Grossputz

Seit Wochen herrscht nicht nur in Puerto Vallarta, sondern in der gesamten Bahía de Banderas hektische Betriebsamkeit: der Tianguis Turistico 2012  , die grösste Tourismus-Messe Mexicos, muss vorbereitet werden. Hunderte Reiseveranstalter aus las Americas, Asien und Europa werden erwartet, und Vallarta und die Bahía wollen sich natürlich als gute Gastgeber zeigen, hat man doch Acapulco als bisherigen Veranstaltungsort den Rang abgelaufen!

Konkret sieht es so aus, dass wir hier alle in der einen oder anderen Weise von diesem Grossputz, dem sich die gesamte Gegend hier unterzieht, betroffen sind. Die Zufahrt zur  und Durchfahrt durch die Altstadt ist seit Wochen ein Albtraum: überall Baustellen. Die Hauptverkehrsader, die MEX 200, ist langläufig im gesamten Abschnitt von der South Side Vallartas bis Cruz de Huanacaxtle nur noch eingeschränkt befahrbar:

die Mittelstreifen dieser 4-spurigen Hauptstrasse werden seit Wochen verschönert: es wird gepflanzt, was die Baumschulen hergeben. Brücken und Überführungen werden neu angestrichen, Strasseninseln mutieren plötzlich zu Skulpturen und Miniparks. Keine Frage: diese Schönheitskur tut dem Stadtbild absolut gut. Doch wer pflegt und unterhält dies nach dem Mega-Event? Heute ist ja die halbe Stadt auf den Beinen, es wird befegt, gespritzt, gewaschen, gestrichen, unsere Stadt soll schöner werden….

 

  Der Landkreis  Bahía de Banderas schiesst allerdings den Vogel ab: fährt man vor allem nachts in nördlicher Richtung, knallt dem Autofahrer unmittelbar nach der Ameca-Brücke ein Bildschirm ins Auge: oberhalb der „Rennpiste“ wurde diese Monster-Screen aufgehängt, die Autofahrer können sozusagen bei Tempo 80 die Schönheiten der Riviera Nayarit  in bewegten Bildern bewundern – sofern sie nicht magisch von den haushohen, in wechselnden Bonbonfarben bestrahlten Lettern „Riviera Nayarit“ abgelenkt werden! Naja, nur gut, dass im Falle eines Auffahrunfalls oder anderer Widrigkeiten oder verrenkter Halswirbel, sich die Polizeistation gleich daneben befindet.

Und weil wir gerade bei den Freunden und Helfern sind: deren Arbeitseinsatz ist in den vergangenen wenigen Wochen geradezu unermüdlich! Bei jeder dritten Fahrt werden wir aus dem Verkehr gezogen, beäugt, befragt, Auto durchsucht. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, meinten die Jungs wohl, und steckten ein niegelnagelneues Handheld-Gerät an den Motor-Stecker (OBD?) und checkten mal virtuell – ja was? Was können die aus den Motordaten meines Carros herauslesen? (Antwort auf diese Frage bekommt man natürlich nicht)

Ansonsten wurden wir diesmal wenigstens vorgewarnt, dass wir vom 22. bis 28. März quasi umzingelt werden: die Polizei-Präsenz rund um die Bahía wird noch nie dagewesene Ausmasse annehmen, selbst aus Guadalajara kommt Truppen-Verstärkung, Drohnen sollen den Luftraum überwachen, Blackhawk-Helis stünden einsatzbereit, die Marine habe Dauerdienst und Polizisten haben Urlaubs- und Krankheitsverbot!

Fazit:  Anfang nächster Woche werden Kühlschrank und Freezer vollgepackt, Bier, Wein und Nüsschen gebunkert und die  Familie geht für eine Woche in Klausur!

Fotos: Notibahía und Noticiaspv

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17 Kommentare zu “Grossputz

  1. Hi, schöner Artikel aber oha, das hört sich ja teilweise übel an.

    Gerade letzte Woche habe ich mich mit einer Freundin darüber unterhalten, dass bei so Großereignissen immer alles schön gemacht und neugebaut (Steuergelder verschwendet) wird und danach liegt es wieder brach und keine Sau interessiert es mehr. Wenn Du die Polizei dann aber mal wirklich brauchst ist sie vermutlich nicht da, oder? Und was bitte ist Krankheitsverbot? Wenn einer einen Unfall hatte und an Geräten und Schläuchen hängt muss er vermutlich Bürodienst aus dem Bett machen, oder? 😉

    Liebe Grüße
    Sue

  2. Das kenne ich. Ich komme aus dem Ostteil unseres Landes und zu verschiedenen Anlässen, damald als Besuch von Drüben kam, wurden die Staädte auch renoviert. Da verschwanden Schlaglöscher die es schon Jahre gab. Der Knaller war, es gab Orangen un Bananen, die aber alle wieder verschwunden waren, als wieder „Normalität“ herrschte.

    Was für eine verückte Welt.
    LG Basundhara

  3. das klingt ja mehr nach weltsicherheitsgipfeltreffen als nach tourismusmesse! was für ein aufwand. bestimmt zeigst du uns nach der messe, wie schön alles ist oder war.
    liebe grüße in den trubel

    • Schätze mal, von den erlauchten Reisebrokern werden wir nicht viel sehen, für die sind einige „geschlossene“ Veranstaltungen vorbereitet. Ich hoffe aber, dass die optischen Verschönerungen der Gegend anschliessend auch gepflegt, sprich uns erhalten bleiben.
      Gruss ins friedlich-ruhige Tal!

  4. Du schreibst: „Polizisten haben Urlaubs- und Krankheitsverbot!“ – Ersteres ist verständlich, letzteres hoffentlich nicht ernstgemeint *grins*
    Ist ja wirklich ein Wahnsinnsaufwand!

  5. bin auch schon gestoppt worden, kollege auf dem hinteren sitz hatte keinen gurt an, ging glimpflich ab. wie kommt man denn nur rum um diesen zirkus, innenstadt verkehr umgehen via tunnel, v or allen dingen ,nicht über die brücke nach nayarit!
    da ist ja irre hektik. vielen dank für den tip ,kühlschrank,freezer füllen, werde mich dran halten.

    • Habe den Autohändler gefragt, der kannte dieses Spielzeug auch nicht. Es wäre allerdings nur denkbar, dass er die Serien-Nummer des Fahrzeuges vom Bordcomputer ablesen kann. Nützlich evtl. um gestohlene Kfz aufzufinden.

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