Piñatas

Zu vielen Fiestas werden sie aufgehängt, aber zu den Posadas ,   den Feiern während der Adventszeit, sind sie ein absolutes Muss: die Piñatas. Bunt, glitzernd, fantasievoll oder in Form eines Lammes  und vor allem gross sollen sie sein, diese ‚Wundertüten‘  aus Pappmachée, eine Tonschale voll mit Bonbons, Früchten, Nüssen, Süssigkeiten, kleinen Spielsachen,  darin versteckt.

Piñatas werden an die Zimmerdecke, das Balkongeländer oder auch an einen Ast gehängt. Während ein Erwachsener die Piñata hin und her schaukelt, versuchen die Kids mit verbundenen Augen die Piñata mit langen Stöcken zu zerschlagen um an die Süssigkeiten heran zu kommen. Und dabei singen die Kinder

Dale, dale, dale,
No pierdes el tino,
Porque si lo pierdes,
pierdes el camino!

(Schlag sie, schlag sie, Verlier nicht dein Ziel, wenn du es verlierst, verirrst du dich auf dem Weg)

Piñatas, Los Arcos am Malecon Puerto Vallarta

Die ersten Piñatas wurden im 16. Jahrhundert aus Europa nach Mexiko gebracht. Aber die Azteken hatten damals schon eine ähnliche Tradition: Mitte Dezember hatte ihr Gott  Huitzilopochtli Geburtstag.  Die Priester fertigten damals Tonschüsseln, füllten sie mit Schmuckstücken und dekorierten sie mit Federn. Dann wurden diese Schalen ebenfalls mit Stöcken zerschlagen, so dass die Schmuckgaben vor Huitzilopochtlis Füsse (einer Statue oder Bild) als Opfergaber fielen.

Die Maya verwendeten bei Feierlichkeiten eine Piñata, die der heutigen gar nicht unähnlich ist.

Mit der  Konquista kam auch die katholische Kirche nach Mexiko und die traditionellen, heidnischen Gebräuche mussten natürlich entweder weichen oder adaptiert oder eben „angemessen“ interpretiert werden. Und so legte die Kirche das Zerschlagen der Piñatas als den Kampf der Menschen gegen die Versuchung aus. Die traditionellen Piñatas hatten die Form eines siebenzackigen Sternes, welche als die sieben Todsünden ausgelegt wurden. Die Tonschale bedeutete das Böse, die Früchte und Leckereien darin als die Versuchung des Bösen. Die Person, die mit verbundenen Augen die Piñata zerschlug repräsentierte den Glauben, das Schwingen der Piñata und die Gesänge standen für die Verwirrung, welche die Versuchung des Bösen verursachte.

 

 

 

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16 Kommentare zu “Piñatas

  1. danke für die erklärung, kenne die pinatas seit 25 jahren habe dies unter heidnische gebräuche bei mir abgetan ( indianer versteht man nicht)

  2. Das ist ja mal wieder interessant. Diese Parallelität der Mythen und Rituale. Ich habe gerade bei wikipedia gelesen, dass die Spanier die Pineta aus China eingeführt haben…

  3. Oh, das ist interessant. Ich war grad bei meinen Cousinen, deren eine mit einem Peruaner zusammen gelebt hat. Da habe ich schon viel über Bräuche und Sitten auf diesem Teil der Erde gelernt. Es ist spannend zu sehen, wie die Kirche die heidnischen Bräuche integriert hat. Und dort wo es keine Reformation gab werden diese immer noch bunt und fröhlich gefeiert. Danke für die Infos und die schönen Fotos!

  4. Das Bild ist wunderschön und ich muß gestehen, ich wußte bisher nichts um die eigentliche Bedeutung der Pinatas (krieg‘ leider die Tilde nicht hin). Ich dachte immer, das wäre eine lustige Geschichte für Parties. Und wieder dazu gelernt!

    Liebe Grüße!

    • Huitzilopochtli heisst übersetzt ‚Kolibri linkshändig‘. Jetzt dürfen wir raten, ob er linkshändig war, oder nur einen Kolibri in der Linken hielt?
      Seh‘ schon: Du bist urlaubsreif!

  5. Ich hoffe, dass die Kinder frei sind von den komplizierten Auslegungen der Kirche und sich diese Leckereien unbeschwert schmecken lassen. – die Spitzen erinnern mich an kleine Zuckertüten.
    LG von Clara

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