Golfer, kommst Du nach Mexico….


Manchmal ist es woanders eben anders, manches kommt uns spanisch vor, manches lässt uns den Kopf schütteln und manches bringt uns zum Schmunzeln.  So will ich heute ein bisschen über das „andere Golf“ plaudern, oft genug erlebt auf Golfplätzen hier in Vallarta.

Für beinahe alle Golfplätze in Mexico gilt zunächst einmal „zu Fuss“ geht gar nicht. Üblicherweise muss man ein „coche“ also ein Golfkart anmieten.
Es empfiehlt sich vor Abfahrt zum Abschlag dieses Gefährt kurz zu checken, nämlich zum einen ob ein Reifen platt oder fast platt ist und zum anderen kurz anzufahren und auf die Bremse zu steigen. Hier bieten sich grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Sie greift nicht oder sie krallt wie eine Brembo-Bremse, hart und zackig! Also bitte ohne Beifahrer(in) und mit durchgedrückten Armen ausprobieren.
Wenn soweit alles klar ist, noch kurz sicherstellen, dass das Bag auch wirklich festgeschnallt ist, und ab geht’s!
Während der ersten Meter Fahrt zum Einser-Abschlag können eigentlich nur Porsche-Testfahrer die verbliebene Batterie-Leistung einschätzen, üblicherweise findet man liegengebliebene coches so ungefähr ab dem 7. Loch…was aber gar nicht sooo schlimm ist, denn auf guten Plätzen fahren die Marshals regelmässig ihre Runden und ausserdem gibt es meist auch noch den „Tequila-Express“ um die Wartezeit zu verschönern (dazu komme ich später). Ein Ersatz-Coche wird meist schnell beigestellt.

Wer überwiegend in D-A-CH golft, wird sich etwas über die hier herrschende Etikette und Kleiderordnung wundern.
Fangen wir mit der Kleiderordnung an.
Wenn Sie einen Spieler sehen, der lange Hosen sowie Polohemd mit Vereinsemblem selbst bei 38 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit trägt und nicht einen einzigen Schweisstropfen auf der Stirn hat, dann ist das ein Mexikaner. Sehen Sie eine Spielerin, die bei gleichen Witterungsverhältnissen ebenfalls lange Hosen UND eine Langarmbluse mit breitkrempigem Hut trägt, dann ist das eine Mexikanerin, die zwar gerne golft, ihre Haut aber vernünftigerweise vor der prallen Sonne schützt.
Wenn Sie keinen Spieler sehen, sondern hören bevor Sie ihn sehen, können sie sicher sein, bald eine verknautschte Bermudahose, Schiesser-Feinripp-Unterhemd und Tennisschuhe im nächstgelegenen Rough zu entdecken. Das ist dann ein Amerikaner.
(und davon werden sie auf touristisch stark frequentierten Plätzen sehr viele sehen)
Die Damen von NOTB (nördlich der Grenze) bevorzugen gerne, unabhängig von Figur und Gewicht, Träger-Teeshirts, kurze Röckchen und, um das neueste French der Fussnägel nicht durch die geschlossenen Golftreter zu derangieren, tragen sie häufig eine Art Birkenstock-Latschen. Sie werden auch gelegentlich Flipflop an Golfer’s Füssen bestaunen können. Nun, als guter Golfer wissen Sie: „Schau immer nur auf deinen Ball!“ Meine Herren Golfer, schonen Sie Ihr Augenlicht, konsultieren Sie umgehend den Birdie-Maker und/oder kramen Sie in den hintersten Ecken Ihrer Trickliste um einen Jahrhundertschlag zu finden, der Ihren verzogenen Ball aus der Bananenstaude ohne Einsatz einer Kettensäge wieder auf den Fairway zurückbringt!

Spielweise

Nehmen Sie sich für den Nachmittag nichts vor, wenn Sie später als 8 Uhr morgens abschlagen. Runden von 5, 6 Stunden als Viererflight sind hier durchaus üblich. Nicht, dass die Abschlagszeiten zu knapp gesetzt würden, man hat hier alle Zeit der Welt. Es ist nicht unüblich, dass sich auch schon mal 6, 7 oder 8 Leute unterwegs in einen Flight zusammenschliessen, nur weil man sich auf der Suche nach verlorenen Bällen im Rough zufällig getroffen und bei einem kleinen Schnack festgestellt hat, dass man auch aus NY, oder LA oder irgendeiner Stadt in Canada kommt.Sind Sie alleine oder zu Zweit und sollen sie in einem Vierer spielen, tun Sie es! Sie werden erstaunt sein, wieviel Geographieunterricht über selbst das unbekannteste US- oder CAN-Kaff Sie während einer 18-Loch-Runde erhalten. Und Sie werden sich wundern, wieviel Cola-Rum schon ab Frühstückszeit durch den „Tequila-Express“ verkauft wird.
Spielen Sie mit mexikanischen Mitspielern, wird es auch nicht ruhiger. Jeder Schlag den Sie machen wird kommentiert, selbst wenn Sie Ihren Abschlag über den Parallel-Fairway hinaus dreschen, wird man „BUENO“ rufen, läuft Ihr Put länger über’s Loch als zum Loch, wird auch im Zweifelsfall die klasse Linie gelobt.

Ein Mexikaner kommentiert seine guten Schläge nicht – die sind einfach sein Standard. Bei schlechten Schlägen werden Sie Wörter hören, die mit „Dsching…“ oder „Ichode…“ beginnen. Quittieren Sie diese Ausdrücke, die man nicht unbedingt kennen muss, eleganterweise mit einem süffisanten Lächeln;Sie werden sehr viel auf der Runde lächeln….Und Sie werden lernen, dass ein grottenschlecht geschlagener Ball ein „comercial“ ist (schön war er nicht, aber ein bisschen bringt er auch) oder ein Chip der zu flach und viel zu lange geraten ist als „secretarial“ (taugt nichts, kommt aber erstaunlich weit) bezeichnet wird.

Vergessen Sie vor allem wenn Sie mit Mexikanern spielen, dass Mobiltelefone auf einem Golfplatz in D-A-CH meist nicht geduldet werden. Stellen Sie sich mental darauf ein, dass während Sie konzentriert Ihren Backswing machen, ein oder zwei Handies klingeln und Ihre Mitspieler auf jedem Abschlagsplatz und auf jedem Grün ganz ungeniert mit Freunden oder dem Büro telefonieren. Sollten Sie dadurch Ihren Abschlag verziehen, ist ein Mulligan die selbstverständlichste Sache der Welt.

Bunkerrechen oder Pitchmarks oder Divots ausbessern unterlässt man meistens. Betrachten Sie dies einfach unter volkswirtschaftlichen Aspekten, schliesslich geht es auch darum, durch unseren schönen Sport möglichst viele Greenkeeper in Lohn und Brot zu halten. Sollte Ihr Ball also im Bunker in einem tiefen Trittloch liegenbleiben, nehmen Sie es mexikanisch gelassen: entweder ganz raus aus dem Bunker oder einfach besser legen.
Bei Golfplätzen z.B. in Puerto Vallarta aber auch Cancun sollten Sie Ihre ins Wasser oder Uferböschung geballerten Kugeln besser nicht suchen. Es gibt wirklich Krokodile und Alligatoren, die keinen Spass verstehen, also lassen Sie denen das neu gefundene Spielzeug.

Golfregeln und Turniere:
die wichtigste mexikanische Golfregel heisst: „si hay reglas, las rompemos!“ (wenn’s Regeln gibt, brechen wir sie). Nun bei einer freien Runde können Sie also frisch, frei, fröhlich draufhauen, legen Sie Ihre Strafschläge so, dass Sie bequemst stehen und vergessen Sie, den Strafschlag zu zählen. Befreien Sie sich von Drops bei seitlichen und Fairway-Wasserhindernissen, es kommt nur darauf an, das beste Stückchen Rasen unter dem Ball zu finden. Liegt ein Ball im Aus wird er problemlos weitergespielt, sofern man nur irgendwie hinter dem Ball stehen kann.

Wenn Sie während Ihres Urlaubs die Möglichkeit haben ein Turnier mitzuspielen, tun Sie es. Meistens sind das Fun-Turniere, Vierer-Bestball oder Scramble. Erwarten Sie aber bitte nicht, dass ein als „Bestball“ ausgeschriebenes Turnier auch als Bestball gespielt wird. Es kann vorkommen, dass bei Preisverleihung ein Viererflight mit sagenhaften 35 Schlägen die 18 Loch gewonnen hat; nun, die haben dann eben scramble-gamble gespielt. Auf jeden Fall empfiehlt es sich, die Sponsoren-Liste eines Turniers zu studieren. Stehen da z.B. Corona, Tekate oder eine Tequila-Marke drauf, nehmen Sie unbedingt teil! Die Versorgung während der Runde wird erstklassig feucht-fröhlich sein. Machen Sie aber unbedingt nach dem 9. Loch Pause, meist wird dort der Snack-Stand aufgebaut, langen Sie kräftig zu, sonst packen Sie wenige Loch weiter die Tequila-Probe nicht mehr.
Es könnte Ihnen passieren, dass während der Runde plötzlich Fotographen aus dem Gebüsch springen und Ihren Flight umzingeln und aus allen Positionen Fotos schiessen. Das gilt nicht Ihnen, vielmehr dürfte einer Ihrer mexikanischen Mitspieler ein ortsbekannter Gastronom oder Politiker sein, der die Fotographen bestellt hat.

Falls Sie, meine Herren, gerne eine reine Männer-Runde spielen, so dürfte das jährlich stattfindende UJENA Bikini-Turnier ein echtes Schmanckerl sein. Dieses Jahr wird auch Puerto Vallarta wieder  vom Ujena-Jam heimgesucht, also hurtig bei Mike Pohl in der Hacienda Alemana anfragen ob noch Zimmer frei sind, Flugtickets besorgen, die Sause läuft ab 28. August.  http://www.ujenanetwork.com/pvjam.php
Und zum Schluss noch eines: falls Sie einmal zufällig über das „radio“ (Walkie-Talkie) eines Marshals die Alarm-Meldung hören sollten:
„Mandame ambulancia al siete, URGENTE! URGENTE!“ dann brauchen Sie sich nicht zu sorgen, niemand hatte einen Herzanfall oder Hitzschlag erlitten, es bedeutet einfach nur:
„Schick zwei Bier auf die 7er Bahn“ und dann donnert der „Tequila-Express“ umgehend dort hin. Denn in Mexiko lässt man einen Gast nicht unnötig warten.

Aufgeteet! Gut Holz!

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3 Kommentare zu “Golfer, kommst Du nach Mexico….

  1. Pingback: golfer, kommst du nach méxico « golf guerrero

  2. Hey,

    toller Artikel 🙂 Ich hab mal in einer Golfzeitschrift einen Artikel über Mexiko gelesen, scheint sich ja durchaus zu lohnen.
    Zu den Gepflogenheiten: Ich finds sympatisch 🙂 Man muss sich halt drauf einlassen können, aber wieso nicht, ich mag beide herangehensweisen.

    Grüße

  3. ein herrlicher Artikel, fuer einige Golfer die noch nie in Mexico gespielt haben sicherlich „da fehlte mir doch noch was…“

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