • Über schlechtes Essen /Restaurants zu schreiben ist glatt Zeitverschwendung. Ein solches „Erlebnis“ allerdings haut einem schon schwer in den Magen. Der Hauptgrund diesen Artikel zu schreiben war allerdings, dass ich mir verarscht vorkam, denn kein normaler Koch würde es über sich bringen, diese „Entenbrust“ zu servieren!
      GLG

    • Natürlich kann man das, liebe Inch. Aber wenn mir derartige Gleichgültigkeit seitens des Obers und des Restaurant-Besitzers, der ja die meiste Zeit im Restaurant sich aufhielt, entgegenschlägt, dann ist jedes Gespräch über Qualität oder Servierbarkeit absolut sinnlos! Somit lasse ich das, bezahle, gebe nur wenig oder gar kein Trinkgeld und streiche dieses Etablissemang ein für alle mal von meiner Liste!
      GLG

  5. Also ich bin wirklich nicht empfindlich, aber eben wurde mir dann doch etwas übel.
    Ich hätte wahrscheinlich nicht Tapfer bis zum Ende ausgehalten.
    Auf das ihr das nächste mal ein besseres Lokal findet.
    Liebe Grüße
    Gabi

    • Sorry, aber es hat eben leider so geschmeckt. Geht’s schon wieder?
      Zum Glück gibt es hier sehr viele Restaurants, die gutes bis ausgezeichnetes Essen servieren. Aber ab und zu fällt man eben auf die Nase.
      LG

  6. das hört sich ja ganz schröcklich an! allerdings habe ich ähnliches in deutschland in „argentinischen“ restaurants erlebt. und die schwarzwälder kirschtorte hier hat NICHTS mit der schwarzwälder kirschtorte gemein, echt gemein 😉 liebe grüße

    • Hallo Antje, was Du schreibst, trifft ja wohl auch auf die Tex-Mex-Restaurants zu, die vorgeben, mexikanisches Essen zu kochen. Aber ein Stückchen Chili macht noch kein echtes mexikanisches Essen.
      Ich hab’s überlebt!
      Saludos a Argentina!!!

  7. Na ja, wass kann man schon erwarten wenn man an der mexikanischen Pazifikküste Wiener Küchenkunst erwartet? Forelle, Entenbrust oder Foie Gras gehört eher nicht zu den lokalen Erzeugnissen der Tropen. Vergleichbar wäre ein Besuch eines Restaurants in Kiev, um sich dort mit frischen Ceviche oder einem pfiffigen caldo de camaron und tostadas de almeja den Gaumen anregen zu wollen. Wirklich gute Küche steht und fällt eben immer noch mit frischen, lokalen Zutaten. Die oft zitierte Globalisierung mag ja bei Biersorten (Corona gibt’s auch in Kiev) angehen, beim Essen wandelt sie sich aber sehr schnell zum kulinarischen Masochismus.

    • Nun, das sehe ich etwas anders. Denn hier an der mex. Pazifikküste gibt es ein ausgezeichnetes, umfassendes Angebot an Fisch. Ich habe einen Lieferanten für wunderbare Entenbrüstchen und Foie Gras bekommt man auch. Der Besitzer des Restaurants ist Österreicher, also müsste er wissen, welchen Ansprüchen seine Küche gerecht werden muss. Oder nehmen wir deutsche Küche: mitten in der Stadt findest Du z.B. die Hacienda Alemana, betrieben seit vielen Jahren von einem Deutschen, und dort bekommst Du authentische solide, deutsche Gerichte in sehr guter, frischer Qualität – deswegen war die Hacienda Alemana ja (leider für uns) am fraglichen Abend wieder einmal ausgebucht!

      „Kulinarischer Masochismus“ WOW, das muss ich mir merken 🙂
      Beste Grüsse nach Mex City

  8. ich habe ihn, angerufen habe ihm deine kritik geschickt mit dem hinweis, das bei ihm irgend etwas fuerchterlich schief gelaufen ist. jetzt warten wir ab. das muss man einfach dem mann sagen, diese chance verdient er.

    • Lieber Frank, Du meinst es sicherlich gut.
      Er hatte bereits die Chance einzuschreiten, zu beruhigen, die Situation zu entschärfen, diesen Artikel zu verhindern: er war im Restaurant anwesend.
      Normalerweise muss die Rückmeldung, dass ein Gast nicht zufrieden war, vom Ober an die Küche weitergeleitet werden, der Koch ist in der Pflicht, der Ober sollte aber auch sofort dem Gast gegenüber reagieren, ggf. den Manager/Inhaber verständigen. Was offensichtlich nicht geschah. Somit bleiben m.Ea. nur zwei Möglichkeiten:
      -die servierte Qualität ist Standard
      -es ist Ober und Inhaber glatt wurscht, ob ihre Gäste zufriedengestellt werden.

      Aber, Frank, wir wissen ja beide, dass es reichlich gute Auswahl in PV gibt. Und wäre Mike nicht wieder einmal für Tage im voraus ausgebucht gewesen, hätten wir diesen Aufreger des Jahres gar nicht gehabt!!!! 😉
      LG

        • Hallo Frank, habe den von Dir genannten Namen editiert, diese Person hat nichts mit dieser Geschichte zu tun.
          Grundsätzlich kann jeder bei mir kommentieren, sofern es sich nicht um rassistische, pornographische, hetzerische usw. Antworten handelt.
          Aber wenn Du es vorziehst, nur mir persönlich zu antworten, kannst Du dies natürlich, schreibe einfach einen Kommentar, der ohnehin „zur Moderation“ (also nicht automatisch veröffentlicht wird) bei mir eingeht, und teile mir ggf. mit, dass dies eine private, nicht zu veröffentliche Nachricht ist. Ich werde es selbstverständlich respektieren.
          Schönes Wochenende!

  9. ich habe dies dort noch nicht erlebt. allerdings war ich auch schon laenger nicht dort.trotzdem wuerde ich den besitzer, wir kennen ihn, beide, ansprechen. denn wen er sogar im restaurant war zu der zeit, dann reagiert er, das habe ich erlebt. es erstaunt mich das der ober nicht nachgefragt hat, auch das kenne ich anders.
    es sei denn, es ist in den letzten monaten total bergab gegangen, aber das widerspricht ihm.

  10. Hätte ich auch nur einen Happen davon gegessen,wäre das sofort wieder zurück in die Küche gegangen und ich hoffe, dass du dich beschwert hast und nicht den Preis bezahlt hast, das brauchst du nämlich nicht, es sei denn, dass du wirklich einen großen Teil davon verzehrt hast, was ich nicht annehme.
    So etwas darf einfach nicht sein!!

    LG Mathilda 🙂

    • Liebe Mathilda, natürlich ging diese Gräulichkeit zurück. Aber ich debattiere nicht mit jemanden, der mir solch eine Unzumutbarkeit serviert – es wäre zwecklos!
      Es gibt in jeder Küche mal ein Malheur, keine Frage. Aber hier handelte es sich nicht um einen kleinen Fehler, wie z.B. zuviel Salz in der Suppe. Hier handelte es sich um gravierende Probleme wie das Servieren von ranziger Entenbrust und m.Ea. überfälliger oder halb aufgetauter Geflügelleber! Und wenn ein Koch so etwas aus der Küche gehen lässt, dann hat das Restaurant wirklich Probleme!
      LG

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