Den Nippel durch die Lasche ziehn

Nichts ist einfacher, als einen Einarm-Mischhebel an der Küchenspüle auszutauschen, da war ich mir ganz sicher! Kürzlich schoss der schwenkbare Bügel meines Wasserhahnes an der Küchenspüle wie eine Rakete senkrecht zur Decke als ich beim Gemüse waschen war. Ich habe ihn wieder eingeschraubt, seitdem leckte er aber. Da kam mir ein neu eröffnetes Fachgeschäft mit wirklich todschicken Kücheneinrichtungen und Zubehör gerade recht. Nix wie rein in den Laden und schon sehe ich das Prachtstück vor mir: ein imposantes  Edelstahlstück, matt-gebürstet, hoher, mit Spirale versehener schwenk- und ausziehbarer Spülkopf, ein Meisterstück made in Germany! Alles klar, das Ding gekauft.

Ich lag schon mehr als eine Stunde unter dem Spülbecken im Küchenschrank, schwitze, fluchte, flehte, klopfte, schraubte – die Wasserzuleitungen liessen sich nicht an die Wandauslässe anschrauben. Der Verkäufte hatte aber doch gesagt, nur draufschrauben…

Ein plomero, ein Installateur musste schnell her! Drei Häuser weiter, so erinnerte ich mich, schliessen die Arbeiter gerade die Swimmingpool-Leitungen an. Ich also dort hin. Klar, er würde gleich mit mir kommen, so’n Wasserhahn, ha! Kleinkram. Nun, als dieser plomero zwischen Unterschranktüren, Spülbecken und Syphon wie ein  erschlagener Frosch festklemmte, dachte ich mir … Einige Flüche wie ‚ching…‘ und ‚hijo de….‘ (ich sollte das besser nicht übersetzen) später hatte ich nasse Füsse aber meine innere Stimme sagte mir nichts. Er schaffte es irgendwie aus dem Schrank zu kriechen. Sein Kollege musste her. Eine Stunde später waren 2 plomeros in den Unterschränken am Machen, ein Nachbar hing über den Küchentresen und gab fachmännische Instruktionen, ein anderer Nachbar, seines Zeichens Architekt, sass an der Frühstückstheke und fragte telefonisch beim Küchenladen nach, ob man sicher sein könnte, dass dieses deutsche Teil in puncto Masshaltigkeit auch zuverlässig sei und ich wischte eimerweise Wasser aus meiner Küche und da sagte mir meine innere Stimme „bist deppert!  Gewindesteigung oder Grad oder so was ähnliches – da war doch mal was?“

Ganz schüchtern fragte ich die zwischenzeitlich tropfnassen plomeros im Spülschrank ob es sein könnte….naja, deutsches Aussengewinde, mexikanisches Innen.. na? Oder? Hm? Wie die mich soMike Krüger anschauten, dachten sie genau das, was ich zwei Stunden vorher vom plomero no. 1 dachte…

Nach sage und schreibe 5 Stunden, schafften es 5 Männer – inzwischen verstärkt durch Don Vallartino – und mit Einsatz von Zwischenstücken die flexiblen Schlauchleitungen des wunderschönen deutschen Edelstahl-Einarm-Mischhebels-matt-gebürstet, an die mexikanisch-amerikanischen Warm- und Kaltwasser-Zuleitungen anzuschliessen. Ist doch ganz einfach: man muss nur:

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4 Kommentare zu “Den Nippel durch die Lasche ziehn

  1. *g*
    Ich verstehe gar nix. Macht aber nichts. Wozu gibt es Männer. Nur – diese sollten das dann schon in einer vertretbaren Zeit hinkriegen …
    🙂

    Sehr amüsant. Wirklich.
    🙂

    LG!
    Eine Frau.

    • Hallo Heike,
      nun, diese Probleme tauchen eben auf, wenn man in einem mexikanischen Haus mit mexikanischen oder amerikanischen vormontierten Wasserleitungen auf die dementsprechenden „US-Inch-„gepolten Schraubanschlüssen eine deutsche Überwurfmutter aufdrehen will – die Gewindesteigungen/-grade passen nicht, sie müssen „passend gemacht“ werden.
      Dumm von mir war, dass ich das Problem schon in anderen Ländern hatte, es aber „vergessen“ hatte!
      LG und schönen Sonntag!

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