Der Markt San Juan de Dios in Guadalajara

4000 qm überdacht, knapp 3000 Marktstände, alles mitten im Centro der Altstadt Guadalajaras: El Mercado de Libertad, besser bekannt als Mercado San Juan de Dios an der Plaza Juarez, der grösste überdachte Markt in ganz Mexiko.

(Bilder zum Vergrössern anklicken)

Mercado San Juan de Dios, GDL

Ich musste da hin, ganz klar! Ist man erst mal in der Nähe der Markthalle, folgt man einfach der Nase: die Gerüche und Küchendämpfe der unzähligen Essensstände im 1. Stock des Marktes trägt der Wind noch um die nächste Strassenecke, lockt oder schreckt ab, wie eben gerade der Magen knurrt oder murrt. Es zog mich hinein, zügig an den Krims-Krams-Ständen im Erdgeschoss vorbei, die Lobpreisungen dutzender Verkäufer und Marktschreier ignorierend, ich wuselte durch Menschengedränge, umschiffte schreiende Kinder, die mir fast zwischen die Beine liefen, schnurstracks auf die Treppe zu, keinen Blick für Schuhe, CDs, Handtaschen, Hüte, Kleider, Spielwaren, Körbe und Besen!

Mercado San Juan de Dios, 1. Stock

Und dann ging der Rummel erst richtig los! Es müssen mehr als 100 kleine Essensstände sein, die sich dicht an dicht drängen, vierreihig, rund um den Innenhof des Marktes, bunt, laut, von Schildern und Bildern der angebotenen Speisen überfrachtet. Der Duft von tausend Gewürzen überfordert die Nase, überreizt den Geschmackssinn, überflutet den Mund, lässt die Zunge schnalzen und das Zäpfchen flattern und das Kleinhirn schreit nur noch „Futter!“

Mercado San Juan de Dios, Food Street

Zwischen Sushi, Chow-Mei, tacos, birrias, pollos und carnes sticht mir eine Frau ins Auge die gerade einen Scampi-Cocktail herrichtet, schon hänge ich einbackig auf einem winzigen Barhocker vor ihrem Tresen. Sie und ihr Mann arbeiten auf engstem Raum, er wirft gerade frische daumendicke camarones (Scampi) in einen enormen, dampfenden Kochtopf, sie schnippelt Avocados und Tomaten, füllt sie zusammen mit Zwiebelwürfel in ein ordentlich grosses Cocktail-Glas, schüttet reichlich „catsup“ (das mex. Wort für Ketchup, hier aber für ihre spezielle, hausgemachte Cocktailsosse verwendet) darüber, quetscht Saft aus Limetten drauf und gibt noch eine kleine Kelle Scampi-Sud darüber, kurz gerührt, fertig! Schmeckt oberlecker!

Mercado San Juan de Dios, cocktel de camarones

Ein kleines Schwätzchen, es zieht mich weiter.

Handgeschrieben steht auf einer Speisen-Tafel „regresa a la vida“ – öha! Ein Essen, das wiederbelebt? Schon klemme ich am Tresen, ein Teller wird voll gepackt mit Tintenfisch, Scampi, Fischstücken, Gemüsen und roter Sosse, Jalapeño Duft zieht mir in die Nase. (Meine innere Stimme sagt mir nix!) Der erste Bissen schmeckt scharf, nach dem zweiten Bissen denke ich „das ziiiieht“, nach dem dritten kann ich die Zunge nicht mehr bewegen, röchle gerade noch „agua favor“ (Wasser, bitte)  und suche krampfhaft nach einem Taschentuch um mir die Tränen aus den Augen und den Schweiss von der Stirne zu tupfen, das kalte Wasser löscht nicht, ganz im Gegenteil. Die Hälfte der Portion schaffe ich, mittlerweile bin ich nicht nur wiederbelebt, sondern eigentlich schon im nächsten Leben, ich muss jetzt raus. An die frische Luft.

Mercado San Juan de Dios, Innenhof

Im Innenhof finde ich ein schattiges Plätzchen auf einer der vielen Treppen. Kaum sitze ich kommt ein Verkäufer mit einer Ladung Buñuelos auf mich zu. Frittierte Hefeteigfladen, überzogen mit einer Unmenge an Zuckersirup, glänzen in der Sonne und verheissen „Feuerwehrdienste“ für meine brennende Zunge und Gaumen. Antonio, so heisst der Verkäufer, preist sie als weltbestes Gebäck, ich beisse ein Stück ab und fast kleben mir Lippen und Zähne am Sirup fest. Linderung bringt dieses extreme süsse, noch extremer klebrige Zeugs nicht, allerdings bin ich mir sicher, dass man mit dem Kleber-Sirup eines Buñuelos ein Einfamilienhaus komplett tapezieren könnte…

Mercado San Juan de Dios, Buñuelos

Ein kleiner Rundgang noch durch den Innenhof, vorbei an Getränkeständen mit Aguas frescas und Bergen von Früchten und Obst, und den unzähligen Ständen mit Schuhen, beeindruckenden Cowboy-Stiefeln, Sätteln, wieder hinein in die Markthalle, quetsche ich mich durch enge Gässchen voll mit allem was man schon immer haben wollte aber noch nie brauchte – und stehe unvermittelt in der Metzger-Gasse: Leber und Kuddeln, Schweinshaxen und Hähnchen, Longanizas und Chorizos baumeln vor meinen Augen, mir wird flau im Magen. Um den zweiten Stock mit Klamotten zu erreichen, müsste ich nochmals durch die Essenstände – nein, ich muss da jetzt ganz raus!

Mercado San Juan de Dios, Aguas frescas

Mercado San Juan de Dios, Obst im Innenhof

 

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25 Kommentare zu “Der Markt San Juan de Dios in Guadalajara

  1. Wunderschön beschrieben und visuell eingefangen. Ich liebe Märkte,
    da ist unsere kleine Markthalle in Frankfurt( Und die ist schon groß)
    verschwindend klein:-) Ich kann es förmlich riechen, hören….. mittendrin!!

    Danke fürs Teilhaben liebe Tina 🙂

  2. Yeah…toll geschrieben und schön bebildert, da macht das Lesen und Schauen viel Spaß! Man wähnt sich mitten drin im Trubel und Gedränge. Auf jeden Fall würde ich vor dem Stand mit den Westernstiefeln längere Zeit verweilen und mir sicherlich auch ein chices Paar kaufen. Und anschließend mit großer Begeisterung ein paar gegrillte Scampi essen…
    LG von Rosie

    • Rosie, zwei, drei Dörfer ausserhalb von Guadalajara würde Dir ein begnadeter Stiefelmacher die Westernstiefel Deines Lebens in rund 3 Tagen zu einem Spottpreis auf den Fuss schneidern!
      Und klar, wenn Du Scampi & Verwandschaft magst, bist Du in diesem Markt genau richtig!
      Schönes Wochenende!

  3. Ich liiiiiiiiiiiiebe solche Märkte! Die Gerüche und das Treiben dort. Da ich ja leidenschaftlich gerne koche (auch im Urlaub), tauche ich dort so gerne ein. Wenn wir in südlichen Ländern eine Ferienwohnung haben, bestehe ich darauf, so oft wie möglich zu kochen. Erst wird auf den Märkten eingekauft, was der halbleere Magen verlangt und anschließend in einer der Bars noch ein kräftiger Kaffee getrunken. Für mich gibt es kaum etwas Schöneres!

    Liebe Grüße!!

      • So ist es. Zwar bin ich dann auch erst einmal der Touri, der Fisch oder unbekannten Käse verlangt, aber nach ein paar Brocken Fremdsprache und zur Not etwas Englisch, kommt Frau schon ziemlich weit. Man muss sich nur trauen. Der Magen hat das Wort!

    • Ich kann die Busse der „Lujo“-Linien, wie z.B. ETN oder Primera Plus empfehlen. Allerdings rödelt ihr von Puebla bis GDL runde 8 Stunden lang! Vallarta-GDL sind es 4,5 bis 5 Std. je nach Verkehr und Wetterlage. Wir sind mit ETN hin und zurück, die Busse haben nur 24 Sitze, Grösse ähnlich der Business-Class im Flieger, ausgestattet mit Beinablage, jeder Sitz eigenen Monitor, Wireless-Internet, TV und Musik. Klimaanlage. Es gibt Softdrinks/Wasser und ein Sandwich als Bordverpflegung, ausserdem einen Heiss-Wasserbereiter für Instantkaffee oder Tee. Bei Buchung via Internet gibt es Rabatt.

  4. ein toller markt! anfangs haben mir hier die märkte sehr gefehlt, in tanti gibt es keinen und in der nahen kleinstadt auch nicht. nach dem betrachten der fotos und deiner schönen beschreibung hätte ich auch gern so einen markt in der nähe, er dürfte auch kleiner sein 😉 seufz! die buñuelos sehen hier ganz anders aus, kleiner und wie bällchen. liebe grüße

    • Hier gibt es natürlich auch die kugeligen buñuelos, traditioneller (so sagte man mir) sind allerdings die buñuelos de rodilla, diese flachen Flundern. Tja, leider ist unser Markt in Vallarta nicht gerade sehr gross und leider total mit Touristen-Kram versaut! In den umliegenden kleinen Orten gibt es den Wochenmarkt, aber da muss man auch in ein vom Tourismus vergessenes Dorf, um an die lokal produzierten Gemüse und Früchte zu kommen. Lohnt sich aber. Und zum Markt San Juan in Guadalajara sind es von hier aus knapp 400 km! Also tatsächlich nur bei einem Urlaubstrip erreichbar. LG

    • Man muss es mögen, nicht alle Leute ertragen diesen Rummel gelassen. Mir reichten 2 Stunden, dann brauchte ich einen Spaziergang in der Fussgängerzone. (Vielleicht lag’s ja auch am superscharfen „Wiederbeleber“) 😉

  5. ich liebe märkte. und bei dir das sieht alles so lecker au´s. bei mir in kathmandu gibt es an jeder ecke kleine märkte, alles richt so exotisch und immer wieder entdecke ich dinge die ich nie zuvor sah und von dem ich bis heute nicht weiss was es ist. aber ich ahbe ja zeit zum probieren :))) LG

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