Mexikanische Heidelbeeren fordern die Gleichberechtigung!

Guten Tag, ich bin Arándano. Ich bin eine Heidelbeere aus Tlajomulco de Zuñiga, Jalisco, Mexico. Eine sehr schöne, traditionelle Stadt und ich bin stolz, von dort zu stammen.

Über viele Jahre hinweg hat unser Patrón sein Land gepflegt bis es endlich möglich war, unsere Heidelbeersträucher anzupflanzen. Er hat seine Arbeit gut gemacht. Prächtig sattgrün standen unsere Stauden und bald trugen sie die ersten Früchte. In der unvergleichbaren mexikanischen Art, Fe y Esperanza, „Glauben und Hoffnung“ standen wir geduldig, wartend, hoffend und glaubend,  bald prall, saftig und wunderschön violettblau reif und wichtig zu sein.

Und dann kam der grosse Tag: wir wurden geerntet. Wir wurden in kleine transpartente  Plastikbehälter verpackt, von Hand abgezählt, nie zuviele in einem Behälter – denn wir sind kostbar! Eviva la calidad! Unsere Reise führte uns in einem gekühlten Transport-LkW über die unwegsamen Strassen der Sierra bis in die grossen Städte, in die Megamärkte. Ach, wie behutsam wurden wir dort in die Regale eingelagert, meist sogar in ein eigenes Kühlregal mit exquisititen Waren. Und während wir dort  lagerten, wartend auf die Hand, die uns erwählte, schaute ich mich um. Ach, wie privilegiert sind wir doch, so dachte ich, die kleine Heidelbeere aus Tlajomulco. Aber, es gab auch Momente, die mich nachdenklich stimmten. Lange konnte ich nicht verstehen, warum Bananen, Plaumen und Äpfel ein Siegel, aufgeklebt auf jede einzelne Frucht, hatten. Wozu?

Dann, als eine zarte Frauenhand nach meinem durchsichtigen Plastikbecherchen griff, uns hin- und herdrehte, schliesslich tief seufzte und sprach „lieber Himmel, 359 Pesos das Kilo! Unmöglich!“  und mich und meine Kameraden-Beeren in ihren Einkaufswagen legte, wir in der Kasse gescannt wurden wusste ich mehr: Die Stimme der Frauenhand fragte: „Como? No puede ser!“ Und ihr wurde geantwortet: „Asi es, Señora!“ (Was? Das kann doch nicht sein?“ „Doch, Frau, so ist das!“)  Wir waren kostbar! Ja!

In der Küche der zarten Frauenhand angekommen, wurden wir im durchsichtigen Becherchen zuerst einmal beiseite gestellt. Denn diese Frauenhand hatte noch mehr Früchte nach Hause eingeladen. Sie packte Äpfel, Bananen, chinesiche Birnen, Pflaumen, Acovados, Paprikaschoten etc etc aus. Es bestürzte mich: Alle, alle Früchte hatten ein eigenes Label, auf jeder einzelnen Frucht prangte deutlich sichtbar ein Aufkleber! Wo immer wir hinschauten „Dole Chile“  Wirklich! Auf jeder einzelnen Frucht! Und was war mit mir und meinen prallen, saftigen, stolzen mexikanischen Heidelbeeren? NIX! GAR NIX! Nur auf unserem durchsichtigen Behälter war ein einziger  Aufkleber, ein einziges Label  „Produce of Mexico“

Es wurde noch viel schlimmer! Die zarte Frauenhand nahm jede einzelne Banane, jede Pflaume, jede Birne zärtlich in ihre Hände, wusch sie unter kühlem fliessendem Wasser, und sie entfernte mit unglaublicher Hingabe all die Label, dann wurden die Früchte vorsichtig auf ein Küchentuch gelegt, abgetupft, zärtlich poliert und schliesslich in eine hübsche Schalte gelegt. Und wir? Wir verschwanden ohne eine weitere Behandlung im Kühlschrank. Nur um am nächsten Tag die Dekoration eines Obstkuchens zu werden! Ohne Aufkleber, ohne Label, anonym, versanken wir unter Gelatine!

Ja wer kennt denn schon dieses Kaff DoleChile! Was haben die denn was wir nicht schon längst hätten! Was ist DoleChile im Vergleich zu Tlajomulco Jalisco??? Ja, das frage ich Euch! Scheint die Sonne dort besser? Ist der Schatten dort kühler? Zahlt der Don dort mehr? Oder ist der Boden dort golden oder was???!!!!!

WIR MEXIKANISCHEN HEIDELBEEREN  FORDERN DIE GLEICHBERECHTIGUNG!!!!!

JEDE VON  UNS VERLANGT AB SOFORT IHR EIGENES LABEL!!! GEBT JEDER HEIDELBEERE IHREN EIGENEN AUFKLEBER!!!

GLEICHBEHANDLUNG ALLER OBSTSORTEN!!!!

Guten Tag,

Ich bin die „zarte Frauenhand“,  die alle diese Früchte einkaufte, bezahlte (Oh Ja!), wusch, viertelte und auf einem Obstkuchen verteilte. Und ich sage Euch nur eines:

GELOBT SEIEN alle Produzenten, die uns Hausfrauen unendlich viel Zeit und Maniküre ersparen, wenn sie ihre Früchtchen so anbieten wie die Heidelbeer-Pflanzer aus Tlajomulco!

WENN IHR NOCH MEHR PICKERL ODER AUFKLEBER ODER SONST WELCHEN KLEBSTOFF AUF UNSER OBST KLATSCHT, DANN BOYKOTTIERE ICH DIESE PRODUZENTEN!!!

UND WIR HAUSFRAUEN PFEIFFEN AUF DIE EUROPÄISCHE REGLEMENTIERUNGS-WUT!

KLEBT DOCH ALLE EUERE DEUTSCHEN BRÖTCHEN UND TEILCHEN MIT AUFKLEBERN ZU!!!

WIR IN MEXIKO BRAUCHEN DIESEN QUATSCH NICHT! UND WEGEN EINES AUFKLEBERS AUF IRGENDWELCHEM IMPORTIERTEN STüCKES OBST ZAHLEN WEDER ICH, DIE DEUTSCHE IMMIGRIERTE HAUSFRAU, NOCH MEINE MEXIKANISCHEN NACHBARINNEN, KüNFTIG KEINEN CENTAVO MEHR!!! WIR HABEN DIESES GEFIESELE WEGEN DER AUFKLEBER DICKE!!!

(Schliesslich kostet eine French-Manicure schlappe 150 Pesos!! Das ist drei mal so teuer wie ein ganzer fertiger Kuchen beim Comer!)

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