Die Leberwurst-Attacke

So viele Jahre lebe ich nun entfernt von Graubrot, Sauerkraut und Nürnberger Bratwürsten, Apfelstrudel, Schweinebraten, Klössen und Leberwurst. Habe in einigen Ländern gelebt die so viel leckere, neue, mir unbekannte Produkte/Speisen boten. Meine Küche ist lange schon nicht mehr authentisch deutsch, eher schon müsste man sie neudeutsch als „fushion cooking“ bezeichnen. Die fremden Einflüsse haben deutliche Eindrücke hinterlassen, selbst mein Einkaufszettel liesst sich eigenartig: Semmeln, yeast, hierba buena, Essig, guayaba, dizef, crema agri, fresa, Zwetschgen, sirloin, Schwammerl…. Ich paniere meine Wienerschnitzel nicht mehr mit Semmelbröseln sondern mit Panko oder backe sie in Tempura-Teig getaucht in der Friteuse. Salatsossen sind keine Vinaigrettes mehr sondern LiNaPeMe (limones, naranjas, perejil, menta: Limetten, Orangen, Petersilie, Pfefferminze). Und trotzdem suche ich seit 20 Jahren nach einem brauchbaren Ersatz für Quark. Und kürzlich durchstöberte ich mal wieder blogs und Rezepte-Sammlungen in deutscher Sprache, der Mund wurde wässrig, mein Magen brüllte, und da sprang sie mich nach vielen problemlosen Jahren urplötzlich wieder an:

Die Leberwurst! Pfälzerleberwurst, feine Kalbsleberwurst, dick auf frisch gebackenes Holzofenbrot gestrichen! Ich sah sie vor mir: gross, dick,  duftend, verführerisch duftend nach Majoran, diese unvergleichliche grau-bräunliche Farbe der Pfälzerleberwurst in der glänzenden, transparten Hülle. Ich spürte die cremige, sahnige Konsistenz der Kalbsleberwurst auf der Zunge, am Gaumen…und ich stürzte zum Kühlschrank. Und zack! Da war sie wieder,  die nackte Realität: Jamon Virginia, Serrano, Plastikmortadella, Pseudo-Westfälischer Räucherschinken…

Es half nichts, mittlerweile prügelte mich mein Magen, das Kleinhirn röhrte „Hunger“, die Hände zitterten, mein während der letzten 5 Tage vom Zahnarzt geschundenes Zahnfleisch schrie „weich, bitte! weiches Essen“.

Arg gebeutelt erinnerte ich mich an ein kürzlich gefundenes Rezept für ein leichtes Gericht, das so weit wie nur möglich von Leberwurst entfernt und säuerlich genug war um meine Geschmacksnerven umzupolen: Zucchini-Carpaccio. Sehr lecker, sehr erfrischend, genau das was ich gerade dringend brauchte. Hier meine Version:

Für eine Vorspeise oder Zwischengericht: p.P. 1 kleine, frische, ungekochte Zucchini, mit dem Gurkenhobel längs in dünne Scheiben geschnitten, fächerförmig auf einem Teller anrichten.

Den Saft von 2 – 3 Limetten und ½ Orange und 1 EL Sushi-Essig oder milder Apfelessig mit 1 TL Zucker verrühren, 1 – 2 TL Olivenöl kräftig einrühren. 1 EL feingewiegter Petersilie, 1 TL feingewiegter frischer Minzblätter, 1/2  Schalotte, je ½ grüne und rote Paprikaschote fein würfeln und auf den Zucchini-Scheiben anrichten. Petersilie mit Minze mischen, über die Zucchini streuen,  mit der Marinade übergiessen, gut 1 Std. im Kühlschrank ziehen lassen.

(das Original-Rezept habe ich von http://kochfelder.blogspot.com/2009/08/zucchini-carpaccio.html Danke!)

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6 Kommentare zu “Die Leberwurst-Attacke

  1. „Fushion cooking „ist das Zauberwort, und Panko , der große Bruder vom Paniermehl aus Fernost, hat auch in ( good old ) Germany , längst die Küchen erobert. Und deine Marinaden sind kreativ geborene Antworten, dem Bedürfniss nach „Wohlschmeckenden“. Das mit der Kalbsleberwurst kann auch ich als „Eingefleischter“ Veggie, gut nachvollziehen . Ich würde Sie vermutlich selbst produzieren. Die Zutaten könnte man sich auch in Mex beschaffen. Weiter so ,Appetit macht erfinderisch 🙂
    Your Matai

  2. was fuer ein „verfuehrerischer“ Artikel. Ich habe aber keinen Leberkaes gelesen …
    Letztes Jahr im Dezember gab es ploetzlich grosse Werbung im Superama: „Especialidades Alemanes“ Nichts wie rein …. Es gab aber keine grosse Auswahl, trotzdem konnte ich mich mit genuegend Hering in Dosen in verschiedenen Geschmacksrichtungen, suessem Senft, Sauerkraut, Salat Dressings u. Meerettich von Kuehne eindecken. Deutsche Wienerwuerste gab es auch, aber die waren zum Wegwerfen, mittlerweile die „Fraenkforter“ von Oscar Meyer gewohnt, made in USA.

    • Naja, Leberkäse 1x jährlich war o.k. Den Versuch, geniessbare Würstl zu finden, habe ich aufgegeben – bis zu den Franforter vom Oscar bin ich gar nicht gekommen, evtl. probiere ich sie mal.

    • Die hier verwendete Marinade geht auch sehr gut als Salatdressing für Eissalat oder Kopfsalat. Allerdings…Maizeit=Spargelzeit! Ein knackiger Schwetzinger Spargel würde auch mir schmecken.

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