Coatlicue

    Tonantzin (Coatlicue)  war einst eine sehr schöne Frau, sie lebte in Teotihuacán, der Stadt der Götter, lange bevor die Welt erschaffen wurde.  Ihre Bestimmung war, die Erde und die Sterne zu bevölkern. Ihre Schönheit lockte viele Götter an, schliesslich jedoch heiratet sie  Mixcoatl den Gott der Jagd, des Krieges und des Solarsternes. 400 Kinder, die Sterne des Südens (Centzon Huitznahuac) hatte sie ihm schon geboren und war somit die Mutter aller Götter. Coatlicue,  die Göttin  der Erde (Fruchtbarkeit)  und des Todes kümmerte sich fortan um ihre unzähligen Kinder und lebte zufrieden in der Stadt der Götter.

Eines Tages jedoch wurde Coatlicue misstrauisch. Mixcoatl, ihr Mann, entfernte sich immer weiter von ihr und sie spionierte ihm heimlich nach. Und sie ertappte Mixcoatl in flagranti mit einer anderen Frau!

Coatlicues Reaktion war ungeheuerlich: mit einem Schlag verwandelte sich die Schöne in eine rasende Furie, sie stürzt sich auf das Liebespaar und tötet ihren Mann vor den entsetzten Augen seiner Geliebten. Von nun an war nichts mehr wie vorher.

Coatlicue verwandelte sich in ein Monster: Ihr Kopf wurde zu einem Knochenschädel,  von zwei Schlangen flankiert, an Händen und Füssen bildeten sich Adlerkrallen, Ihre Extremitäten bestanden nur aus Blut, ihre Brüste hingen schlaff und um ihren Leib formte sich ein Rock aus Schlangen. Um den Hals trug sie ein Band mit den Herzen und Schädeln  ihrer Opfer. Sie wurde zu einer furchteinflössenden Kreatur.

Eines Tages befand sie sich auf dem Coatepec (Berg der Schlangen) als ein Knäuel von Kolibri-Federn vor ihre Füsse rollte. Sie hob das Knäuel auf und versteckte es unter ihrem Rock. Einige Zeit später wollte sie das Federknäuel hervor holen, fand es aber nicht mehr. Kurze Zeit später wusste Coalicue dass sie schwanger war, jedoch war sie seit dem Mord an ihrem Ehemann mit keinem anderen Mann mehr zusammen.

Ihre Kinder, die Centzon Huitznahuac, waren entsetzt als sie von dieser Schwangerschaft hörten. Lange schon gärte in ihnen die Rache für ihren ermordeten Vater, nun wandten sich alle gegen die Mutter, allen voran die Tochter Coyolxauhqui, Anführerin der Centzon. Sie rief ihre Götter-Brüder und –Schwestern auf, nach Coatepec zu ziehen um die Mutter und deren ungeborenes Kind  zu töten.

Während die Centzon den  Berg Coatepec  stürmten, gebar Coatlicue ihren Sohn Huitzilopochtli   Dieser kam jedoch nicht als Baby zur Welt, sondern als stattlicher Krieger mit voller Rüstung. Sofort bekämpfte er seine Geschwister, tötete Coyolxauhqui nachdem diese Coatlicue den Kopf abgeschlagen hatte, köpfte sie und warf ihren Kopf in den Himmel worauf er zum Mond wurde und seine Mutter in den dunklen Nächten trösten sollte. Seine von ihm getöteten Brüder wurden zu den Sternen am Himmel.

Ein eindrucksvolles Video zur Legende Coatlicues gibt es  in der Original-Fassung von History Channel (45 Min) hier  aber leider nur in spanischer Sprache verfügbar, die Bilder und Szenen sind jedoch sehr eindrucksvoll, die Kommentare der Historiker sehr informativ.

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18 Kommentare zu “Coatlicue

  1. Vollkommen faszinierend. Indische, nordische und afrikanische Mythen klingen sehr ähnlich; auf mich als Heutige wirken sie sehr, sehr kraus. Danke für die Links!

    • Was ich in meinem Beitrag eigentlich schreiben wollte, es dann aber unterliess, ist die Tatsache, dass während und nach der spanischen Konquista die Padres Coatlicue, wohl aufgrund der jungfräulichen/unbefleckten Empfängnis (durch den Federball), den Indigenen als das Synonym für die Hl. Maria erklärt wurde!!! Nicht unähnlich der Inka-Geschichte mit Pacha-Mama, die ebenfalls durch die Konquistadores als Ebenbild der Maria schlichtweg in der neuen Religion erklärenderweise benutzt wurde.

      • Die süß lächelnde Maria und das rasende Erdweib? Sehr geschickt, natürlich. Und es spricht Bände über das Christentum; bei uns in Europa wurden ja auch alle möglichen heidnischen Traditionen integriert …

  2. Ich bin ein absolut bekennender Fan von Sagen und Mythen! Danke, für deine Geschichte. Tja, wäre er mal nicht fremd gegangen 😉

    Liebe Wochenendgrüße zu dir!

  3. tolle geschichte! bei solchen beispielen kann´s ja gar nicht friedlicher werden…
    ist aber schon erstaunlich, daß immer wieder parallelen zu anderen religionen auftauchen.
    liebe grüße

    • Oh ja, Antje, Die Parellelen hast Du sehr gut erfasst! In der indigenen Bevölkerung fand die hl.. Mutter Maria ihr Gegenbild in Coatlicue: Die jungfräuliche Empfängnis Marias, wie von den Padres im indigenen Mejico verkündet traf prompt auf offene Ohren der Azteken-Stämme, denn auch Coalicue empfing den Helden ihrer Kinder schlechthin ohne das Zutun eines Mannes!

  4. Grauslige Geschichte, aber irgendwie auch nicht ganz an der Realität vorbei, denn auch heutzutage haben es Fremdgeher immer sehr schwer….die Rache lauert überall.

    LG Mathilda 😉

  5. mexico hat eine affektivitaet zu daemonen und blut, jetzt wundert es mich auch nicht, die irgendwie teilnams losigkeit, zur jetzigen situation, der bevoelkerung
    zum drogenkrieg, denn das volk hat schon immer unter irgendwen geknechtet gelebt.

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