Tarahumara

Die Flut rollt hoch diese Nacht. Die Brandung bricht sich am Strand, an der Mole. Laut ist sie, gewaltig, so gewaltig, dass sie mich nicht schlafen lassen will. Fast regelmässig kommen die  Wellen, zerschellen mit einem donnerndem Geräusch. Mit Gewalt. Es ist anders als die anderen Nächte.

Heute Mittag und nachmittags gab es völlig überraschend  jeweils einen kurzen Regen, dicke Tropfen, die gerade als sie den Boden erreichten, schon wieder verdunstet waren. Im Januar! Mitten in der Trockenperiode! Normal ist das nicht.

Meine Gedanken gehen zurück. Nur kurz. An andere Orte, andere Brandungen, die hart und heftig gegen die Felsen am Strand anbrandeten,  nur um gleich wieder in Wüsten zu entgleiten. Nach Chihuahua.  Zu  den Tarahumara-Indianern. Heute erst hatte ich wieder gelesen, dass im Norden Mexikos um die zweieinhalb Millionen  Menschen unter einer schrecklichen Dürre leiden. Schon seit vielen Wochen. Die anhaltende Dürre wird den Grossteil ihrer Ernten zerstören. Hunderttausende werden hungern. Hungern, in einer Landschaft, die Teile für spektakuläre Touristen-Attraktionen stellt, wie etwa den Kupfer-Cañon.  Hunderttausende Touristen  besuchen ihn jährlich. Hunderttausende Menschen, beeindruckt von einer gewaltigen, eindrucksvollen, einzigartigen Landschaft, geniessen jährlich  diese Kulisse der schroffen, abweisenden  Felswände, der abgrundtiefen Schluchten und der pitoresken Vergangenheit der Kupfermineure. Und die, deren Land dies einstmals war? Sie verhungern. Suizid ist dieser Tage und Wochen kein Tabu bei den Tarahumara. Es hilft, einen Esser weniger am Topf sitzen zu haben, ein Mund weniger, der Wasser verlangt.

Die Brandung hat nachgelassen. Es wird ruhig. So ruhig, dass ich einzelne Regentropfen zu hören glaube. Sie werden meinen Ziergarten nicht giessen, aber hören und fühlen kann ich sie hier…..

Mehr zu den Tarahumaras bei Wikipedia

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Hilfsaktion von Geschäfts- und Privatleuten in Nuevo Vallarta, Nayarit:

Hilfsaktion aus Nuevo Vallarta für die Tarahumara

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33 Kommentare zu “Tarahumara

  1. Mein Mann befürchtet, dass die Tahrahumaras nicht von ihnen gewohnten und verträglichen Lebensmittel geliefert bekommen….
    Er sorgt sich sehr für seinen Volk.

    Bringst du die Ware selber hoch?
    LG
    sonja

    • Hallo Sonja, herzlich willkommen auf meinen Seiten. Nun, ich habe z.B. laktosefreie Milch angeliefert, neben frijoles, Reis, Mais- und Weizenmehl und Masa, wobei ich mir bei der Masa nicht sicher war. Da bei diesen üblichen Sammelaktionen ordentliche Mengen an Trockennahrung zusammenkommt, habe ich mal Schlafsäcke mitgeschickt. Die Kälte dürfte noch anhalten.
      Wir geben die Lebensmittel bei Sammelstellen ab, von dort geht es an die DIF oder Cruz roja, die sorgen dann für Sammelladungen und Transport.
      Was genau brauchen die Tarahumara, wir können ja nochmal nachliefern.
      Liebe Grüsse, saludos!

  2. Wie schrecklich. Wenn wir uns beklagen vergessen wir immer, auf welchem Niveau wir das tun. Ich hoffe so sehr, dass die Menschen Unterstützung und Hilfe finden.

    Liebe Grüße zu dir.

  3. das schlimme an mexico ist , das die indigeno am ende derder bewertungsskala sind. mein schlimmstes erlebnis war, wie mein sohn als beispiel genannt wurde, bei verwandten die abstammung von indigenos haben( „asi debe ser tu nino“)
    rassismus und die daraus resultierenden reaktionen sind rum um die welt an der ornung, leider.

  4. Es ist unfassbar erschreckend, wenn Selbstmord die einzige Lösung für einen Menschen in einer solchen Situation zu sein scheint. Das darf nicht sein! So etwas darf es nicht geben! Wie gut wir es dagegen alle in Good Old Germany haben! Wir haben ein soziales Netz, kostenfreie Schulen, gute Gesundheitsfürsorge und niemand muss erfrieren oder verhungern. Liebe Vallartina, vielen Dank, dass du mir diese Bevölkerungsgruppe in das Beweusstsein gebracht hast.
    LG von Rosie

    • Viele Menschen und vor allem die ethnischen Gruppen haben noch nie so etwas wie das deutsche Sozialnetz kennenlernen dürfen! Sie könnten es wohl kaum fassen.
      Liebe Grüsse und nochmals ganz viel Erfolg für Deine Ausstellung!

  5. Immer wieder trifft es die, die es so schon schwer haben.
    Wir meckern hier über die Kälte im Moment, sind uns aber nicht im Klaren darüber, dass wir genug zu essen und warme Wohnungen haben.

    beschämend……
    LG

    • Nun, ich fürchte, Du könntest da auch aus Nepal von harten Schicksalen erzählen.
      Lese gerade bei Dir, dass Ihr mit -20 Grad rechnen müsst – da bin ich aber froh über unsere derzeit +18 Nachttemperatur!
      GLG

      • Heute waren am Tag minus 12 Grad und das bei strahlender Sonne, doch bis zum WE soll es noch mal ordentlich rein hauen. Tja und dann kommt der Schnee, freu mich schon auf glatte Strassen.

        Ja in Nepal hätte ich Beipiele ohne Ende. Manchmal fühlt man einfach nur noch Sinnlosigkeit dem gegenüber. Wo anfangen, wo beginnen?
        glg
        Ps : schön das Du Antje bei mir „getroffen“ hast. Ich kann bei Ihr auch oft nicht kommentieren, meist enn ich den Internet Explorer nehme. Dann nutze ich google chrom dann geht’s.#
        LG

    • Die mexikanische Regierung hat bereits umfassende Lebensmittel- und Trinkwasser-Lieferungen veranlasst. Das Problem liegt in der schwer zugänglichen Gegend. Die Siedlungsgebiete in der Sierra Tarahumara sind logistisch schlecht erschlossen.
      Hier in Mexiko werden eigentlich immer Hilfsaufrufe gestartet, vor allem nach Hurrikanes, Überschwemmungen usw. aber die Tarahumara wurden scheinbar von der Öffentlichkeit vergessen. Langfristig helfen kann ihnen nur Regen oder derzeit Schnee.

  6. das hast du gut beschrieben, dazu die fotos, traurig schön!
    die wälder werden weiter abgeholzt, und die berge mit dynamit gesprengt, um an gold und mehr zu gelangen. dafür wird das wasser der flüsse verpestet, die erde trocknet aus, die menschen und tiere verhungern oder werden krank. hier ist famatina, ein bergdorf im nordwesten argentiniens, am kämpfen – für leben und gegen die minen.
    liebe grüße

      • Bei uns in am Rande des Südschwarzwalds in eher niedriger Lage liegt mittlerweile eine ganz dünne Schneedecke. Aber es reicht noch nicht mal zum Schneeschippen!
        Dieses Jahr führt mich die Reise wohl nach Ecuador. Bin gerade dabei alles zu organisieren. Dauert aber noch ne Weile, es wird erst Ende Mai soweit sein. Ich freu mich aber schon riesig darauf 🙂 Dann gibt’s auch endlich wieder Reiseberichte.

  7. So schön die Fotos mit der herrlichen Landschaft sind – desto berührender ist der Text. Der Mensch ist immer und immer von der Natur abhängig – und trotzdem gibt er sich „große Mühe“, um sie zu zerstören. Nur schlimm ist, dass meist andere darunter leiden müssen als die, die sie zerstören.
    Nachdenkliche Grüße schickt dir Clara

    • Man kann nur hoffen, dass dort die Infrastruktur verbessert wird, damit diese Menschen wenigstens eine vernünftige Grundversorgung haben. Die Winter sind dort extrem kalt, aber diesen Winter gab es noch keinen Schnee, der Wasser liefern könnte, und der vergangene Sommer war extrem trocken. Wenigstens wird ihnen jetzt von der Regierung geholfen.
      LG

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