Gated Community – Leben hinter Mauern?

Wie wohnt man eigentlich in Mexiko? Viele stellen sich kleine, pitoreske Ortschaften mit engen Gassen und bunt bemalten Häusern vor. Vielleicht auch verträumte  Fischerdörfer am Meer, Ranchos in den Bergen. Und natürlich die grossen Mega-Städte wie Mexico City, Guadalajara, Monterrey, zauberhafte Kolonialstädte wie Campeche oder Mérida und wolkenkratzerbewehrte Touristenzentren wie Cancun und Acapulco.  Das alles ist natürlich Mexiko, das neue und das alte.

Seit Jahren jedoch entwickelt sich hier ein Wohntrend, wohl geprägt durch die Vorbilder aus den USA: das  bewachte Wohngebiet,  Residencial privada oder auch Gated Community, genannt. Hier in der Bahía de Banderas schossen in den vergangenen Jahren diese Art Wohnsiedlungen buchstäblich aus dem Boden. Diese ‚Privadas‘ sind reine Wohngegenden, also nur Häuser und Apartments, keine Geschäfte oder Läden. Privadas sind stets von Mauern umgeben, an den Zufahrtstoren kontrolliert Sicherheitspersonal 24 Stunden täglich,  365 Tagen im Jahr.

Die wohl weitläufigste und landschaftlich schönste Gated Community hier in der Bahía de Banderas ist der El Tigre Golf and Country Club in Nuevo Vallarta. Da schauen wir jetzt mal genauer rein:

Zwei imposante, bewachte  Zufahrtstore bieten den Zugang zu diesem Villenviertel, das mit etwa 7 km Aussenmauer aufwartet. Insgesamt bietet das Areal 260 Bauplätze. Eine 4-spurige Allee führt durch das Gelände , breite Seitenstrassen geben Zufahrt zu den Villen und Condominium-Komplexen (Eigentumswohnungen)  welche die  18 Fairways des Golfplatzes säumen. 11 künstlich angelegte Seen, parkartige, gepflegte Bepflanzung. In der Anlage selbst finden die Bewohner nicht nur den Golfplatz mit Clubhouse und Restaurant, Golfshop und SPA, sondern auch den Sports- and Raquet Club mit mehreren Tennis- und Squashplätzen, Basketball-Court, Pool, ein Kids-Center mit Spielplatz und Kinderpool, Sauna, Dampfbad, Fitness-Center, Sportshop und ein weiteres Bistro. Ein eigener, privater  Beachclub steht ausschliesslich den Residenten des El Tigre Golf and Country Club zur Verfügung.

Natürlich gibt es Regeln für dieses Wohngebiet, z.B.  Vorschriften für den Hausbau (jedoch weit entfernt von deutschen Bauauflagen) oder für das alltägliche Leben in der Gemeinschaft, wie z.B. Lärmschutz, Geschwindigkeitsbegrenzung auf den Strassen, freilaufende Haustiere etc.

Wer drinnen wohnt, meldet bei der Sicherheitsfirma sein(e) Auto(s) an, bekommt eine Plakette für ungehinderten Zugang zum Gelände. Handwerker, Personal, Besucher müssen angemeldet werden. Jeder Fremde muss ein Ausweisdokument vorlegen, wird registriert. Handwerker, Bauarbeiter müssen das Gelände spätestens um 18 Uhr verlassen.

Nun, nicht jeder hat die Mittel, sich ein Grundstück in solchen Anlagen zu kaufen. Je nach Lage gehen die qm-Preise von etwa 320 USD bis 430 USD. Grundstücksgrössen von 460 qm für Doppelhäuser und bis 1200 qm für Villen. Die monatlichen Unterhaltskosten für Strassenreinigung, Strassenbeleuchtung, Müllabfuhr (3x wöchentlich), Pflege der Allgemeinanlagen, 24-Stunden-Bewachung und Verwaltung liegen bei etwa 40 Dollar. Verbindlich für jeden Grundbesitzer, auch für jeden Wohnungseigentümer ist ausserdem die Mitgliedschaft im Social Club: ca. 120 USD im Monat für eine Familie mit 2 Kindern bis zu 21 Jahren, bzw. für Erwachsene Einzelpersonen gewähren freien Zugang zu allen Sport- und Freizeiteinrichtungen des Sports- und Beachclubs und gewähren Nachlässe in den Restaurants und Sportshops des Anlage. Golfer können sich eine Mitgliedschaft kaufen und ihre Mitgliedschaft im Social Club aufstocken lassen: für ca. 230 Dollar/Monat/Ehepaar mit minderjährigen Kindern  haben sie dann auch unbegrenzten Zugang zum Golfplatz, Driving Range und den anderen Sport-Einrichtungen der Anlage.

Wer wohnt also dort? Die absolute Mehrheit der Residenten sind Mexikaner. Geschäftsleute, Architekten, Anwälte, Ruheständler. Die Vorteile solcher Anlagen sind  stressfreies Wohnen. Wohnungs- oder Hauseinbrüche werden durch die strikte Zugangskontrolle praktisch verhindert. Die Freizeitangebote in unmittelbarer Nähe sind vielfältig. Vor allem Kinder leben hier unbeschwert: solche Anlagen sind  übersichtlich, man kennt seine Nachbarn, der Strassenverkehr ist stark reduziert und die Kids können sich nur wenige Meter vom Haus im Kids-Club unter Betreuung mit ihren Freunden austoben.

Natürlich gibt es eine Menge Leute, die nie in solchen Anlagen wohnen möchten, das muss jedem selbst überlassen bleiben.

Aber wer nun möchte, der kann jetzt mal ganz bequem per Street View durch den El Tigre Golf and Country Club fahren (Bild vergrössern, anklicken und erkunden):

 

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19 Kommentare zu “Gated Community – Leben hinter Mauern?

  1. es ist schon schrecklich, wenn man hört, wie gefährlich es ist in großstädten zu leben. unsere turis sind immer ganz erstaunt, daß wir keine gitter vor den fenstern haben, unsere möbel auf der terasse draußen lassen usw. die meisten fenster und türen sind hier vergittert, viele haben einen sicherheitsdienst beauftragt, und am rande unseres dorfes gibt es auch ein „country“ für touristen! das wäre nichts für mich, und ich bin froh, daß wir damals mit unseren kindern darüber nicht nachdenken mußten.
    liebe grüße aus dem REGEN 🙂

  2. Ich finde es interessant, darüber zu lesen, vielen Dank für den Bericht. Zur Sache selbst: Es ist für mich durchaus verständlich, wenn Leute, die es sich leisten können, dort leben wollen. Vor allem wenn Kinder da sind. Im Prinzip ist es ja ein weltweiter Trend und überall dort anzutreffen, wo die sozialen Unterschiede besonders krass sind. Sci-Fi-Romane zeigen ja teilweise Zukunftsvisionen einer ressourcenberaubten Welt auf, in denen es nur noch ein Drinnen oder Draußen gibt. Da stellt sich für mich schon die Frage: Ist das die Welt, in der man leben möchte? Ich finde es einen fatalen Trend, der aber wahrscheinlich richtungweisend ist.

  3. Solche bewachten Urbanisacionen gibts auf unserer Insel reichlich . Kleine und große … Was die Sicherheit anbelangt – so hat sich herausgestellt , dass es sich gut anhört aber – doch nicht so ist ….. ( gegen Bares schaut man auch mal weg )
    Ich finde diese Anlagen dennoch klasse . Gerade wenn man Kinder hat .
    LG

    • Die traurige Wahrheit ist wohl: wenn jemand irgendwo rein will, dann kommt er auch rein, wenn’s sein muss mit brutaler Gewalt. Betrifft jedes bescheidene Einfamilienhaus genauso wie eine Video- und Alarm-gesicherte Millionärsvilla. Die Welt ist nirgends mehr sicher. Aber trotzdem finde ich diese bewachten Anlagen werden der Trend der nahen Zukunft sein.
      Gruss auf die Insel!

  4. ja mit bay meinte ich bahia,habe selber gestaunt über die regeln bei uns(las moras,pv), denn in anderen städten ist dies nicht so streng geregelt, ich glaube hier ist amerikanischer einfluss

    • Für El Tigre gibt es eine Broschüre mit 18 DIN-A4 Seiten Reglas y Reglamientos: also vom Hund an der Leine bis hin zur Kleiderordnung im Sports and Raquet-Club. Eine weitere Broschüre, umfassender, regelt alles was mit den Bau von Häusern zu tun hat! Und: auf Einhaltung wird geachtet, so behauptet man zumindest!

  5. Neues Blog Layout? Gefällt mir.
    In Kathmandu gibt es eine einzige Anlage dieser Art, wenn auch nicht ganz so nobel.
    99% der Bewohner sind Nepalesen, verschwindend gering der Anteil der Ausländer.
    Der Sicherheitsaspekt ist schon überlegenswert ( Einbrüche und Überfälle in Nepal gibt es nicht so oft, sicherlich nicht vergleichbar mit mexico), jedoch wäre es für mich nicht’s., auch wenn Geld für mich kein Thema wäre.
    Aber wie Du sagst jeder muss es selbst für sich entscheiden.
    LG Basundhara

    • Ja, ich fand dieses neue „Theme“ besser als mein bisheriges. Die Blogspalten sind etwas breiter, also besser für Fotos.
      Hätte in Kathmandu keine bewachte Anlage vermutet, aber scheinbar ist dieser Wohn-/Lifestyle-Trend weltweit verbreitet.
      Beste Grüsse!

  6. Danke für den interessanten Beitrag. Freue mich immer wieder, wenn ich etwas darüber lesen kann, wie andere Leute leben und wohnen. Ich selber kenne solche eingezäunten Residenzen auch aus einigen Ländern. Besonders sind sie mir in Kenia aufgefallen. Liebe Grüße

  7. Die Dinger heißen in Argentinien „Country“ und sind hier genauso im Vormarsch. Allerdings gibt es die von dir beschriebenen Luxusresidenzen genauso wie einfachere Anlagen, die im Grunde nur ein umzäuntes und bewachtes Wohngebiet sind, ohne spezialisierte Freizeitangebote für die Upper Class wie Golf oder hier auch Polo – aber eben mit der Sicherheit, die insbesondere jungen Eltern wichtig ist. Ein Haus in einer solchen Anlage ist preislich vergleichbar mit einem Appartment in der Innenstadt. Man muss also abwägen zwischen Nähe zum Arbeitsplatz (sofern der in der Innenstadt ist) und ein bißchen Grün ums Haus. Für mich wär das nix, weil man für jeden Scheiß ins Auto springen muss, in der Anlage selbst gibt’s ja meist weder Geschäfte noch Behörden. Abgesehen davon sind die Anlagen nicht selten direkt umgeben von Slums, denn irgendwoher müssen ja die Kindermädchen, Putzfrauen und Gärtner kommen, die dort beschäftigt werden. Eine Garantie für Sicherheit gibt’s im Übrigen auch nicht – regelmäßig machen Überfälle und Geiselnahmen insbesondere in den Luxusanlagen am nördlichen Rand von BsAs Schlagzeilen.

    • ‚Einfache‘ Anlagen gibt es hier zuhauf! Und die Häuser verkaufen sich gut. Natürlich gibt es derartige „countries“ nicht in der Altstadt, es sei denn, man bezeichnet seine Condo-Anlage so. Im Falle vom El Tigre Country Club war es hier so, dass er zusammen mit einem grossen Hotel-Komplex mit Shopping Mall und Arzt- sowie Business-Center die Bebauung im Umkreis erst richtig angekurbelt hat: es entstanden viele Fraccionamentos, colonías, nahebei. (Als Slums kam man diese jedoch bei weitem nicht bezeichnen!) Dort wohnt der Grossteil der Arbeiter und Angestellten der Hotelzone usw. aber auch viele fahren täglich in die Stadt zu ihrer Arbeitsstelle.
      Du hast recht: es gibt keine Garantien für absolute Sicherheit, in Argentinien genauso wenig wie in Mexico, und Deutschland kann sich nicht gerade rühmen, seine Kinder auf dem Heimweg von der Schule schützen zu können: die Statistik dort in puncto Kindesmissbrauch und Kindsmord ist schockierend! Aber eine bewachte Anlage gibt zumindest im engeren Umfeld einen gewissen Schutz.
      Gruss nach Buenos Aires!

  8. nach 3 einbrüchen in mexico, wohnend in offenen strassen etc. habe ich meine lektion gelernt , nur noch in fraccionmientos leben. je mehr seguridad installiert ist, desto ruhiger schläft man, oder aber man vergittert sich bis zum letzten als alternative. faktum ist das man den punkt sicherheit immer im auge behalten muss in mexico.
    die regeln der fracc.sind allerdings sehr streng in der bay,in anderen fracc. ist dies wesentlich laxer, dafür nicht so sicher, ich habe leute von der bay,kennen gelernt, besitzer von grossen ranchos etc. die leben aus sicherheitsgründen,jetzt im fraccionamiento.
    das ist die crux von mexico, die frage der sicherheit, aber downtown detroit, ist es auch nicht sicher, also ist jeder selbst angehalten was er für sicherheit investiert.

    • Meinst Du mit „bay“ die Bahía? Ich kann nicht genau beurteilen, wie streng manche fraccionamientos ihre Regeln setzen – und ¿auch einhalten? Aber ganz ohne Regeln kommen wir Menschen eben nicht aus.
      Vergitterte Fenster sind mir ein Graus! Ist ja ein Leben wie im Käfig.

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