Was ich schon immer über Tequila wissen wollte

Das Hochland von Jalisco, einige Gebiete in den Bundesstaaten Nayarit, Guanajuato, Michoacán und Tamaulipas liefern den Grundstoff für echten Tequila: die Blaue Agave. Rund  sieben Jahre lang müssen die Pflanzen wachsen, um den richtigen Zuckergehalt aufzubauen.  Bei der Ernte werden die langen, harten Schwertblätter abgehackt, übrig bleibt die Pina, die oberirdische Knolle der Agave, die bis 40 Kilo schwer sein kann.

pinas der Agave Pflanze by Vallartina

In der Destillerie „Siete Leguas“, ein Familienbetrieb der erstmalig  Anfangs der 1900er Jahre produzierte, und seit 1952 unter diesem Namen firmiert konnte ich mir anschauen wie Tequila gemacht wird. Siete Leguas, in deutsch Sieben Meilen,  hiess das Pferd Pancho Villas, den der Begründer der Tequila-Destillerie sehr verehrte.

Pancho Villa auf 7 Leguas, Bodega der Casa de 7 Leguas, Atotonilco by Vallartina

Dieses Bild von Pancho Villa schenkte dessen Witwe an Don Ignacio Gonzáles Vargas, Gründer der heutigen Casa 7 Leguas mit einer persönlichen Widmung:

Widmung für Don Ignacio Gonzáles Vargas Foto:Vallartina

 

Die pinas werden bei Anlieferung in der Destillerie

Garofen für Pinas by Vallartina

auf ihren Zuckergehalt und ihre Reife geprüft. Diese schweren, mächtigen  Knollen werden längs halbiert, der innerste Strunk entfernt.  Nun  werden die pinas  in grosse Öfen gestapelt, sie werden dampfgegart.

Neben diesen Öfen herrscht ein zucker- oder sirup-süsser Geruch, und tatsächlich, wenn die pinas etwas abgekühlt sind, kann man sogar die Pflanzenfasern naschen: eine leicht herbe Süsse, ein bisschen wie Ahornsyrup oder dunkler Waldhonig; lecker!

Jetzt müssen die pinas zerkleinert und ihr Zuckersaft heraus gequetscht werden. Heutzutage erfolgt dies per Fliessbandbestückung in mehrere hintereinander geschaltete Schredder- und Mahlwerke. Früher erledigten dies Mulis, Esel oder Arbeitspferde in der pina-Mühle, der tahona.

Zerkleinern der Pinas by Vallartina

Der aufgefangene Saft kann nun in die enormen Gärbehälter gepumpt werden, dort fermentiert  er  12, 14 Tage, je nach Zuckergehalt und bildet Alkohol.

Tequila - Fermentierungsbehälter, 7 Leguas by Vallartina

Bis hierher roch es überall nach diesem herb-süssen Sirup, sehr angenehm. Aber es ging nun zur ersten Destillation. In Kupferkesseln wird der Saft erhitzt, der klare Tequila läuft aus kleinen Röhrchen in den Behälter für die zweite Destillation. Und genau hier stieg mir der Schnapsgeruch ordentlich zu Kopfe – kann man allein von Alkohol-Geruch einen Rausch bekommen?

Tequila - Destillation, 7 Leguas by Vallartina

Ich stand noch tapfer den Gang zur zweiten Destillation durch. Das erste Destillat ist glasklar, riecht aber sehr scharf, kein Wunder bei einem Alkoholgehalt um die 55 Prozent! Nach der zweiten Destillation zeigt der Tequila eine goldene Farbe, sein Duft ist angenehmer. Wenn er in Flaschen abgefüllt wird, hat er um die 38 %Vol.

Oder er landet in Holzfässern, lagert dort mindestens ein paar Monate  und wird dann zum „Reposado“,  ( abgelagert). Ein  besonderer Tequila ist der „Añejo“, lange in Holzfässern gelagert, wobei es hier noch keine bindenden Vorschriften wie etwa beim Wein gibt.

Das Hi-light unter den Tequilas ist jedoch der  „D‘Antaño“ – 5 Jahre muss ein guter Tequila in Eichenfässern ruhen, bevor er diesen Namen tragen darf.

Am Ende der Besichtigungstour hielt ich mich noch kurz in der Bodega auf, umgeben von unzähligen Holzfässern, in denen  „Reposado“ und „Añejo“  reiften – da war ich dann restlos überzeugt, dass alleine der Duft von Tequila berauschend ist! (alle anschliessenden Fotos total verwackelt!)

Ein besonders schönes Detail in dieser Bodega der Firma 7 Leguas ist der Familien-Stammbaum, in Form von Tequila-Fässern, die Namen der Ahnen eingeschnitzt: (alle Bilder zum Vergrössern anklicken)

Die bodega bei 7 Leguas - Stammbaum in Fassform by Vallartina

 

Vielen Dank an die Mitarbeiter von 7 Leguas für die ausführliche Besichtigungstour und die detaillierten Erläuterungen zu ihrem sehr schönen, liebevoll gestalteten und perfekt  gepflegten Betrieb und zum Thema Tequila 100 % Agave.

Webseite:    7 Leguas

Weitere Links:

Tequila – Stadt, Jalisco

Tequila, der Schnaps

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27 Kommentare zu “Was ich schon immer über Tequila wissen wollte

  1. Hat dies auf Germanys next Kabinettsküche rebloggt und kommentierte:
     
    ~¤٠※ʚįɞ•☼•ʚįɞ※٠¤~
     
    Sommerpostkarten (105)
     
    ~¤٠※ʚįɞ•☼•ʚįɞ※٠¤~
     
    In Schweden fließt seit gestern der Aquavit in Strömen, anders ist Surströmming (❦ 228) wohl auch nur halb so ‚lecker‘. Statt Aquavit Tequila dazu zu trinken, wäre ein interkulturelles Gastroexperiment. Salz und Zitrone machen dann den Unterschied. Vallartina hat einmal in der Tequila-Destillerie „Siete Leguas“ gesehen, wie Tequila gemacht wird. Dies ist nicht nur für Fans des Mezcals spannend und informativ. Liebe Vallartina, genieße den herrlichen Sommertag vielleicht bei einem Tequila Sunrise, einem Mexicana oder Tampico. Oder vielleicht doch lieber einen Tequila Sour, Numero Uno oder eine Strawberry Margarita? Ich würde auch einen Zorro, eine Sangrita oder eine einfache Margarita nehmen. Du siehst, ich mag Cocktails und hier ist heute ein guter Tag dafür. Liebe Grüße zu Dir von hier aus, Deine Social Secretary
     
    ~¤٠※ʚįɞ•☼•ʚįɞ※٠¤~
     

  2. Pingback: Mike und Irma on MexikoTour 2012 Teil 5 | Que Onda?

    • Liebe Basundhara, leider ist Dein Kommentar zunächst als „Anonym“ bei mir eingegangen und prompt in den Spams gelandet. Deswegen wurdest Du wohl auch in die „Moderationsliste“ geschickt! Entschuldige dies bitte. Ich glaube nicht, dass es an meinen Einstellungen für Kommentare liegt, denn ich lese ähnliche Probleme bei anderen befreundeten Bloggern. Und die haben scheinbar auch keine Patentlösung dieses Problem zu beheben.

      Tequila? Ich brauche ihn nicht zu trinken: einmal daran riechen benebelt mich genug!
      GLG

  3. Das war eine sehr interessante Tour! Ich muß gestehen, daß ich dem Tequila bisher nie etwas abgewinnen konnte. Ich kenne auch nur die hier handelsübliche Sorte. Einmal probiert und für nicht wirklich gut befunden. Aber wie du geschrieben hast, gibt es Qualitätsunterschiede. Kann man die wirklich schmecken? Hast du dich da durch getestet? Hattest du jemanden zum Tragen dabei? *g

    Viele liebe Grüße!

  4. Genau das ist es, was ich schon immer mal über Tequila wissen wollte! Aus Agavenstrünken wird er gemacht? Das war mir völlig neu. Danke für die kurzweiligen, interessanten Erläuterungen und die schönen Fotos. Ja, ich habe schon mal Tequila getrunken, aber ich glaube nicht, dass dies mein Lieblingsgetränk werden würde.
    LG von Rosie

    • Da bist Du in bester Damengesellschaft, Rosie. Nicht umsonst nennt man solche Flüssigkeiten „Rachenputzer“…
      Aber mal ganz anders: früher hat man aus Naturstoffen gewonnene Farben mit Tequila konserviert…. sagt man. Soll die Farben intensiviert und konserviert haben.
      LG

  5. super, was ich so alles bei dir erfahre, vielen dank fuer den interssanten bericht mit den tollen, noch scharfen fotos 😉 ich haette nie gedacht, dass tequila aus agavensaft gemacht wird!
    liebe gruesse

    • Ich hatte mich eigentlich auch eher dafür interessiert, wo Schokolade herkommt, als Schnaps. Aber es war trotzdem sehr interessant, mal so eine Besichtigung zu machen.
      Grüsse nach Argentinien!

  6. Ich bin zwar an sich kein Tequila-Trinker, aber dein Post über dessen Geschichte und Herstellung ist sehr, sehr interessant! Ich danke dir dafür! 😀
    Und ja, man kann von alkoholhaltigen Dämpfen „einen im Tee“ bekommen. 😉
    Herzliche Grüße!

      • Ganz früher, als ich so um die Zwanzig war und das Servieren noch lernte, hab‘ ich in einer alteingesessenen Wirtschaft in meiner Heimat Berchtesgaden gearbeitet. So einmal im Monat bekamen wir etliche Fünf-Liter-Kanister mit Enzianschnaps von der Brennerei Grassl. Und die hochprozentigen Tropfen mussten in Flaschen umgefüllt werden, damit man sie besser ausschenken konnte. Meine Aufgabe dabei war es, den Trichter zu halten. Diese Aktion fand zumeist in den frühen Vormittagsstunden statt – und danach hatte ich stets dermaßen „den Kanal voll“, dass ich für nix mehr zu gebrauchen gewesen bin. Weil mir die Enzian-Dämpfe dermaßen ins Gebein und Hirn gefahren sind. 😉
        Herzliche Grüße!

  7. super bericht, ich nehme an das der spruch“ das leben ist viel zu kurz um schlechten tequila zu trinken“ irgendwie dort in 7 leguas seine herkunft oder bestimmung hatte.
    atotonilco steht jetzt bei mir ganz oben auf der nächsten reise durch jalisco

  8. Das wusste ich ja noch gar nicht. Bin allerdings auch keine Tequila-Trinkerin. Die Destillerie sieht so modern aus, aber die Knollen werden noch mit Eselkraft zerkleinert, das ist skurril. Danke für den interessanten Bericht. LG

    • Die Esel taten früher mal Dienst, zwischenzeitlich sind die in Rente und Maschinen erledigen das. Bei 7 Leguas hat mal sich alle Mühe gegeben, neugierigen Besuchern wie mir auch zu zeigen, wie es früher mal war.
      (Ehrlich gesagt: ich hab noch nie Tequila probiert! So harte Dingers schmecken mir bestimmt nicht!)
      LG

    • Ich war wirklich kurz vor dem Schwebezustand! Irgendwie benebelt, sozusagen. Die verwackelten Fotos aus der sehr stimmungsvollen Bodega kann ich wirklich nicht veröffentlichen, sehr schade!
      LG

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