Mariachi

Man kennt sie zur Genüge, die kommerzialisierten, häufig als touristische Schnulzensänger verrufenen Männer in viel zu engen, nietenverzierten Hosen, hochhackigen Stiefeln, kurzen schneidigen Jäckchen und einem riesigen, fantasievoll bestickten Sombrero. Sie ziehen all abendlich durch die Strassen, Restaurants und Kneipen der Touristenstädte, mindestens zu dritt,  auch bis zu einem Dutzend Musikanten, ausgerüstet mit Gitarren und Fidel, manchmal auch mit Posaunen, an jedem Tisch bieten sie ihre Lieder an. Abhängig vom Grad der Urlaubslaune und Anzahl der bereits gekippten Margaritas bestellen die Urlauber entweder gar nichts oder lassen flott aufspielen. Wie immer gibt es hier solche die wirklich gut sind, manche glatt zum Heulen. Oder zum Anflehen: „hört um Himmelswillen auf!“ wie kürzlich auf einer Geburtstagsfeier, 12 Mariachi waren aufgestellt aber wir waren sicher, 16 spielen/singen – jeder ein anderes Lied. Wie auch immer die Qualität der Musikanten: die überwiegende Mehrheit der in Touristengebieten anzutreffenden Mariachi spielt und singt im Neben-/Zweitberuf, die Familie ist auf diese zusätzlichen Einnahmen angewiesen. Also legen wir bitte die Latte nicht zu hoch!

Aber was bedeutet „Mariachi“ eigentlich und woher stammt der Begriff?

Die von den meisten Mariachi anerkannte Erklärung: Die Mariachi-Musik wurde in Cocula, Jalisco geboren. Dort siedelte im 16. Jhd. der Coca Stamm, ein sehr musikalisches Völkchen. Während der spanischen Konquista kam ein Pater Miguel de Bolonia in das Gebiet um Cocula, erkannte die musikalische Begabung und auch die Fähigkeit der Bewohner, Musikinstrumente herzustellen. Pater Miguel veränderte die Gesänge der Coca zu ihren aztekischen Göttern und münzte sie im Laufe der Jahre als Gebete an die Jungfrau Maria und den Erzengel Michael um. Im Laufe der Zeit änderte sich nicht nur der ursprüngliche Rhytmus der Coca-Gesänge, sie lernten auch mit den durch die Spanier eingeführten Instrumente wie Violine und Gitarre umzugehen, einer der Indígenos, Justo Rodríquez Nixen, entwickelte sogar ein neues Instrument, ein Violin-Körper hergestellt aus dem Panzer eines Gürteltieres und später eine Bassgitarre mit Saiten aus Tierdärmen.

Im Zuge der Christianisierung fanden die die Coca-Bauern auf wundersame Weise beim Pflügen eines Feldes ein Bild  der Jungfrau Maria (so berichtet die Legende der Padres) und begannen „Maria del Rio“  zu verehren, widmeten ihr ein Lied. In einer Zeile dieses Liedes liest man „Maria ce son“ was „das Lied von Maria“ bedeuten solle. Vermutlich wurden diese Wörter von den Coca als „Maria schi“ oder „Maria sche“ ausgesprochen, was wiederum schnellgesprochen sich ähnlich wie „Mariachi“ anhört.

Bis Anfang des 20. Jhd. blieb diese Mariachi-Musik relativ unbedeutend und auf ländliche Gebiete beschränkt.

Bis angeblich eine Mariachi-Gruppe für den damaligen Präsidenten Porfirio Díaz anlässlich eine Feier aufspielte. 1907 liess Díaz wieder eine Gruppe aus Guadalajara bei einer politischen Veranstaltung aufspielen. Diesmal jedoch waren die Musiker nicht wie Bauern gekleidet. Zwei Charros (Reiter in festlicher Tracht) und zwei tanzende Tapatías (aus Guadalajara stammend) begleiteten die Musiker, die nun erstmals auch eine Tracht der Charros trugen.

(Nach: Ramón Talavera Franco)

 

Mariachi Vargas

 

Typische Mariachi-Gruppen bestehen aus 7 bis 12 Musikern. Die ursprünglichen Instrumente des originären mariachi  waren nur Saiteninstrumente wie Violine, Gitarre, die bauchige Bassgitarre und die kleine Harfe und die Laute. Später kamen Trompeten, gelegentlich auch Flöte und Harfe hinzu.

Die traditionsbewussten Mariachi kleiden sich überwiegend in den Farben schwarz und weiss. Es gibt sogar strenge Regeln, z.B. die der Charrería abgeguckten Kleiderordnung: Der Anzug der traditionellen Charros (Grundbesitzer- oder militärischer Stil) ist  ausschliesslich schwarz, z.B. für Hochzeiten, Beerdigungen, weisse Anzüge kommen nicht in Frage!

Die modernen Mariachis und Tänzerinnen verwenden freizügig Farben und Verzierungen nach dem jeweiligen Geschmack. Ihre Anzüge und Kleider sind reichhaltig mit Stickereien, Knöpfen und Nieten aus Silber oder Metall und Lederapplikationen usw. verziert.

Auch bei den Sombreros gibt es traditionsbedingte Unterschiede. Auch hier halten die stolzen Charro-Anhänger die Tradition hoch, ihre Sombreros sind meist handgefertigte, teuere Kunstwerke, ein jeder ein exquisites Einzelstück. Mit den in Touristenläden erhältlichen bunten Fantasiegebilden wollen sie wirklich gar nichts zu tun  haben.

….und er hier ist und bleibt ein Sohn von Al Andaluz, bestenfalls ein Hollywood-Mariachi:

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s