Die Huichol, eine fast vergessene Kultur

Woher die wixaritari – ‚Heiler‘ – (wie sie sich selbst nennen) kamen, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Wahrscheinlich stammen die heutigen Huicholes aus verschiedenen Stämmen wie Cora und Guachichiles aus dem Hochland Mexikos, die sich im Laufe der Jahrhunderte in der Sierra Madre angesiedelt haben. Einige Wurzeln lassen sich auf Yuto-Azteca-Stämme zurückführen, die sich auf der Flucht vor den Tolteken in der Westlichen Sierra Madre niederliessen. Sicher ist, dass die Huichol lange vor der spanischen Konquista ein weitgehend unabhängiger Volksstamm war.

Die wixaritari selbst erzählen auch, dass während der Zeit der spanischen Konquista Tarahumara-Stämme aus den Küstengebieten des heutigen Nayarit sich den Huichol-Stämmen im unzugänglichen Hochland der Sierra Madre Occidental angeschlossen haben. Eine Legende der Huichol erzählt von Überfällen während ihrer bis zu 550 km langen Pilgerwanderungen zur Sierra Oriental, in das heutige Gebiet von San Luis Potosi, um dort in der Sierra den peyotl (Peyote-Kaktee) zu suchen und zu ernten. Demnach wurden sie von Adlern und Jaguaren überfallen, welche die Herausgabe des gesammelten Peyote forderten. ‚Adler‘ und ‚Jaguare‘  könnten Synonyme für fremde Kriegsstämme sein. Peyote war ein Rauschmittel, gewonnen aus den Wurzeln einer Kaktuspflanze (peyotl) welches in Ritualen aber auch in der Heilkunst dieser Stämme unverzichtbar war.

Die Legende sagt weiter, die Angreifer wurden schliesslich bestraft indem ihr Hauptort niederbrannte. (evtl. Hinweis auf La Quemada). Seither umgingen sie auf ihren Pilgerwanderungen dieses Gebiet weiträumig.

Ein früher Bericht über ein Peyotl-Ritual der Cora wird von einem spanischen Missionar im 17. Jhd. beschrieben:

„Nahe beim Musiker sitzt der Anführer der Sänger. Er teilt die Takt-Zeiten ein. Jeder hat einen Ersatzmann, falls er ermüdet. Es gibt eine Schale gefüllt mit peyotl, eine teuflische Wurzel die gemahlen wird und dessen Saft sie trinken damit sie nicht ermüden während der erschöpfenden Zeremonie. Sie beginnen das Ritual indem sie einen grossen Kreis formen, Männer und Frauen formieren sich auf einem Platz der vorher ausgefegt wurde. Einer nach dem Anderen tanzen sie in einem Ring und geben den Takt mit ihren Füssen vor. In ihrer Mitte sitzt der Musiker und Taktmeister, den sie eingeladen haben. Sie singen diese unmusikalische Melodie die er ihnen vorgibt. Sie tanzen die ganze Nacht, von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang, ohne Unterbrechung, ohne den Kreis zu verlassen. Wenn der Tanz endet stehen nur noch wenige auf ihren Füssen, die meisten konnten, durch den peyotl und den Wein den sie tranken, ihre Beine nicht mehr bewegen.“

Die Huichol Geschichte dürfte bis zu zweitausend Jahre alt sein. Heute zählen die Huichol etwa 20.000 Angehörige. Hauptgebiet der Huichol ist das Grenzgebiet Nayarit/Jalisco/Zacatecas/Durango im Hochland der Sierra Madre. Die heutigen, der Tradition verpflichteten Huichol versammeln sich noch immer für ihre Zeremonien im Hochland der Sierra Madre, singen und tanzen erschöpfend eine ganze Nacht. Aber viele junge Huichol wanderten auch in die Städte ab, arbeiten heute in vielen Bereichen des modernen Lebens.

Ein Huichol-Lied:

„Die Erde ist krank und stirbt. Das Land der Huichol Indianer,

versteckt in den Weiten des Sierra Madre Gebirges stirbt.

Die Wälder schrumpfen, Wasser wird rar,

die Tiere verschwinden.

Die Menschheit muss der Verwalter der Erde sein,

Aufpasser für alles was darauf wohnt;

Muss ein Herz sein mit allen Dingen.

Menschen müssen lernen, die Tränen jedes Lebewesens zu teilen,

in ihrem Herzen die Schmerzen jedes verwundeten Tieres und jedes gebrochenen Grashalms zu fühlen.

Mutter Erde ist unser Fleisch; die Felsen unsere Knochen;

Die Flüsse sind das Blut in unseren Venen.“

Der weise huichol Mann, der Grosse Schamane, weiss warum.

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4 Kommentare zu “Die Huichol, eine fast vergessene Kultur

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  3. ich bedanke mich nochmals fuer diesen Teil der Geschichte der Huichol Indianer.

    Ich denke mal, diese Voelker hatten einen weit aus groesseren kommunikativen Austausch mit anderen Indianer Voelkern , als nach der Conquista von den Spaniern angenommen.

    Du erwaehntest die Tarahumaras, welche sich mit den Huicholes temporaer zusammenschlossen. Die Tarahumaras waren auch im Norden Mexicos ansaessig im heutigen Sonora. Und von dort waren es nur wenige Wochenmaersche (was ist das schon fuer Nomaden) in die Gegend welche man heute Arizona nennt. Dort lebten die Apachen-, Hopi- und Navajo Voelker, man traf sich auf einmal, vielleicht kannte man sie aus alten Erzaehlungen, man traf sich entweder als Feind oder auch als Freund. Sie redeten zwar eine andere Sprache, aber Wille existiert immer …. Die Navajos z.B. hatten ihren tanzenden u. floetenspielenden Gott, Kokopeli …. ich denke mal unter den Herrschenden waren diese Sachen alle bekannt.

    Mal Lust auf einen Peyote, liebe Vallartina …

    Natuerlich erwarte ich nicht von Dir dass Du Dein Nervensystem mit einer physischen Einnahme strapazierst, zieh in Dir einfach mal intellektuell rein. Mit dem ersten Buch von Carlos Castaneda, Antropologe u. ehemaliger Professor der University of California „Lehren des Don Juan Matus“ wenn es Dir (bestimmt) gefaellt, dann gibt es noch sieben Buecher die er hinterher schrieb. Ich habe sie damals nicht gelesen, sondern gefressen ….

    aus Wikipedia:

    In ihnen berichtete er, dass er im Rahmen seiner Studien über die Indianer Mexikos und deren Gebrauch von Heilkräutern und Heiligen Kräutern (beispielsweise Peyote) einen Yaqui-Indianer namens „Don Juan Matus“ kennengelernt habe. Im Gegensatz zu allen Castaneda angeblich bis dahin bekannten wissenschaftlichen und religiösen Welterklärungsmodellen, hätte ihm Don Juan Matus eine alternative Sichtweise von Wirklichkeit (separate reality) vermittelt. In den 1970er und -80er Jahren erlangten Castanedas Bücher international Popularität

    oder besser: http://de.wikipedia.org/wiki/Carlos_Castaneda

    ein kleines Zitat von Castaneda:

    „solange der Mensch glaubt, er sei das Wichtigste auf dieser Welt, kann er die Welt, die ihm umgibt, nicht wirklich wuerdigen. Er ist wie ein Pferd mit Scheuklappen, er sieht nur sich selbst, getrennt von allem anderen“

    oder:

    „die Schamanen des alten Mexicos gaben unerklaerlichen Kraeften, die auf sie einwirkten den Namen Verbuendete. Sie nannten sie Verbuendete, weil sie glaubten sie koennten sie nach Belieben benutzen – eine Vorstellung, die fuer diese Schamane beinahe toedlich war, weil das was sie einen Verbuendeten nannten, ein Wesen ohne koerperliche Substanz ist, das im Universum exisitiert. Heutige Schamanen nennen sie anorganische Wesen. Fragt man welche Funktion die Verbuendeten haben, so koennte man auch fragen, was wir Menschen auf dieser Welt zu tun haben. Wir sind da, das ist alles. Und die Verbuendeten sind da wie wir; und vielleicht waren sie vor uns da.“

    Und noch ein ganz schoener:

    “ Wenn man sich wichtig nimmt, wird man schwerfaellig, unbeholfen und eitel. Um ein Krieger zu sein muss man leicht und beweglich bleiben.“

    genug Castaneda fuer heute ….

    • Danke für deine positive Reaktion. Nun, die wixaritari kennen nicht nur den peyotl, da gibt’s noch Schwammerln und Pflanzen usw. Habe diese Tage einen jungen Huichol gefragt, ob all diese Halluzinogene nicht sehr viele Junkies hervor bringen – er antwortete: nein, wir können aus Tradition richtig damit umgehen so wie die Christen mit dem Weihrauch…
      Allerdings ist sehr schade festzustellen, wie viele der heutigen Huichol ihre Geschichte beinahe vergessen haben und es ist auch schade, traurig, dass sie in diese touristische Ecke der Stick-Glasperlen-Bilder abgestempelt sind. Wenn man genau hinschaut und zuhört, ist da nämlich sehr, sehr viel mehr, auch für uns zu lernen.

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