José Saramago † 18.6.2010

Über den umstrittenen Literatur-Nobelpreisträger José Saramago ist schon viel geschrieben worden, seine starke Beziehung zu Mexiko, vor allem Chiapas blieb meist unbeachtet.

Jose Saramago kam im März 1998 nach Chiapas aus “einer moralischen Verpflichtung dieses Land zu besuchen und meine Solidarität mit einem Volk auszudrücken, das seit fünf Jahrhunderten Verbrechen und Folter ertragen muss”.

Er besuchte Acteal, wo während einer Militäraktion im Jahre 1997 45 Personen getötet wurden. Saramago: “Ein intensives Bild, das sich nicht beschreiben lässt: Der Anblick dieses Jungen, dem sie das Leben zerstört haben wird nie mehr aus meiner Erinnerung verschwinden! Wenn wir nicht da hin gehen, wo der Schmerz und die Empörung ist, wenn wir nicht da hin gehen wo der Protest ist, leben wir nicht, sind wir tot(…) die Geschehnisse in Acteal haben vielleicht nicht die ganze Welt erschüttert, doch aber Menschen mit Sensibilität, Intelligenz und Herz.

“Ich bin Kommunist, aber in Mexiko bin ich Zapatist. Zapatist nicht aus einer intellektuellen Laune heraus, wie es manchmal mit Intellektuellen passiert, die nach Neuem suchen. Nein. Es ist meine Überzeugung, dass man neue Formen zum Verstehen der Realität finden muss.

Kurze Auszüge aus dem Epilog seines Buches

Chiapas, Rostros de la Guerra (2000)

„Alles Blut hat seine Geschichte. Es fliesst ohne Unterlass im Labyrinth des Körpers und verliert nie die Richtung, nie die Orientierung, es lässt schnell das Gesicht erröten und es verblassen, rasch dringt es in die verletzte Haut ein, formt eine Schutzschicht über einer Verletzung, es bildet Pfützen auf den Schlachtfeldern und Folterstätten, bildet sich zu einem Fluss auf dem Asfalt einer Strasse.“

„Manchmal galoppiert das Blut und schäumt, manchmal schaut es aus trockenen Augen, denn der Schmerz hat sie ausgetrocknet, manchmal lächelt es mit einem hintergründigem Mund ein Lächeln der Nähe, manchmal versteckt es das Gesicht, lässt jedoch zu, dass sich die Seele zeigt, manchmal fleht es stumme und blinde Mauern um Erbarmen an, manchmal ist es eine blutende, auf den Armen getragene Kreatur, malt Schutzbilder auf die Wände der Häuser, ist der starre Blick dieser Figuren, manchmal halten sie es fest, manchmal lassen sie es los, manchmal wird es riesig um  Mauern zu übersteigen, manchmal kocht es, manchmal beruhigt es sich, manchmal ist es wie ein Feuer das alles umschlingt, manchmal ist es wie ein sanftes Licht, ein Seufzer, ein Traum, ein Ausruhen für einen Kopf auf der blutigen Schulter des Nächsten. Es gibt Blut welches solange brennt bis es kalt ist. Dieses Blut ist ewig wie die Hoffnung.“

José Saramago

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2 Kommentare zu “José Saramago † 18.6.2010

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