Mike und Irma on Mexiko Tour 2012 – Teil 4

Auf 2400 Metern Höhe grub sich seit Urzeiten der Rio de la Plata sein Flussbett durch die Sierra Madre Occidental. Die steil abfallenden Hänge bilden einen Talkessel in dem das historische Stadtzentrum von Zacatecas liegt, überragt vom Cerro de la Bufa, ein kegelförmiger Berg. Im Jahre 1546 fanden die spanischen Konquistadoren reiche Silberlager im heutigen Stadtgebiet und im selben Jahr noch wurde der Ort Zacatecas gegründet. Das Gebiet um Zacatecas (náhuatl: Grasland) war jedoch schon seit mehreren tausend Jahren von Indigenen bevölkert, Caxcans, Huicholes,  Zacatecos und andere Stämme beuteten lange vor der Ankunft der spanischen Konquistadoren die Edelmetall-Minen aus.

Das historische Zentrum der Stadt wurde 1993 zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt.

Auch wenn es nicht mein Ding ist, aber in Zacatecas ist eine Stadtrundfahrt mit Führer ein Muss! Man holt uns im Hotel La Finca del Minero ab, wir bilden eine kleine Gruppe von 8 Besichtigungswilligen und vertrauen uns Carlos, dem Reiseleiter an. Den herrlichsten Panoramablick über die Stadt gibt es vom Berg Cerro de la Bufa. Auf der Bufa bewundern wir die Bronzestatuen von Pancho Villa, Felipe Ángeles und Pánfilo Natera, die Helden der Revolution, ein historisches Museum, eine Kirche aus dem 18. Jh., die von den Spaniern gebaut wurde – (fragt mich nicht nach mehr dazu, keine Ahnung, sind ja schliesslich keine Motorräder, das ist Irmas Sache, so der  O-Ton von Mike). Also: die Kirche ist der Virgen del Patrocinio gewidmet und eine schöne Aussichtsplattform und natürlich Gastronomie und Lädchen versorgen die Besucher je nach Gusto.

Zacatecas Blick von La Bufa

Die Bufa selbst bietet ja schon einen grandiosen Blick über die Stadt, aber die Fahrt mit dem Teleférico, der Seilbahn, ist sensationell! In 7 Minuten gondelt man 650 Meter weit in luftiger Höhe über das Stadtzentrum zwischen den Stationen Cerro de la Bufa und Cerro del Grillo. Hergestellt wurde die Seilbahn von eine schweizer Firma, was uns ganz stolz erklärt wurde, und auch die Sicherheitsrichtlinien seien schweizerisch,  und das heisst sicher! Suizo, eben!

Wir gondeln also von La Bufa hinab zur Mine El Edén. Unser Carlos erzählte uns, und heulte fast dabei, dass sein Grossvater noch in dieser Mine, die heute einem grossen kanadischen Konzern gehört, geschuftet hat. Die Mine wird nicht mehr ausgebeutet, sie dient nur noch für Touristen-Führungen. Die tiefste Stelle der begehbaren Stollen liegt 350 Meter unter der Erde. Allerdings steigt das Grundwasser laufend an, die beiden unteren Stockwerke sind schon komplett unter Wasser. Zur Zeit der spanischen Vorherrschaft haben hier die unterworfenen Indios unter unmenschlichen Bedingungen gearbeitet. Kaum einer wurde älter als 35 Jahre und falls ein Mann 10 Jahre unter Tage durchhielt, war er ein körperliches Wrack. Viel erinnert nicht mehr an die Unterdrückung: im ebenerdigen Schacht lärmt dafür nun eine Disco!

Silbermine 300 Meter tief

Silbermine – Andachtsecke

Silbermine – Tour

Silbermine – Schacht

Nach der Minenbesichtigung geht es also durch die Strassen der Stadt. Zacatecas hat wirklich was! Also wenn ich auch sonst nichts Gutes über die spanischen Konquistadoren und die späteren Grandes sagen kann, hier haben sie wenigstens ihre einzigartigen kolonialen Bauten, wenn auch zum Blutpreis der Indigenos, hinterlassen. ‚Churrigaresk‘ nennt man heute diesen kolonial-spätbarocken Baustil der aus Cantera-Stein gefertigten Paläste, der dem historischen Zentrum ein üppiges, verschwenderisches Flair verleiht. Viele diese Gebäude, wie z.B. die Kathedrale wurden in der Hochblüte der Stadt, also im 16. Und 17. Jahrhundert gebaut. Natürlich sind die hervorragenden Museen in solchen Prunkbauten untergebracht, in den teilrestaurierten Ruinen eines früheren Franziskaner-Klosters ist heute ein Masken-Museum das sehenswert ist, selbst die frühere Stierkampfarena, heute zu einem wunderschönen exklusiven Hotel umgebaut strahlt noch den Glanz des damaligen Neuspaniens aus. Aber auch die in jüngerer Zeit entstandenen Stadtviertel sind wegen ihrer an die Berghänge angelehnten, farbenprächtigen, wenn auch relativ bescheidenen, Bebauung bekannt.

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Jede Stadtbesichtigung findet zwangsweise ein Ende, weil sich der Hunger meldet. 15 Uhr nachmittags, beste Mittagessenszeit in Mexiko, wir besuchen eine Essküche, comida corrida, geniales, typisches Essen für diese Region. Aber irgendwie war es mir zu fettig, sage ich zu Irma und Irma sagt nur „ab in die Cantina“. Prompt treffen wir Leute, die uns gestern abend schon in der Cantina Las Quince Letras (Wirtshaus Die 15 Buchstaben – ein bisschen Humor, denn der Name hat tatsächlich 15 Buchstaben!) über den Weg gelaufen, und mit denen wir in der Kneipe beim Filosofieren über Politik und den Rest der Welt glatt versumpft waren!  Wir konnten nichts dafür! Die Cantina las Quince Letras ist eine Institution in Zacatecas und zwar schon seit 1906! Ein Museum, ein Zeitzeuge von Jubel und Niederlage, Treffpunkt der Philosophen, Künstler, Sänger, Politiker, Revoluzzer, Weltverbesserer und Dampfplauderer. Jeder kennt Jeden, Manche gehören schon zum Inventar. Also genau Mike’s Platz! Und natürlich treffen wir auch heute wieder ein paar Leute in der Cantina Quince Letras mit denen wir am Vorabend schon die Weltwirtschaft von der unteren Mongolei bis Hawaii in Ordnung gebracht hatten….

Cantina Quince Letras

Allerdings hatte uns heute die Stadt- und Minen-Besichtigerei schon etwas geschlaucht, sodass wir um 6 Uhr abends beschliessen eine kurze Siesta im Hotel zu halten. Was soll ich sagen, die Siesta dauerte bis nächsten Morgen; gibt dem Körper was er braucht!

Ich war am nächsten Morgen voll fit für die nächste Etappe, aber Irma wollte noch unbedingt in die Ruinen dieses Franziskaner-Konvents, denn in den alten Mauern ist das wohl weltgrösste Masken-Museum, Museo Rafael Coronel, untergebracht, 10.000 mexikanische Masken sind dort ausgestellt.

Museum der Masken

Weit über 4000 tausend Kilometer haben wir bisher auf dieser 2012er Mexiko-Tour zurückgelegt, allmählich wird es Zeit, in unsere „zweite Heimat“, nach Atotonilco aufzubrechen. Aber erst müssen wir noch durch Aguascalientes und Guadalajara und ein paar hundert Kilometer durch die Hochebene und Täler der Sierra Madre Occidental brettern.

Nächster Halt: Tequila-Landia!

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13 Kommentare zu “Mike und Irma on Mexiko Tour 2012 – Teil 4

  1. Pingback: Vom Pazifik über das Rückgrat des Teufels in die Sierra Gorda Teil 2 | toeflimike

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  3. Es ist so schön eure Reise zu verfolgen! Sage mal, ist das auf dem einen Bild eine Elfe oder du, die ein Tänzchen wagt???j
    Wenn wir gereist sind, so sind wir auch stets in die hinter“letzten“ Lokale eingekehrt. Die Stimmung und das Essen war dort immer am besten und das hat ein Touri in der Regel nie gesehen. Genau dort spielt sich das Leben ab und man lernt, nebenbei, noch mehr Land und vor allem Leute kennen.
    Viele liebe Grüße!!!

  4. Auch diesmal wieder vielen, lieben Dank für’s virtuelle Mitnehmen auf eurer Tour!…
    Ich liebe solche Kneipen sehr, in denen man philsophierenderweise ganz wundervoll versumpfen kann. 😉
    Freue mich schon auf den nächsten Reisebericht!
    ♥liche Grüße!

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