Der Tsunami der hier keiner war

Als gestern alle Medien rund um die Bahía de Banderas  alias Banderas Bay vorsorglich eine Vorwarnung auf einen Tsunami als Folge des Mega-Bebens in Japan veröffentlichten, liefen in dieser Bucht alle Drähte heiss! Logisch. Wir wohnen, leben, spazieren, arbeiten, flirten und vergnügen uns alle an diesem Küstenstreifen. Wir sind sicherlich – zumindest die Dauerbewohner dieser Bucht und des Tales nördlich Vallartas – an Regenfluten, Überschwemmungen und wenn es denn sein muss, auch an Hurricanes anpassungsfähig, wir haben alle eine hohe Toleranzschwelle, ABER ein Tsunami! Hohoho! Ja das hat man nicht alle Jahre.

Tsunami Sirene

Na gut: es war ja dies mal nur eine Vorwarnung, dass wir auf eine oder mehrere  hohe Wellen uns einstellen sollten. Alles klar!  Schliesslich wurden hier vor allem in Puerto Vallarta seit knapp zwei  Jahren sog. „Tsunami-Sirenen“ installiert.      Teil eines Frühwarnsystems am Pacific Rim. Wunderbar! Wir durften sogar – einschliesslich der jeweils verweilenden Touristen – an Evakuierungsübungen bei simulierten Tsunami-Warnungen teilnehmen. Zugegeben, jede dieser Übungen ging gründlich   ähhh… naja, daneben. Mal funktionierte die Sirene nicht, anderesmal dachten alle, es wäre ein Feueralarm irgendwo!… oder eine durchgeknallte Auto-Alarmanlage. Also ging keiner zum Evakuierungspunkt. Aber immerhin haben wir die Sirenen.

Diese funktionieren in etwa so wie vorgestern das Notstands-alarm-evakuierungsprogramm bei meinem bevorzugten Supermarkt: Sobald man diesen betritt, wird man von Durchsagen und  Ansagen aller Art von Sonderangeboten beschallt, Anforderungen von Personal an Kasse 1,4,7 und ansonsten kundenverschreckende  Musik, und irgendwann macht man die Ohren zu. So wie ich vorgestern. Eigentlich suchte ich nur noch frische Ingwerwurzeln, als mir ein Angestellter dringendst, händeringendst, nahelegte, den nächstgelegenen Notausgang aufzusuchen. Da hatte ich gerade die knackigen Ingwerwurzeln gefunden, suchte aber noch eine passende Plastiktüte und wurde zwangsevakuiert! Selbst die Ingwerwurzel wurde mir kurz vor dem Verlassen des Dingsmarts noch aus der Hand gerissen! Tja. Da stand ich also nun mit vielen verwunderten, angesäuerten Kunden in der warmen Frühlingssonne auf dem Parkplatz und sollte noch weiter weg vom Gebäude rücken! Nach gefühlten 10 Minuten versuchten die ersten potentiellen Kunden die Eingangsportale zu stürmen: das Sicherheitspersonal griff hart durch! Nach gefühlten 20 Minuten liess ein (1)  Bomberos-Fahrzeug die Feuerwehrsignale in weiter Entfernung erklingen um schliesslich nach gefühlten 40 Minuten und den ersten Schweissflecken unter der Achsel in gemessener Würde und Vollpräsenz am Haupteingang besagten Marktes anzuschleichen. Sicherheitskräfte drückten verzückt ihre Stoppuhren, die Kunden stiessen die Sicherheitskräfte beiseite … und der Run auf die frischen Ingwerwurzeln ging weiter.

Genauso, nicht anders, verhielt es sich mit dem Tsunami-Alarm. Keine schrillen Sirenen. Nachrichten in gedrucken Medien? Nada! Nix! Was muss das Beben auch in Japan zu nachtschlafender Zeit geschehen! Online-Zeitungen? Ja! Hat man! Und wann kam dort die erste Meldung?

Von dort soll er kommen, der Tsunami

 

Ja,hörmal,mankanndochnichtschnellerals die(Foto)zeitungsein, oder????

Aber! Aber! Wir haben hier ja Gottseidank! die Ausländer! Eine Stunde vor Aufprallen der Tsunamiwelle informierten alle Ami-Foren, „von Japan kommt Wasser! Aufgepasst!“ Keine 10 Minuten später die Alarmmeldung in den dito-Foren: „Flughafen Vallartas wegen Tsunami gesperrt“ und von der Frauenvereinigung von Northoftheborder: „Totales Zigarettenverbot in ganz Vallarta!“ Die hartgesottenen Dauerbewohner der Altstadt-Vallartas konterten: „Kneipentour heute mittag am Malecon wg. Tsunami-Beobachtung, vollständige Anwesenheit  erforderlich!“ Nun kam noch die englischsprachige Mexi-Community auf volle Touren: „hier in der Bahía sind Tsunamis verboten! Gibtsnix!“

Warte! Bald kommt er!

 

Und während die US-Dauerurlauber noch am Malecon und an der Playa de los Muertos tapfer die Margaritas hochhielt, verlautete aus der kanadischen Ecke um 4 Uhr nachmittags, als die Welle längst Panama und Ecuador und Kolumbien passiert hatte: „Wir fordern alle kanadischen Staatsangehörigen auf, die küstennahen Gebiete Mexikos umgehend zu verlassen!“

Worauf die Amis noch einen Tequila hinterherschütteten! Prost!

Und heute? Margarita as usual! Let’s surf!

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2 Kommentare zu “Der Tsunami der hier keiner war

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