Es geht uns doch super in Ghost Town!

„ Immobilien-Blase, Real Estate Bubble? – Mumpitz! Wo bitte soll denn die Krise sein? Bei uns in the United States jedenfalls nicht! Wir kaufen immer noch Multi-Million-Dollar-Villas als Ferienbleibe in der Karibik, in Mexiko, Panama und Costa Rica! Was scheren uns 500 Dollar monatliche Nebenkosten? – Peanuts“

So oder ähnlich kommen die Botschaften der 22 bis 25-jährigen, hype gestylten US-Makler und ihrer Schickeria-Klientel in TV-Serien über die Mattscheibe geflimmert, die mal schnell innerhalb von wenigen Tagen Marktlaufzeit 600000 Dollar Vermittlungsgebühr machen durch den ruckzuck Verkauf einer 4 Millionen Dollar teueren Villa in Californien oder Florida. So ähnlich schaut sich das fern, wenn Familie Smith aus Ohio mal kurz nach Costa Rica, Roatan oder Panama für zwei Tage einfliegt und ganz nebenbei eine Ferienvilla für 1,5 Mio US $ ins Einkaufskörbchen legt.

Je tiefer die Krise, desto fantastischer die Lügen!

Man muss nicht extra durch’s www zappen um zu ahnen, dass besagte Ferienvilla an Panamas Küste nicht für 1,5 Mio sondern für tatsächliche 899000 Dollar hoffnungslosem Wunschpreis wie Sauerbier angeboten und – sofern eine Bank will – irgendwann mit viel Glück für max. Sechshunderttausend verkauft wird.

Die US-Immobilien Realität in Californien, Florida sieht nicht anders aus. ‚Ghost Town‘ und Geister-Neubauviertel sind zutreffendere Begriffe für die während der vergangenen Bauwutjahre seelenlos aus dem Boden gestampften Villen- und Condominium-Komplexe. Da stehen sie  nun, die Villas und Penthäuser und keiner will sie kaufen. Sie dümpeln und altern in ihren gepflegten Vierteln vor sich hin und verlängern die Liste der älteren „for-sale“-Objekte. Obwohl mancher Verkaufspreis halbiert wurde.

In Mexiko, Dubai, Spanien, Thailand etc. verzweifeln die Immo-Makler, so mancher hat schon das Handtuch geworfen, das Portfolio voll mit unverkäuflichen Traumobjekten. Die wenigen zahlungsfähigen Käufer die sich jetzt einfinden, bieten meist mit Preisabschlägen von 40 %, sie können es gelassen abwarten bis der Verkäufer am Boden ist. Dies sind keine Ladenhüter im üblichen Sinne, es sind neue, moderne Objekte, perfekt stylisch eingerichtet. Makellos, fehlerlos. Nur ihre Besitzer machten den Fehler, selbst noch ihre Seele an die Bank zu verpfänden um sagen zu können „mein Auto, meine Villa…“ oder sie liessen sich vom Märchen des „money-flipping“ reinlegen: Heute kauf ich, morgen verkauf ich, übermorgen bin ich reich!

„Wir hatten in den 90er Jahren den Immobilien-Wahn, die Banken gaben uns jeden gewünschten Kredit! Jetzt sitzen wir auf unglaublichen Hypothekenschulden für 4 unverkäuflichen Ferien-Wohnungen, müssen alptraumhafte Unterhaltskosten und Zinsen bezahlen, die eigentlich durch Vermietung, die kaum noch stattfindet, gedeckelt werden sollten und nun geht unser Haus demnächst unter den Hammer!“

Sie waren in ihrer Rechenschwäche und in ihrem Kaufrausch nicht allein. Der junge Arquitecto B. hat letztes Jahr drei Privatvillen in einem Luxus-Resort hier in PV nach Kundenwunsch gebaut, 2 davon wurden angezahlt und dann gingen die Bauherren in USA pleite. Um die Restzahlung für das 3. Haus streitet er noch. Jetzt hat er zwar wunderschöne Verträge herumliegen, kann die fertiggestellten Häuser aber nicht ohne teuere, langwierige Gerichtsverfahren veräussern. Sein Fazit: „zu hohe Aussenstände in den USA, kein Geld auf der Bank in Mexiko, keine neuen Aufträge in Sicht, die nächsten 5 Jahre keine Erholung in Sicht – ich kann mich genauso gut gleich aufhängen!“

Der Einzelhandel  ist konsequenterweise auch Opfer des Serientäters Überfinanzierung:

Pensacola, Florida, „Another shop empty, another empty…“


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9 Kommentare zu “Es geht uns doch super in Ghost Town!

  1. Ein interessantes Buch dazu: Eine Billion Dollar. Nach der Lektüre weiß man, dass Gelod nicht arbeitet, sonder nur Menschen. Wenn man sagt „Geld arbeitet“ heißt das, man kennt die arme Sau nicht, die man gerade ausbeutet.

  2. Aus allem entsteht ein neues Geschäft: wohlhabende Deutsche, die trotzdem gerade nicht reich genug waren für eine Villa in Florida ziehen schon seit Monaten dorthin, nutzen die Gunst der Stunde und erwerben aus ihrer Sicht für billiges Geld ihre Traumvilla -darauf hoffend, dass die Preise nicht noch mehr fallen…..
    Im Grunde ein guter Deal: denn auch wenn sie den Preistiefpunkt verpasst haben sollten und daran gemessen etwas draufgezahlt haben sollten, der nächste Spekulations-Höhenflug kommt bestimmt! Denn bisher hat ja die „Front der Unwilligen“ jegliche wirklich tragenden Regelungen zur Eindämmung von unredlichem Finanzgebahren verhindert, darunter GB und China.

      • Richtig. Nur jetzt lass uns mal Butter bei die Fische tun: die Basis all dieser Geschäfte ist letztlich das Prinzip des Zinses. Willst Du dieses Prinzip abschaffen und wenn ja, wie? In Saudi Arabien und im Iran wird nominell kein Zins genommen, im Rahmen des sogenannten Islamic Banking, wenn Du aber genauer hinschaust ist auch das nur eine Verklausulierung, de facto basiert alles doch wieder auf dem alten Zinsprinzip, nur anders formuliert und geschickt arrangiert.
        Hätte das mittelalterlich Europa wirtschaftlich überhaupt funktioniert, wenn es nicht zinsnehmende Geldverleiher, die Juden, gegeben hätte? Haben die Fugger keinen Zins genommen für das Geld, das sie verliehen?
        Geld, ursprünglich nur Tauschmittel, ist selbst zur Ware geworden, mit dem man Geld verdienen will. Das tut schon der kleine Sparer.
        Wenn man das Zinsprinzip aber nicht abschaffen will, wird man immer „nur“ die Auswüchse versuchen können zu beschneiden – mit den internationalen Verflechtungen, die wir heute haben und den neuen Mitspielern auf dem Parkett, wie die reichen Ölstaaten und China ein Unterfangen, das auf absehbare Zeit wenig Erfolg verspricht.

        • Nun, Federflüsterin, in den Sharía regierten Ländern, resp. beim Islamic Banking, nennt man Zinsen schlicht „Gebühren“ – deren Höhe bisweilen wucherartige Ausmasse annimmt. Ich will die Zinsen nicht abschaffen – schon gar nicht die Guthabenzinsen. Ein Geschäft – egal ob mit Geld oder Ware – hat immer die Zielsetzung Gewinne zu erwirtschaften. Alles legitim.
          Krumm wird die Sache dann, wenn bewusst „faule“ Kredite vergeben werden, d.h. bewusst Rückzahlungsunfähigen Kredite und Hypotheken angeboten werden. Herr und Frau Gierig, die mit ihrem regulären Einkommen gerade mal so über die Runden kommen, nehmen diese Hypothek auf und kaufen sich auch noch eine überteuerte Villa. Auf wen will man nun den ersten Stein werfen?
          Man sollte nicht immer die Schuld bei Anderen suchen, denn wie ich schon schrieb: „selbst zu einem unredlichen Geschäft gehören immer ZWEI!“

          • Vallartina, völlig richtig, da haben wir dieselbe Erfahrung, man nennt es „Gebühren“ oder auch „Rückzahlungsaufschläge“ oder, oder… es gibt ja so viele Gestaltungsmöglichkeiten, und da sage doch mal einer, Muslime wären nicht kreativ….;-)
            Natürlich haben Menschen in den USA, die es sich nicht leisten konnten, Kredite aufgenommen für Häuser, die sie sich überhaupt nicht leisten konnten. Angeschoben worden ist es allerdings auch durch ein Regierungsprogramm Clintons, das Banken dazu bringen sollte, solchen Leuten zu Häusern zu verhelfen – eigentlich ein sozialfreundliches Programm, allerdings hat man es nicht weiter überprüft, keine Qualitätskontrolle, wozu allerdings dann die Bush-Administration ja wahrscheinlich auch keinen Anlass sah. Offensichtlich ein offenes Tor für Missbrauch, meint: gezielte Falschberatung durch Banken und deren Vertreter. Natürlich kann man sagen, ja, die Kreditnehmer waren selber schuld, sie waren halt gierig. Aber Falschberatung suggeriert halt immer, dass man einen sicheren Weg weiss. Das hat, neben Gier, auch viel mit Hoffnung zu tun, gerade bei kleinen Leuten.
            Die eigentliche Katastrophe ist aber m.E. nicht durch diese Kredite selbst ausgelöst worden. Bei ihrem Fehlschlagen wären nur die Banken vor Ort betroffen gewesen. Die Hauptgier lag eigentlich woanders, nicht bei den Häuslebauern, sondern bei den Investmentbankern. Sie haben diese Konstrukte geschaffen, die das Hauskredit-Risiko des einzelnen Häuslebauers potenziert und auf die Gesamtwirtschaft übertragen haben, nämlich das mehrmalige Durchverkaufen der Kredite, daduch Maximierung des Gewinns der Investmentbanken. Da liegt die eigentliche Gier. Und zugleich das völlige Versagen der staatlichen Finanzinstitutionen.
            Gier mag auf der individuellen Ebene die Antriebsfeder der Krise gewesen sein, bei Denen ganz oben um ein Vielfaches potenziert gegenüber den kleinenMenschen ganz unten.
            Die fehlende Deckungsgleichheit von nationalstaatlicher Handlungs- und Durchsetzungsfähigkeit, sowie Kenntnisstand und internationalem Geschäft ist der strukturelle Grund der Krise. Schon seit Jahrzehnten kann der Nationalstaat immer weniger seinen Aufgaben gerecht werden, weil seine Reichweite angesichts der globalen Geschäftsprozesse in keinster Weise ausreicht. Die Geschäftswelt bewegt sich, wenn man so will, im 21. Jahrhundert, die Nationalstaaten im 19. .

  3. Wie sagt man doch gleich? „Gier frißt Hirn“? Es ist immer das Gleiche. Ich denke da zum Beispiel auch an die Blase der New Economy. Die Zahlen einzelner Firmen waren nicht begründbar, aber jeder musste die Aktien besitzen. Hauptsache Reibach machen. Tja, und dann platzte die Blase und die Kurse rutschten… damals war zudem schon ersichtlich, dass eine Immobilienblase folgen wird.
    Mir tut es nicht darum leid, dass Menschen nicht wissen, wie sie ihren Luxuskrempel los werden. Mir tut es für die leid, auf dessen Rücken das Ganze ausgetragen wird.

    Mal sehen, was als Nächstes folgt 😉

    Liebe Grüße,
    Emily

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