Buenas vibras

Ja, doch! Es gibt sie, die good vibrations! Ich hätte sie zwar nie als good vibrations bezeichnet, bin ich doch kein richtiger 68er. Eher hätte ich diese „buenas vibras“ als „angekommen“ tituliert.

„Angekommen“ fand ich mich sofort nach der ersten Landung und der ersten nächtlichen Taxi-Fahrt  in Puerto Vallarta. Und weil ich „angekommen“ war, blieb ich da auch.

„Angekommen“ fühlte ich mich auch nach einer kürzlichen stundenlangen Autofahrt von der Pazifikküste durch die steilen Berghänge der westlichen Sierra Madre hoch in die grosszügigen Weiten der Hochebenen der Sierra, in einem kleinen Dorf namens Santa Elena. Ein Örtchen, in dem es gefühlte 2000 Pferde und gefühlte 100 Einwohner gibt.

mein Haus, mein Gaul, meine Ranch by vallartina

Alte Erinnerungen an Fahrten von München nach Bad Tölz oder von Salzburg nach Mondsee wurden wach. Rinder, Felder, Mais. Agaven! Also doch nicht Voralpenland?

Sierra Madre Occ. Agave Felder by vallartina

Die unbefestigte Strasse mit unglaublichen Schlaglöchern zu unserer Unterkunft wäre ein perfektes Testgelände für 4-Rad-Antriebler, genauso gut ein hartes Training für Rallye-Fahrer. Irgendwie kamen wir durch, passierten  zwangsläufig (in Mexico) den  Zocalo samt Kirche eines Dorfes,  Santa Elena. Scharf links ging’s weiter, vorbei an Pferdekoppeln, an Kühen, die uns erstaunt anschauten, noch eine scharfe Kurve

Charly’s by vallartina

und dann waren wir bei Charly gelandet.

Charly, der famose Schweizer, der nach langer Reise, vielleicht der  Reise nach der Suche seines Seins,  auch „angekommen“ war. In Santa Elena. Vor gut zwanzig Jahren. Er wird mir ein Mythos bleiben: Charly war nicht da! Er war back home in der Schweiz auf Urlaub. Schade, ich hätte ihn gerne kennengelernt, diesen Typen, der scheinbar aus dem Bauch heraus in der zweiten Hälfte seiner zwanziger Jahre durch Mexiko tourte und einen anderen Schweizer traf, welcher heute der Boss einer  imposanten Mehlmühle ist, Hirse anpflanzt und mexikanischer ist als mancher Mexikaner. ‚Mehl-Fix‘  war bereits etabliert, bot Charly Grund und Boden an und Charly wurde sesshaft.

Nicht, dass er sich nur hinsetzte, nein. Charly hatte zwar nicht viel in der Tasche, aber er fing an, ein Häuschen zu bauen. Eine Kneipe. Daraus wurde ein Restaurant, es kamen nach und nach Bungalows, eine Frau, Kinder, viele Freunde, viele Kunden hinzu. Und Vallartina samt Don Vallartino. Die eben just beim Betreten des Charlyschen Bodens das „Angekommen-Feeling“ hatten.

Ja, ich kann es nicht anders bezeichnen! Es ist so ein Gefühl von Schuhe ausziehen, Füsse hochlegen, no makeup, no nothing, just enjoy, also auf gut deutsch: relax!

Und das kann man dort. Echt. Vergessen wir mal die Bungalows. Klar, sie sind grosszügig, kleine Küche, Wohnzimmer, Schlafzimmer, grosses Bad. Vergessen wir, dass man keine Klimaanlage, selbst im August, braucht, um bei milden Temperaturen gut schlafen zu können (für guëros von der Pazifikküste ein absoluter Luxus!). Vergessen wir, dass es dort keinen Verkehrslärm gibt – Sackgasse, da fährt keine S.. Menschenseele. Vergiss auch den Blick hügelaufwärts, hügelabwärts, ist ja eh nur Natur, keine Monumente, Hochhäuser, Lichter, Meerblick und so.  Nah, irgendwie kann man das nicht sehen.

Aber man kann es fühlen. Es ist weich, es atmet sich gut, es riecht weit, es hört sich gut an, es tut der Haut gut, es tut der Seele gut. Ich kenne den Spruch „die Seele baumeln lassen“. So titulierte es  immer ein guter Bekannter, wenn er nach harten Arbeitswochen zu seinem Haus auf Sylt fuhr, 10 Tage lang auf einer Düne sass und in die See guckte – 10 Tage lang, so sagte mir seine Frau, ohne ein einziges Wort zu sprechen. Nein. Hier baumelt die Seele nicht!  Hier wird sie verdammt gesprächig! Und zwar beim Abendessen. Kleine Häppchen, pikant, schmackig, speichelheischend, nach einem weiteren Bier oder vino fordernd, der Geruch des Holzes, das im Feuer des Grills lodert, eine leichte, angenehme Brise die durch das nach allen Seiten offene Restaurant zieht, lassen selbst die Flips-Flops an den Füssen noch als störend empfinden und den Magen nach carnes!!! nach einem ordentlichen Stück Fleisch von Grill schreien! Und das kommt prompt. Ein Filet, eine handbreit hoch, ein enormes Angus-Beef-Kotelett,  und das Messer zieht durch wie durch weiche Butter!

Charly’s Restaurant, Santa Elena, Black Angus Kotelettes by vallartina

Ein Batzen Fleisch, der noch wie Rindfleisch schmeckt, dieser unverkennbare Duft nach Kraft, nach grünen Weiden, nach freier Natur.

Danach bedarf es nur noch eines wohligen Zurücklehnens,

Charly’s Restaurant, Santa Elena, Jal. Mx by vallartina

eines Tequila, des sich Sacken-Lassens, einfach einer unglaublich zufriedenen Runde im Kreis von Freunden – und das Leben ist sowas von lebenswert! Man plauscht, lacht, sinniert. Am Nebentisch machen die Leute nichts anderes.

Und, da war dieser Hut. Der Hut des Don Juan Manuel O.  –

Aber das ist eine andere Geschichte! >> click

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13 Kommentare zu “Buenas vibras

  1. Pingback: Vom Pazifik über das Rückgrat des Teufels in die Sierra Gorda Teil 4 | Toefli-Mike

  2. Pingback: Mike und Irma on MexikoTour 2012 Teil 5 | Que Onda?

  3. schon allein das lesen ist eine seelenmassage – schön! teilweise klingt der bericht nach tanti und unseren sierras, es soll hier auch schweizer geben 😉
    heute nacht hat es ENDLICH geregnet, der staub ist für ein paar tage weg.
    liebe grüße

  4. war das die motorrad tour von mike? denn von da habe ich von charly gehört, muss unbedingt auch noch dahin, aber packt das ein atos?:-)
    generell, mexico hat alles
    klima: von Xminus graden bis 40°C
    höhen: von 0m / seehöhe bis über 6000m
    landschaft: von dschungel über berge bis wüsten
    ähnliches kann ich nur von china behaupten
    der herrgott hat sein füllhorn ausgeleert über mexico

  5. Schöne Landschaft, gutes Essen, Pferde, einen netten Plausch mit Freunden – das hört sich doch fast nach Paradies auf Erden an. Ich bin auch nur ein ganz ganz bisschen neidisch :-). Liebe Grüße

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