Mexico matters Update 7.7.2011

Wir alle wissen, oder ahnen zumindest, welche Macht die Presse ausüben kann.

In den letzten Monaten häufen sich Artikel in bestimmten US-Medien, die ganz direkt darauf abzielen, Mexico insgesamt, vor allem aber als Reiseziel in denkbar schlechtes Licht zu rücken. Nicht selten sind diese Artikel mit einer Umfrage verbunden, deren Fragestellung sowie die Auswahl-Antworten nicht gerade als neutral bezeichnet werden können. Erst vor wenigen Tagen führte solch ein Artikel mit Umfrage dazu, vorerst 3 Kreuzfahrten  einer Cruise-Line nach Puerto Vallarta zu annullieren, da die Lage im Land unsicher sei.

Die Hintergründe solchen Aktionismus sind durchschaubar. Jeder versteht, dass im Business mit harten Bandagen gekämpft wird, je knapper die Ertragslage, desto härter, aber bitte qualifiziert!

Seit heute läuft eine Unterschriften-Sammlung für eine Petition an mehrere Vorstände der wichtigsten US-Print und Media-Agenturen mit der Aufforderung, diese reisserische, schädliche Berichterstattung über Mexiko zu beenden um wieder ein gesundes nachbarschaftliches Verhältnis zwischen beiden Ländern herzustellen.

Mexico Matters

By Jesus Alberto Reyes Garcia (Contact)

To be delivered to: Roger Ailes, President of the Fox News Channel, Ken Jautz, President of CNN (Cable News Network), Phil Griffin, Presidents of MSNBC and Anne Sweeney, President of ABC News

“Moderate the US media’s sensationalistic and damaging reporting on Mexico to promote a healthier relationship between these important neighboring countries.”

The reputation and image of Mexico is under attack by a negative corporate media campaign focusing almost exclusively on drug violence and US immigration issues. Relentless coverage of these problems is only increasing xenophobia, stoking racism, polarizing politicians, ruining international commerce, and imperiling the relationship between the US and Mexico. The world needs to hear the positive news of Mexico–which vastly eclipses the negative in relevance but not in coverage–to inspire these countries to work together to solve their mutual problems.

Ausführlicher Aufruf zur Petition hier:

http://signon.org/sign/mexico-matters?source=s.em.mt&r_by=346326

 

Bis heute haben sich mehr als 3500 Befürworter dieser Petition namentlich und mit Anschrift eingetragen.

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10 Kommentare zu “Mexico matters Update 7.7.2011

  1. Um ehrlich zu sein: Mir fallen zu *Mexiko* auch nur noch Banden- / Drogenkriege ein, etwas anderes bekommt man in den Medien (Arte, Weltspiegel, Die Zeit) nicht mehr präsentiert. Illigale Einwanderung in die USA und Armut habe ich vergessen; Positivnachrichten bekomme ich wie medienkanzler nur über dein Blog mit.

    • Genau dies ist der Punkt. Journalismus sollte mehr Anspruch haben, als Tickermeldungen von AP, AFP, CNN, Fox etc zu übersetzen und weiter zu veröffentlichen. Guter Journalismus recherchiert in die Tiefe. Und das findet bzgl. Mexiko nicht mehr statt, ist ja schliesslich auch schlagzeilenträchtiger, über Mord, Mafia und Gewalt zu berichten. Aber vielleicht ist es gar schon so weit, dass die breite Öffentlichkeit gar nicht mehr fordert? Kann ich mir nicht vorstellen.
      Danke für Deinen Besuch und Kommentar. Ich hoffe, Du kommst mal wieder vorbei, um über das wirkliche, alltägliche mexikanische Leben zu lesen.
      LG

  2. Die Realität ist eine Sache, ihre Interpretation durch die Medien eine andere. Und es steht jedem Unternehmen frei, Kreuzfahrten umzudirigieren. Das Image Mexikos als touristische Destination leidet unter der unsäglichen Gewaltspirale, auch das ist meines Erachtens nachvollziehbar. Leider bekommen das Orte, die sehr stark vom Tourismus abhängen, die Folgen als erste zu spüren. Aber ich schiebe die Schuld nicht auf bestimmte US-Medien, ihre Art der Berichterstattung oder gar wirtschaftliche Interessen.

    Gibt es denn wirklich gute Nachrichten oder Ereignisse in den letzten Monaten oder Jahren? Ich sehe keine, sportliche Erfolge (und auch die nur sehr sporadisch) mal abgesehen. Aber wen, ausser die Mexikaner selbst, interessiert es denn das die „Copa de Oro“ gewonnen wurde?

    Solange die eigentliche Problematik (Waffenhandel, Drogenhandel, Mafia, staatliche Korruption und Geldwäsche) mit unzureichenden und die Situation eher verschlimmerden Mitteln lauwarm angegegangen werden, solange ein Land dem anderen den schwarzen Peter zuschiebt, solange wird das Grundproblem nur lamentiert aber nicht angegeangen.

    Mexiko ein „failed state“ ? Nein, gewiss nicht, die grossen, multinationalen Unternehmen verdienen prächtig, investieren eifrig (VW mit ihrer Motorenfabrik in Silao Guanajuato ist ein gutes Beispiel) und kommen mit der fatalen Sicherheitssituation gut zurecht. Eine Paralellgesellschaft, die sich bestens in Mexiko etabliert hat.

    Die Folgen dieser desaströsen Politik baden die Menschen aus, die an der Basis der Pyramide stehen. Ich selbst habe mein Leben dem status quo angepasst, meide „no-go zones“ halte geplante Investitionen in der Landwirtschaft zurück, aus Angst „aufzufallen“ und zum Opfer der bekannten Mechanismen wie Schutzgelderpressung, Entführung und in letzter Konsequenz de physischen Liquidierung zu entgehen. Das ist meine Realität.

    Ich blogge viel über Mexiko, vermeide es aber wissentlich den Bürgerkrieg und die Barbarie die sich täglich vor meinen Augen abspielt zu thematisieren. Ich möchte mich nicht in einem Bereich, den ich als mein Hobby betrachte, mit diesen schrecklichen Dingen auseinadersetzen. Das machen ja die traditionellen Medien zur Genüge. Es ist abschreckend genug.

    Ich kann die Kreuzfahrtfirma vollkommen verstehen wenn sie die „mexikanische Riviera“ meiden. Es gibt andere Destinationen.

    • Das Wichtigste mal gleich vorweg: “Bürgerkrieg“ definiert sich ganz anders als der derzeitige Status Quo in Mexico. Du meintest sicher „Drogenkrieg“.
      Niemand kann diesen Krieg der Kartelle verleugnen. Viele sehen die staatlichen, militärischen Einsätze gegen diesen Drogenkrieg mit gemischten Gefühlen, meint man doch, diese Vorgehensweise sei der Grund für die Eskalationen der vergangenen Jahre. Ich würde das etwas differenzierter betrachten. Die Machtstrukturen innerhalb der kriminiellen Kartelle haben sich verschoben, neue Gangs sind entstanden, alle wollen den grössten Teil am Kuchen, mit aller Gewalt. Dieser Wahnsinn spielt sich auf mexikanischem Boden ab und hört – wenn man den US-Medien glauben soll – direkt am grossen Grenzzaun zu den USA auf. Hört der öffentlich wahrnehmbare Drogenkrieg auf, sollte ich besser schreiben.
      Ab dort alles eitel Sonnenschein? Keine Grabenkämpfe um die beste Positionierung? Um die besten Verteilerwege, um Millionen Dollars? Findet wenige Meter nördlich der Grenze kein Drogenhandel statt? Ist dort Drogenhandel legal? Warum gibt es keine Razzien, Verhaftungen von Grosschiebern in den States? War da mal was in der Presse/TV? Gibt es am Ende gar keinen illegalen Drogenhandel in den USA? Aber warum werden diese Massen an div. Drogen nach Norden, in die USA verbracht? Kühlschränke an Eskimos verkaufen? Weil eben dort die Grossabnehmer sitzen. Weil dort direkt an der Grenze die Administratoren, Logistiker, Waffenlieferanten und Geldwechsler für die Narcos sitzen. Warum aber hört und liest man nie von harten Massnahmen gegen den Drogenhandel, die Waffenverschieberei hinter dem US-seitigen Grenzzaun? Wie hoch ist eigentlich der volkswirtschaftliche Anteil dieses Drogenhandels resp. der Kapitalfluss ? Ist die Bedrohung durch illegale Einwanderer tatsächlich verheerender als die durch harte Narkotika?
      Je schlechter es einem geht, umso tröstlicher ist es doch, über andere zu reden, herzuziehen, denen es noch dreckiger geht! Gibt es eigene Probleme, so schaffe Probleme, über die sich Tom Dick und Harry aufregen können, aber schaffe sie beim Nachbarn, in einem anderen Land. Gibt dem Volk ein Ventil, über das es Dampf ablassen kann! Es muss nur beständig und breitgestreut allgegenwärtig sein, dann klappt das auch mit dem Teppich für die massiven Hausprobleme. Stemple ein ganzes Volk als – !!HALT!! Das ist billig und unqualifiziert.

      • Ich verwende den Begriff so wie er im Duden steht:

        Bürgerkrieg: Zwischen verschiedenen [politischen] Gruppen innerhalb der eigenen Staatsgrenzen ausgetragene bewaffnete Auseinandersetzung.

        Die Problematik ist viel zu komplex um von den traditionellen Medien auch nur annähernd in seiner ganzen Breite erklärt zu werden. Das Fernsehen ist keine Informationsquelle, sondern die genialste Verdummungs- und Propagandamaschinerie, die jemals existiert hat. Ich habe deshalb keinen Empfänger zu Hause. Gerne sende ich dir meine Gedanken per E-Mail, die Kommentarfunktion ist ungeeignet sich darüber auszutauschen.

        • Ich habe grundsätzlich kein Problem, mich über dieses Thema in aller Öffentlichkeit auszulassen. Dies hat einen sehr einfachen Grund: Ich will und werde explizit mich, auch im Namen meines Gatten und meines erwachsenen Sohnes, auf die Seite meiner mir in den letzten 3 1/2 Jahren lieb gewordenen Nachbarn stellen. Du solltest wissen, dass dies für mich äusserst ungewöhnlich ist, sprich, als Ausländer im Ausland Partei zu ergreifen. Aber, diese Menschen rund um uns hier in der Bahía haben meinen/unseren vollsten Respekt, unsere Freundschaft, unsere Anteilnahme. Nach unserem Leben in 7 Ländern auf 3 Kontinenten fühlten wir uns noch nie so zuhause, so uneingeschränkt willkommen, und nicht zuletzt so integriert wie hier. Wir kamen aus absolut freien Stücken in dieses Land, wir haben jederzeit die Möglichkeit einschränkungslos weiter zu migrieren, allein: wir wollen es nicht. Wir sehen bis dato keine Veranlassung, Koffer zu packen und ein neues Land zu suchen. Wir wüssten im Moment auch keines, für unsere Lebenssituation und Erwartung. Wir haben aber in der Vergangenheit ganz andere Erfahrungen gemacht, in einem anderen Land, in Afrika, welches heute im Umbruch in eine unsichere Zukunft ist. Dort war nach einem halben Jahr klar: nix wie weg! Niemand weiss, was die Zukunft bringt. Aber wir wissen, dass wir hier an einem sehr guten Platz leben. Mitten in Mexiko, trotzdem ein liebens- und lebenswerter Platz! Und meine Lebenserfahrung hat mich gelehrt: jeder Platz auf dieser Welt ist immer nur so gut, wie die Menschen, die ihn bewohnen. Und hier wohnen eben u.Ea. die Menschen, mit denen wir gemeinsam sehr gerne weiter in guter Nachbarschaft leben möchten, wissend, diese Nachbarn akzeptieren uns Ausländer sehr gerne.

          Aber, selbstverständlich, jederzeit auch gerne Gedankenaustausch per E-mail. Nur, Don Mexgeschichten, ich glaube, dass meine Leser auch Deine Ein- und Ansichten interessiert, denn schliesslich bist Du einer der „alten“ Hasen hier, kannst viel Wissen und Lebenserfahrung eines Insiders aus der Hauptstadt beitragen.
          Wie auch immer Du willst! ¡A sus ordenes! Ich freue mich auf rege „Gespräche“ selbst wenn sie online stattfinden! Immer eine Bereicherung, Du weisst, ich schätze Deine Aufschriebe.

          So, jetzt leg los! Denn wäre dieses pinche foro nicht so ching… gemanaged, hätten wir dies die letzten zwei Jahre regelmässig gehabt! Hijo de…
          (Hast Du es nicht auch vermisst?)

  3. Auch wenn die Berichterstattung in Europa vielleicht etwas weniger reißerisch ist, so bekommt man auch hier vor allem das Bild von einem „Failing State“ vermittelt. Man hört nur von Drogenkriegen, illegaler Migration, Terror, Toten und Entführungen. Positive Nachrichten dringen kaum bis hierher durch. Erst durch Dein Blog lerne ich das Land von einer ganz anderen Seite kennen. Das macht Lust auf mehr!

    • Mexiko und seine Menschen sind wesentlich vielfältiger und liebenswerter als man glauben gemacht wird! Und viele deutsche Schlagzeilen haben die gleiche Quelle.
      Danke für Deinen Kommentar, bestätigt er mir doch, dass ich mit meinen bescheidenen Mitteln wenigstens eine Person für dieses Land, für meine Nachbarn, positiv stimmen konnte.

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